Ostern 1910 in Zarskoje Selo, dem Zarensitz bei St. Petersburg: Der Herrscher überreicht seiner Gattin wie in jedem Jahr ein Ei. Kein gewöhnliches natürlich, sondern ein kunstvoll gefertigtes Geschmeide in Ovalform. Das Ei aus blassrosa Emaille liegt auf sechs in Gold gefassten ionischen Säulen.

Gefertigt worden war das sogenannte Kolonnaden-Ei vom Goldschmied Carl Fabergé. Bis zur Revolution lieferte er jedes Jahr zu Ostern solche Prunkeier an den Zaren und stieg nicht zuletzt deshalb zum bekanntesten Juwelier seiner Epoche auf. Nach der Oktoberrevolution brach jedoch auch sein Imperium zusammen, und jahrzehntelang vagabundierte der Name Fabergé ohne klaren Inhalt durch die Luxuswelt.

Die Eier wurden hin und her verkauft, teilweise auf Auktionen, teilweise unter der Hand. Fabergés Söhne agierten glücklos, verkauften die Markenrechte schliesslich für 25 000 Dollar. Seit 1989 gehörten sie dem Unilever-Konzern, der unter dem Namen Kosmetika und Parfums vertrieb. Er vergab jedoch eine Lizenz zur Herstellung von Fabergé-Eiern nach alter Tradition, und zwar an den Pforzheimer Goldschmied Victor Mayer.

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Vekselberg schlug vor Auktion zu

Schon bald nach den Umwälzungen in der Sowjetunion begann jedoch ein neuer Kampf um das Erbe Fabergés und um die Eier. Einer der Protagonisten ist der russische Oligarch Alexander Ivanov. Wie er genau zu seinem Geld gekommen ist, weiss niemand so recht. Er selbst äusserte dazu nur einmal in einem Fernsehinterview, dass «zur Gorbatschow-Zeit haufenweise Geld zu verdienen» war. Jedenfalls nutzte er sein Vermögen schon zu Beginn der 90er-Jahre, um systematisch Preziosen von Fabergé aufzukaufen. 1993, als er gerade mal 30 Jahre alt war, gehörte ihm bereits die grösste Fabergé-Sammlung Russlands. Ein Ei war jedoch nicht dabei.

2004 dann wollten die Forbes-Erben neun Eier bei Christies versteigern lassen. Dies schien die Gelegenheit. Ivanov hatte sogar schon ein Hotelzimmer in London gebucht. Doch dann kam ihm ein anderer Oligarch zuvor: Viktor Vekselberg, der unter anderem die Aktienmehrheit am Schweizer Technologiekonzern OC Oerlikon hält. Er kaufte sie für rund 100 Mio Dollar noch vor der angesetzten Auktion.

Ivanov wollte jedoch unbedingt eines der Eier haben, koste es, was es wolle. Und so blätterte er im November 2007 bei einer Auktion den Rekordbetrag von 17,7 Mio Dollar für das sogenannte Rothschild-Ei hin, das von Fabergé einst für den Bankier angefertigt worden war. Zusammen mit anderen Fabergé-Juwelen sollte es nun in einem eigens zu errichtenden Fabergé-Museum ausgestellt werden. Der Sitz sollte in Baden-Baden sein, ein Kurort mit einer langen Tradition russischer Besucher.

Doch inzwischen war ein weiterer Spieler hinzugekommen: Pallinghurst. Der Finanzinvestor mit Sitz auf den Cayman-Inseln hatte 2007 die Markenrechte am Namen Fabergé von Unilever gekauft, mit dem Ziel, wieder eigene Fabergé-Schmuckstücke herzustellen. Pallinghurst besitzt bereits Diamantenminen in Südafrika, und das Kalkül ist klar: Mit dem Namen Fabergé sollen die Juwelen aufgewertet und noch teurer verkauft werden. Kein Zufall ist dabei wohl, dass der Chef von Pallinghurst, Brian Gilbertson, früher Chef von Rusal war, jenem Aluminium-Konzern, der Vekselberg gehört.

Zu protzig für den Altmeister

Pallinghurst fuhr alle Geschütze auf: 2009 lief die Lizenz von Victor Mayer zur Herstellung der Eier aus, und der Finanzinvestor verlängerte sie nicht. 120 Mitarbeiter mussten entlassen werden. Gleichzeitig verklagte Pallinghurst nun Ivanov, dem verboten werden sollte, sein Museum nach Fabergé zu benennen. Nur einer sollte sich mit dem Namen schmücken können.

Doch dieses Ansinnen beendete Mitte Januar das Frankfurter Oberlandesgericht. Es entschied, dass das Museum sich sehr wohl nach dem Juweliermeister nennen darf. Pallinghurst bietet derweil seit Herbst 2009 exklusiv neue Juwelen unter dem Namen Fabergé an. Ab 40 000 Euro ist man dabei. Für Kunstliebhaber ist klar, dass diese neuen Stücke nur wenig mit der Tradition von Fabergé zu tun haben. Sie stechen vor allem durch den üppigen Gebrauch von Juwelen hervor - typisch für Fabergé war jedoch gerade, dass die Juwelen nicht die Hauptrolle spielten.