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Ein People’s business

 

Neben einem ­strukturierten Prozess, genügend Research-Ressourcen und jahrelanger Erfahrung ist das Netzwerk der Fondsanalysten entscheidend.

Von Michel Van Der Speck
am 05.02.2014

Gross oder klein? Das ist eine wichtige Frage, wenn ein privater Anleger seine Bank auswählt. Denn auch bei der Auswahl der besten Fonds und dem Zugang zu interessanten Fondsanlagen spielt die Grösse der Bank eine wichtige Rolle. Und es ist nicht so, dass gross immer ein Vorteil sein muss. Ein genauerer Blick auf die verwalteten Vermögen lohnt sich.

Für Banken mit kleinen investierbaren Vermögenssummen bleiben einige Türen zu vielversprechenden Fonds verschlossen. Eine sehr grosse Bank hingegen kann teilweise nicht mehr in attraktive kleinere Fonds investieren, weil ihr Investitions­volumen für kleinere Fonds oftmals zu gross ist. Grösse bedeutet jedoch mehr Ressourcen, sei dies im Research, in der Analyse oder durch eine breite internationale Präsenz. Klein wiederum bringt automatisch mehr Flexibilität und Geschwindigkeit bei Entscheiden und die persönlichere Kundenbeziehung mit sich.

Unabhängig und ohne falsche Anreize

Erhalten Privatanleger Zugang zu institutionellen Konditionen? Genau zwischen diesen Polen sind mittelgrosse Banken und Vermögensverwalter zu finden. Sie vereinen in der Regel die notwendigen Ressourcen mit einem breiten Know-how und dem Zugang zu den interessantesten kleinen und grossen Fonds auf dem Markt. Ebenfalls wichtig ist, ob die Bank ihren Kunden einen direkten Zugang zu institutionellen Konditionen verschaffen kann und diese auch an die Kunden weitergibt. Nicht zu unterschätzen ist schliesslich der Aspekt, dass solche Anbieter häufig keine eigenen Anlageprodukte entwickeln und vertreiben und daher unabhängig und ohne falsche Anreize die für den Kunden besten Fonds auswählen können. Sie sind meist auch flexibler und setzen, wo sinnvoll, auf Exchange Traded Funds (ETF). Aus Kostengründen, aber auch um ein bestimmtes Investment mit geringerem Analyseaufwand taktisch zu spielen.

Die Fondsauswahl folgt in der Regel einem klar strukturierten Prozess, der meist auf zahlreichen Auswertungen basiert und mehrstufig ist. Die Fondsanalysten wählen innerhalb eines definierten Universums anhand von quantitativen und qualitativen Kriterien eine Handvoll ­vielversprechende Fonds aus. Mittels ­Filterkriterien wie Grösse des Fonds, Performance, Kosten oder Anlagestrategie ­erfolgt eine erste Selektion. Es wird beispielsweise nach Fonds gesucht, die in den vergangenen fünf Jahren in verschiedenen Marktumfeldern konsistente oder im Vergleich zum Benchmark herausragende Leistungen erbracht haben. Selbstredend nach den für die Kunden anfallenden Kosten. So kann es auch sein, dass ein Fonds, der leicht über dem Durchschnitt liegende Gebühren verlangt, dennoch in die engere Auswahl kommt.

Anschliessend prüfen die Fondsanalysten die übriggebliebenen Fonds auf weitere strikte Ausschlusskriterien wie beispielsweise die Transparenz, die Kontinuität des Fondsmanagements oder auch operative Risiken beim Anbieter. Bei überzeugenden Fonds werden schliesslich tiefergehende Due-Diligence-Prüfungen vorgenommen. Dabei geht es vor allem darum, die Fähigkeit des Managers abzuschätzen, künftig Rendite zu generieren. Die Person hinter dem Fonds spielt also eine zentrale Rolle. Deshalb finden mit den Fondsmanagern schliesslich persönliche Gespräche statt, bevor definitiv darüber entschieden wird, ob ein Fonds für die Bankkunden ausgewählt wird oder nicht.

Erfahrungen sind Gold wert

Kein Zugang zu bereits geschlossenen Fonds? Dieser sogenannte Top-down-­Ansatz wird vielerorts bevorzugt. Dieser Ansatz kann ergänzt werden mit einem Bottom-up-Ansatz, wo aus dem weitverzweigten Netzwerk der Bank oder aufgrund von persönlichen Kontakten der Fondsanalysten zusätzliche konkrete Anlageideen entstehen. Bei diesem zweiten Ansatz spielen die Erfahrung der Fondsanalysten und die Reputation der Bank im Markt eine zentrale Rolle. Langjährige Beziehungen zu den besten Fondsmanagern sind ein Schlüsselfaktor bei der Fonds­selektion. Gerade im Bereich der qualitativen Prüfung einer Anlageidee ist es dank der guten persönlichen Vernetzung möglich, in kurzer Zeit vielfältige und zuverlässige Einschätzungen zu einem Fonds einzuholen. Und ausgezeichnete persönliche Kontakte machen es auch manchmal möglich, dass sich Türen zu Fonds öffnen, die sonst eigentlich keine Gelder mehr annehmen.

Mit der sorgfältigen Selektion der besten Fonds ist der Erfolg aber noch nicht gesichert, wichtig ist auch das daran anschliessende Monitoring. Erhält beispielsweise ein sehr kleiner Fonds, der vor allem mit Small Caps Gewinn erzielt hat, viele Neugelder, nimmt er möglicherweise eine Strategieveränderung vor, und es ist unsicher, ob er damit seine Leistung halten können wird.

Deshalb empfehlen sich für jeden Fonds klare Monitoring-Kriterien, in welchen die potenziellen Gefahren und Schwachstellen niedergeschrieben werden. Weiter gilt es zu beachten, dass ein Fonds weiter in die Bereiche investiert, wo er seine unbestrittenen Qualitäten hat, damit er seinen differenzierenden Faktor nicht gefährdet. Ein zusätzliches Kriterium, das zur Handlung zwingt, sind beispielsweise auch personelle Abgänge an Schlüsselpositionen, durch die der Fonds wichtige Fähigkeiten verliert. Diese und weitere Kriterien bilden deshalb die Basis wöchentlicher Performance-Überprüfungen, ergänzt durch regelmässige Treffen mit den entsprechenden Fondsmanagern. Nur so kann ­sichergestellt werden, dass die Fonds in den Portfolios der Kunden langfristig den gewünschten Beitrag zur Vermögensentwicklung leisten.

Michel van der Spek, Head of Fund Research, Rothschild Bank, Zürich.

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