Das letzte Jahr war für Europas Vermögensverwalter ein Krisenjahr: Dies besagen Daten, welche McKinsey soeben veröffentlicht hat. Danach gingen die Gewinne der europäischen Privatbanken im Jahr 2018 auf 13,5 Milliarden Euro zurück – im Vorjahr hatte der Wert noch 14,7 Milliarden betragen.

Die Summe der verwalteten Vermögen wiederum reduzierte sich um 4 Prozent – wobei die Börsenschwäche am Ende des Jahres 2018 allerdings einen erheblichen Anteil hatte. Das Problem: Die Kostenbasis der Privatbanken wächst weiter. 

Spaltung verschärft sich

Die Untersuchung der Strategieberater zeigt ein bekanntes Bild: Kleinere und mittlere Banken haben am meisten Probleme. Bei den Häusern mit weniger als 10 Milliarden Euro an Assets under management sackte die durchschnittliche Gewinnmarge von (bereits beängstigend tiefen) 0,7 Prozent im Jahr 2014 ab auf 0,1 Prozent im letzten Jahr. Auf der Gegenseite wuchs die Gewinnmarge bei den Instituten mit über 30 Vermögens-Milliarden um einen Tick an, nämlich von 39 auf 40 Basispunkte.

Das Problem lässt sich auch anders formulieren: Zwei Drittel von Europas Privatbanken konnten in den letzten fünf Jahren ihre Profitabilität nicht verbessern.

Bedenklich erscheint, dass die westeuropäischen Vermögensverwaltungs-Häuser ihre Cost-Income-Ratio in den letzten fünf Jahren leicht verschlechterten, während die Konkurrenz in Asien und Nordamerika diesen entscheidenden Wert verbessern konnten.

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Wachstumsländer Spanien und Frankreich

Auch floss den Privatbanken weniger Geld zu als früher. Konkret: Der durchschnittliche Neugeld-Zufluss pro Jahr erreichte 2014 bis 2017 knapp 3 Prozent der Assets, im letzten Jahr sank er dann weiter ab auf 2 Prozent; ein Drittel der Banken mussten sogar Netto-Abflüsse verbuchen. 

Zum Vergleich: Von 2004 bis 2008 hatte das Net New Money durchschnittlich 5,8 Prozent der Assets betragen.

Ein Faktor dabei: der Markt Schweiz. Das hiesige Booking Center verlor in den letzten fünf Jahren Kundengelder (–0,2 Prozent), während ein anderer wichtiger Finanzplatz wie Luxemburg immerhin um 2,9 Prozent zulegen konnte. Auch Monaco litt (–2 Prozent), während die Privatbanken-Szene in Spanien und Frankreich mit Neugeld-Raten von 4 bis 7 Prozent noch am besten abschnitten.

Für die McKinsey-Berater liegt ein Fazit nahe: Die Privatbanken in Europa stehen vor einer «fundamental transformation» – zumal die Gefahr gross ist, dass die Weltwirtschaft bald an Fahrt verliert. In den letzten Jahren hätten sich die Banken auf die Digitalisierung und Regulierung konzentriert. Doch dies dürfte nicht länger genügen.

McKinsey denkt daher, dass die Privatbanken auf drei Feldern zulegen müssen:

  • Die Kundenerfahrung muss verbessert werden – also noch bessere, noch einmaligere Front-Office-Dienstleistungen. Hier verlasse sich die Branche immer noch zu sehr auf den Skills der einzelnen Kundenberater, aber zu wenig auf die Prozesse.
  • Weitere Verbesserung der Abläufe: Insbesondere müssten die Privatbanken definitiv einen «Digital First»-Zugang durchsetzen.
  • Konsolidierung. Was McKinsey allerdings etwas diskreter formuliert: Die Consultants raten den Bankern, von «strukturellen Verschiebungen» zu profitieren und «structural moves» zu planen. 

(rap)

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