Manch ein Investor rieb sich erstaunt die Augen. Der ehemalige UBS-Chef Luqman Arnold findet UBS-Aktien im Wert von 1,5 Mrd Fr. nicht mehr? Hintergrund dieses Börsen-Krimis ist folgender: Arnolds Beteiligungsgesellschaft Olivant hat der Investmentbank Lehman Brothers, welche als deren Prime Broker fungierte, die Wertpapiere ausgeliehen. Prime Broker übernehmen die Abwicklung und Finanzierung von Finanzgeschäften von Hedge-Fonds. Sie stellen diesen etwa gegen Sicherheiten Fremdkapital zur Verfügung.

So auch im Falle von Luqman Arnolds Olivant. Durch den Konkurs von Lehman Brothers ist derzeit unklar, ob, wann und wie viele der UBS-Aktien wieder den Weg zurück zu Arnold finden werden. Gemäss britischem Recht wird das Ausleihen von Aktien als Besitzerwechsel bewertet. Im Worst Case fallen die Aktien in die Konkursmasse. Es können also mehrere Monate verstreichen, bis Olivant-Chef Arnold mehr Klarheit darüber hat, was mit seinem Aktienpaket geschieht.

EBK warnte vor Verlusten

Nicht nur für Hedge-Fonds und institutionelle Anleger besteht die Möglichkeit der Wertpapierausleihe, des sogenannten «Securities Lending» (SL). Auch Privatanleger können der Bank – gegen eine Prämie (Darlehenszins) – ihr Depot zu Handelszwecken zur Verfügung stellen. Damit hat sich die Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) bereits im Frühling im Jahresbericht 2007 beschäftigt. «Beschafft sich eine Bank im Krisenfall Liquidität mit Kundentiteln aus ungedeckten SL, kann dies zu Verlusten führen», warnte die EBK darin. In diesem Fall besteht nämlich das Risiko, dass der Kunde das Eigentum an seinen Titeln verliert und lediglich einen Rückerstattungsanspruch gegen die Bank erwirbt. Bei ungedeckten Wertpapieren hat der Kunde den Gegenwert nicht in seinem Depot. Der Anteil der vor allem von Privat- und Firmenkunden ohne Deckung zur Verfügung gestellten Titel ist gemäss EBK jedoch erheblich.Deshalb will die Bankenkommission entsprechende Regeln erlassen, insbesondere was die Liquiditätsbeschaffung mit ungedeckten Wertpapierausleihen von Privatkunden angeht. «Der Prozess zur Schaffung der neuen Regel ist im Gange», sagt Alain Bichsel, Pressesprecher der EBK. Auf einen Zeitpunkt, wann diese in Kraft treten würde, will er sich nicht festlegen. «Die EBK verpflichtet die Banken, die Kunden genau zu informieren», so Bichsel weiter. Heute üben sich die Banken in Zurückhaltung, was die Promotion der SL angeht. «Für Securities Lending wird nicht öffentlich geworben», so Georg Söntgerath, Sprecher der Credit Suisse. Ob ein SL in Frage komme, hänge von der individuellen Situation, dem Risikoprofil und den Bedürfnissen des jeweiligen Kunden ab, so Söntgerath. Auch von Seiten der UBS heisst es: «SL wird zu einem überwiegenden Teil mit institutionellen Gegenparteien betrieben.» Daneben werde SL nur vermögenden Privatkunden angeboten, «wobei das obere Segment den überwiegenden Anteil ausmacht», so die UBS-Sprecherin Tatiana Togni. Dass die Banken vor allem an Portefeuilles der vermögenden Privatkunden interessiert sind, liegt auf der Hand. Das Zusammenlegen von vielen kleineren Depots rechnet sich weniger und wirft logistische Probleme auf.

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Kommissionen variieren stark

Auch was die Kommissionen betrifft, halten sich die Grossbanken bedeckt. Die Höhe der Kommissionen hänge von der Dauer der Ausleihe und von der Qualität der ausgeliehenen Titel ab und sei gesteuert von Angebot und Nachfrage auf dem Markt, heisst es bei der UBS. «Eine Bandbreite kann nicht festgelegt werden», sagt Togni. Auch die CS will sich nicht äussern: Es handle sich um spezifische Verträge mit den jeweiligen Kunden.