In unsicheren Börsenzeiten wie diesen müsste Gold eigentlich teurer werden. Doch die Unze ist seit Jahresbeginn von 1320 auf 1240 Dollar gefallen (minus 6 Prozent). Im Vergleich zum Jahreshöchststand im April ist es gar ein Rückgang von 10 Prozent. Steigende US-Zinsen und ein starker Dollar sind die Hauptgründe dafür.

Allerdings könnten eine anziehende Inflation, eine Verschärfung des Handelskrieges zwischen den USA und China oder eine neue Euro-Krise, ausgelöst durch einen unkontrollierten Brexit oder die widerspenstigen Italiener, den Goldpreis jederzeit wieder nach oben treiben.

Debatte über den sicheren Hafen Gold

Ob Gold seine langjährige Funktion als letzte Absicherung in Krisenzeiten noch erfüllen wird, ist unter Ökonomen umstritten. Die Skeptiker unter ihnen verweisen darauf, dass der Goldpreis in den letzten Jahren tendenziell gefallen ist, obwohl die gigantische Ausweitung der Geldmenge auch in der industrialisierten Welt künftig eine hohe Inflation erwarten lässt. Die meisten Experten empfehlen, 5 bis 10 Prozent des Vermögens als Absicherung in Gold zu halten. Dazu zählen auch die Analysten der UBS, die in einer aktuellen Studie den Goldpreis in zwölf Monaten wieder bei 1300 Dollar pro Unze sehen.

Freilich gilt es beim Goldkauf einige Gesetzmässigkeiten zu beachten: Wer Gold erwirbt, verzichtet von vornherein auf einen gesicherten Ertrag. Denn es bringt weder Zinsen noch Dividenden. Zudem ist der Preis an den Dollar gekoppelt. Fällt dieser gegenüber dem Franken, sinkt auch der Wert des Goldes in Franken – und umgekehrt. Auch die scheinbar krisensichere Anlage ist teilweise grossen Kursschwankungen unterworfen (siehe Grafik). Doch laut Analysten der Credit Suisse legt Gold sehr langfristig betrachtet um 0,7 Prozent pro Jahr zu.

Grafik Goldkurs
Quelle: Handelszeitung
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Zertifikate und Derivate können ihren Wert verlieren

Nur wer physisches Gold kauft, befindet sich wirklich auf der sicheren Seite. Die rund 3000 Zertifikate und Derivate auf dem Markt sind hingegen nicht mehr wert als die Banken beziehungsweise die Emissionshäuser, die dahinter stehen. Sie bilden den Goldpreis bloss nach oder koppeln ihn an Zusatzbedingungen, die mehr Sicherheit oder mehr Gewinn versprechen.

Macht der Herausgeber des Zertifikats aber Konkurs, ist das Produkt mit grosser Wahrscheinlichkeit nichts mehr wert. Zudem sind solche Produkte oft kaum durchschaubar und mit hohen versteckten Kosten und Gebühren verbunden. Physisch, also handfest, lässt sich Gold auf verschiedene Weise kaufen.

Miniplättchen bis Goldbarren

Gold ist vom Miniplättchen von 1 Gramm bis zum Grossbarren mit 12,5 Kilogramm bei der Bank erhältlich. Handelsüblich sind Barren zu 1 Unze (31,1 Gramm), zu 100 und 250 Gramm sowie zu 1 Kilogramm. Je «gewöhnlicher» die Handelsform, desto besser für Anleger, denn dann ist der Spread, also die Spanne zwischen Ankauf und Verkauf, am kleinsten.

Plättchen von 1 und 5 Gramm können bis zu 20 Prozent mehr kosten als ihr Goldwert beträgt. Sie eignen sich darum höchstens als hübsches Geschenk. Beim verbreiteten 1-Kilogramm-Barren (aktueller Preis rund 40 200 Franken) liegt der Spread oft unter 1 Prozent. 12,5-Kilogramm-Goldbarren sind unhandlich und so teuer (aktuell rund 503 000 Franken), dass sie für die meisten Anleger unerschwinglich und auch schlecht verkäuflich sind.

Physisches Gold bewahrt man am besten im Banktresor auf. Selbst wenn die betreffende Bank Konkurs machen sollte, hat man darauf vollen Zugriff. Persönliche Schliessfächer gibt es ab etwa 100 Franken im Jahr. Gibt man sein Gold in Sammelverwahrung, sinken die Gebühren bei den günstigsten Anbietern auf 20 Franken jährlich. Im Extremfall läuft man aber Gefahr, vor geschlossenen Bankschaltern zu stehen, wenn man sein Gold behändigen will.

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Noch günstiger sind Metallkonten. Ihr Spread liegt bei lediglich 0,2 bis 0,3 Prozent. Hier kauft man allerdings kein physisches, sondern bloss virtuelles Gold. Dessen Gegenwert wird auf ein Konto gebucht. Auf Wunsch kann man es aber in physisches Gold tauschen und ausliefern lassen. Beim Kauf oder beim Umtausch fallen allerdings Gebühren von 100 und mehr Franken an. Zudem ist umstritten, ob ein Metallkonto ebenso wie ein Zinskonto unter die Einlagensicherung von 100 000 Franken pro Kunde fällt. Viele Experten bejahen diese Frage zwar, einzelne Banken und insbesondere die Esisuisse, die Organisation zur Einlagensicherung der Banken, sehen das aber anders. Entscheiden müsste letztlich wohl ein Gericht.

Goldmünzen als krisensichere Geldanlage

Als krisensichere Anlage eignen sich nur Goldmünzen, die aus möglichst reinem Gold bestehen. Dies gilt speziell für den kanadischen Maple Leaf, das Australian Nugget oder den österreichischen Wiener Philharmoniker. Sie sind aus 24-karätigem, also reinem Gold (999,9 Promille) und wiegen genau 1 Unze. Entsprechend sind sie nur minim teurer als der Unzenpreis des Barrens (Aufpreis für die Prägung). Weit verbreitet sind auch der südafrikanische Krügerrand und der American Eagle, die ebenfalls genau 1 Unze Gold enthalten, wegen eines zusätzlichen Kupferanteils aber etwas mehr wiegen.

Leicht handelbar ist auch das Goldvreneli (20 und 10 Franken). Sein Goldgehalt liegt mit nur 90 Prozent aber deutlich tiefer. Für Goldvreneli mit Gebrauchsspuren liegen An- und Verkaufspreis meist rund 10 Prozent auseinander. Um nur seinen Anschaffungspreis zu erhalten, muss der Goldpreis also um rund 10 Prozent steigen.

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Prägefrische Goldvreneli und solche mit gesuchten Jahrgängen sind teurer, interessieren aber mehr den Sammler als den Anleger. Dies gilt auch für die meisten anderen Goldmünzen. Oft hat ihr Wert mit dem Goldgehalt kaum mehr etwas zu tun.

Gold-ETFs investieren in reales Gold

Börsenkotierte Gold-Indexfonds (ETF) bilden den Kurs des Goldes exakt nach. Da ETF das Geld ihrer Anleger tatsächlich in Gold investieren, ist es real vorhanden und nicht nur virtuell wie bei einem Zertifikat. Zudem unterliegen ETF dem Fondsgesetz und gelten als Sondervermögen. Macht die ausgebende Bank Konkurs, gehört das Gold direkt den Anlegern und nicht den Gläubigern der Bank.Günstige Gold-ETF gibt es ab jährlich 0,23 Prozent Gebühren (siehe Tabelle). Zudem ist der Spread zwischen An- und Verkauf nur etwa halb so gross wie beim Barrengold. Klar dominant ist in der Schweiz der Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank. Es handelt sich um den drittgrössten Gold-ETF weltweit. Basiseinheit sind 100 Gramm Gold. Wer physische Auslieferung wünscht, erhält je nach Fonds unabhängig von der Basiseinheit allerdings Standardbarren von 12,5 Kilogramm Gewicht. Lediglich Raiffeisen bietet auch einen Unzen-Fonds an.

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Im Normalfall basieren Gold-ETF auf Dollar. Für Schweizer sind sie nicht empfehlenswert, weil für deren Erwerb zuerst Dollar gekauft werden müssen, was mit Wechselkosten verbunden ist. Dieselben Wechselkosten fallen auch bei einem späteren Verkauf wieder an. So ergeben sich Kursrisiken auf das Gold und auf den Dollar. Doch auch auf Franken lautende Goldfonds lauten im Hintergrund auf Dollar. Das Dollar-Risiko bleibt also bestehen, einzig die Wechselkosten fallen weg. Das Währungsrisiko lässt sich zwar absichern, kostet aber. Derzeit belaufen sich die Kosten für das Hedging auf rund 0,5 Prozent.

Goldminen-Aktien bergen grössere Risiken

Am Goldrausch lässt sich auch indirekt über den Kauf von Goldminen-Anteilen partizipieren. Das Risiko ist dabei allerdings deutlich grösser, weil diese Minen nicht nur von der Entwicklung des Goldpreises tangiert sind, sondern auch unternehmerische Risiken mit sich bringen.

Fällt der Goldpreis, rentieren viele Minen nicht mehr. Steigt er, wird nach neuen Vorkommen gesucht. Bleibt der Erfolg aus, kann die Aktie der betreffenden Minengesellschaft einbrechen. Streiks, Energieknappheit, Umweltschäden und Missmanagement sind weitere Gefahren, denen Goldminengesellschaften ausgesetzt sind.