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Geldwäscherei
EU will Geschäfte mit Saudi-Arabien bremsen – anders die Schweiz

A man counts Saudi riyal banknotes at his jewelry shop in Tiba market in the capital Riyadh on October 3, 2016. / AFP / FAYEZ NURELDINE        (Photo credit should read FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images)
Saudischer Riyal: Europäische Banken sollen die Geldströme mit Saudi-Arabien besonders kontrollieren.Quelle: Getty Images

Die EU verschärft den Kampf gegen schmutziges Geld. Anders die Schweizer Banken: Sie expandieren im Königreich am Golf.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 15.02.2019

Seit Jahren kämpft Brüssel gegen Geldwäscherei und internationale Terrorismusfinanzierung. Nun geht die Europäische Kommission einen Schritt weiter und hat am Mittwoch eine neue schwarze Liste von Drittstaaten mit einem hohen Risiko für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung veröffentlicht. Insgesamt umfasst sie 23 Länder – neu sind Saudi-Arabien und Panama. Weitere Länder sind etwa Libyen, Iran, die Virgin Island und Amerikanisch-Samoa.

Die EU-Kommission wirft ihnen vor, illegale Geldströme und Terrorismusfinanzierung nicht zu bekämpfen. «Wir haben die strengsten Anti-Geldwäscherei-Standards der Welt aufgestellt, aber wir müssen sicherstellen, dass schmutziges Geld aus anderen Ländern nicht seinen Weg in unser Finanzsystem findet,» sagt die zuständige EU-Justizkommissarin Věra Jourová.

Die Entscheidung, Saudi-Arabien aufzunehmen, hatte bereits im Vorfeld zu einem Streit zwischen der Kommission und Ländern wie Deutschland, Grossbritannien und Frankreich geführt, die dagegen sind, dass die EU eine härtere Gangart gegen Geldwäscherei einlegt als andere internationale Gremien. Die saudische Regierung und ihre Verbündeten, darunter die USA, haben auch Brüssel angegriffen, um Riad von der Liste zu entfernen, berichtet die «Financial Times». Aus dem US-Finanzministerium hiess es, dass die Liste von amerikanischen Banken nicht berücksichtigt werde.

Beziehungen zu Saudi-Arabien

Diese Kritik zeigt, dass einige Länder ihre Beziehungen zu den Staaten auf der Liste, insbesondere Saudi-Arabien nicht gefährden wollen – welche seit der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vor ein paar Monaten ohnehin sehr angespannt sind.

Auch Schweizer Banken haben andere Interessen: Seit einiger Zeit expandieren die grossen Vermögensverwalter ihr Geschäft in Saudi Arabien. Denn die Elite im Königreich am Gold schwimmt im Geld. Im Jahr 2017 ist Prinz Alwaleed Bin Talal Alsaud mit einem Vermögen von rund 18,7 Milliarden US-Dollar der reichste saudi-arabische Staatsbürger.

Europäische Banken in der Pflicht

Den Staaten auf der Liste drohen zwar keine Sanktionen durch die EU. Doch europäische Banken und andere Unternehmen sind verpflichtet, bei Finanztransaktionen mit Personen und Unternehmen in den Hochrisikoländern zusätzliche Kontrollen durchzuführen, um illegale Geldströme besser aufdecken zu können. Die EU wird die Länder auf der Liste zudem besonders beobachten.

Die Liste muss nun innerhalb eines Monats vom Europäischen Parlament und den 28 Mitgliedstaaten angenommen werden, damit sie in Kraft tritt. Allerdings kritisierten einige Länder vor allem Grossbritannien und Frankreich den Entwurf der Schwarzen Liste laut « Financial Times» bisher. Besonders umstritten ist die Aufnahme Saudi-ArabiensBrüssel hat die Liste unter Berücksichtigung der Strenge der Bankvorschriften, der Transparenz der Unternehmensvermögen sowie der Strafen für Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung erstellt. Derweil reagierte Deutschland positiv auf die Aufnahme Saudi-Arabiens.

Schweizer Banken expandieren

Während EU-Banken künftig ganz besonders vorsichtig bei Geschäften mit Ländern wie Saudi-Arabien sein müssen, expandieren die UBS und andere Schweizer Banken im Königreich am Golf. Die UBS stellte vor einem Jahr den ehemaligen Morgan-Stanley-Banker Gabriel Aractingi ein, um das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden in Saudi-Arabien von Genf aus zu betreiben. 

Ebenso will die Credit Suisse im Königreich wachsen: Ende 2018 ernannte die zweitgrösste Schweizer Bank den früheren UBS-Banker Dominique Leimer zum Chef der privaten Vermögensverwaltung in Saudi Arabien, wie «Bloomberg» berichtete. Zudem bewarb sich die CS als erste Schweizer Bank vor einigen Monaten um eine vollwertige Bankenlizenz in Saudi-Arabien – seither läuft ein langwieriger und politisch sensibler Bewillingsprozess. Die Voll-Lizenz ist Teil der Wachstumsstrategie von Thiam und Iqbal Khan, dem Chef des internationalen Wealth Management. Zudem ist die Grossbank vor Ort bestens verdrahtet. Im vergangenen Oktober musste CS-Chef Tidjane Thiam inmitten der Kashoggi-Affäre seine Teilnahme an einer wichtigen Investoren-Konferenz in Riad absagen.

Doch nicht nur die Grossbanken sind aktiv: Die Genfer Privatbank Lombard Odier hat ebenso ehrgeizige Wachstumsziele in der Golfregion. Dafür suchte sie im vergangenen Jahr eine saudische Partnerbank.

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