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Kontogebühren: Über Gebühr

Bancomaten: Wer nicht bei seiner Hausbank Geld abhebt, sondern beim Automaten eines Drittinstituts, zahlt mehr.

Viele Banken überarbeiten ihre Gebührenmodelle. Kostenlos geführte Privatkonti sind ein Auslaufmodell.

Von Urs Aeberli
am 29.11.2012

Der Duft von Glühwein, Weihnachts­gebäck und Marroni zieht durch die Einkaufsstrassen. Vor Bancomaten bilden sich lange Schlangen von Kunden, die Geld für die Weihnachtseinkäufe abheben. Nur die wenigsten denken daran, dass sie hier schon zahlen − noch bevor sie überhaupt den Fuss in ein ­Geschäft gesetzt haben.

Bei der Benutzung eines fremden Geld­automaten werden in der Regel 2 Franken pro Transaktion erhoben. Die Bankkarte selber schlägt mit einer Jahresgebühr von 30 bis 40 Franken zu Buche. Hinzu kommen in der Regel Kontoführungsgebühren von nochmals einigen Dutzend Franken pro Jahr. Das Privatkonto ist somit rein rechnerisch für die meisten Kunden ein Verlustgeschäft, summieren sich doch die Gebühren auf ein Mehrfaches der paar Franken Zinsertrag.

Das Missverhältnis nimmt künftig zu. Angesichts steigender Kosten und rapide schwindender Erträge gehen die Banken vermehrt dazu über, die Gebühren für Privatkonti zu erhöhen.

Gebühren nach Vermögen

Postfinance entschloss sich als Erste dazu. Weil ihr Kontosortiment zu breit und zu kompliziert strukturiert ist, wird es nächstes Jahr gestrafft. Gleichzeitig verteuert sich die Jahresgebühr in den Basispaketen von 36 und 48 Franken auf neu 60 Franken. Postfinance begründet dies mit den über die letzten Jahre hinweg stetig ausgebauten Online- und Mobile-Banking-Angeboten. «Zudem treibt der steigende Compliance-Aufwand zur Umsetzung der Geldwäscherei-Richtlinien die Gebühren in die Höhe», heisst es bei der Postfinance.

Auch die Bank Coop verweist auf den erheblichen Mehraufwand, um die zahlreichen neuen Regulatorien in den IT-Systemen abzubilden und zu überwachen. Das könne Anpassungen im Serviceangebot und bei der Gebührenstruktur nötig machen, sagt eine Sprecherin der Basler-Kantonalbank-Tochter.

«Wir stellen fest, dass die Kosten aufgrund höherer regulatorischer Anforderungen tendenziell steigen», bestätigt die Valiant Bank. Trotz des Markttrends zu höheren Gebühren will die Berner Regionalbank ihre bestehende Gebührenordnung vorläufig unverändert lassen. Unter Handlungsdruck geraten dagegen vor allem ­Regional- und Kantonalbanken, welche bislang das Privatkonto kostenlos führten. Diese Institute finanzierten in der Vergangenheit die Kontoführung und den Zahlungsverkehr aus der Zinsdifferenz zwischen den Kundeneinlagen auf den Konti und den Hypothekarausleihungen. Die Tiefzinsphase und der knallharte Wettbewerb im Hypothekargeschäft liessen diese Marge aber arg schrumpfen.

Das hat Folgen. Gegenwärtig führt etwa die Zuger Kantonalbank das Privatkonto noch spesenfrei. Das Innerschweizer Institut steht aber mitten in einem Systemwechsel. «2013 führen wir eine neue Bankplattform ein, und in diesem Zusammenhang überprüfen wir unsere Produkte», erklärt eine Banksprecherin. Die Sparkasse Schwyz ihrerseits will weiter auf Kontoführungsgebühren verzichten, bietet aber seit Anfang Jahr nur noch die bankeigene Bancomat-Karte kosten­los an.

Die Lokalkonkurrentin Schwyzer Kantonalbank hat schon vor zwei Jahren das Gratiskonto aufgegeben und durch ein kostenpflichtiges Paket ersetzt. Es umfasst neben Privatkonto auch Sparkonto und zwei Bancomatkarten.

Paketlösungen liegen im Trend. Studiert werden sie etwa auch von der Thurgauer und der St.Galler Kantonalbank. «Ich beobachte die Einführung von Paket­angeboten vor allem bei Banken, die Privatkonti bisher gratis offeriert haben und nun Argumente für eine Gebührenerhöhung suchen», kritisiert Marianne Wildi.

Einsamer Widerstand

Die Chefin der Hypothekarbank Lenzburg spricht sich nicht nur gegen Produktpakete mit intransparenten Pauschal­kosten aus. Sie hält auch nichts vom Trend zu vermögensabhängigen Rabatten. «Als typische Regionalbank hat die Hypo Lenzburg sehr viele Kleinkunden mit nur ein paar tausend Franken auf dem Konto», so Wildi. Ein Modell wie etwa jenes der UBS wäre daher undenkbar. Dort zahlt der Kunde happige 84 Franken pro Jahr – oder er hält bei der Bank Vermögenswerte von mindestens 10 000 Franken. In diesem Fall kommt er in den Genuss einer kosten­losen Kontoführung.

Diese Grössenordnung ist nicht zufällig gewählt. Migros Bank wie auch Postfinance beziffern 7500 ­Franken Vermögen als Schwellenwert, ab welchem ein Kunde aus Banksicht rentabel ist. Andere Institute ziehen die Grenze bei etwa 10 000 Franken. Dieser Wert sei einfach zu kommunizieren und für den Grossteil der Kunden leicht erreichbar, heisst es bei der Luzerner Kantonalbank. So überschreiten Kunden, die beispielsweise zwei Jahre hintereinander den ­Maximalbetrag für die Säule 3a einzahlen, bereits den Schwellenwert für die kostenlose Kontoführung.

«Die Schwellenwerte werden künftig tendenziell eher höher angesetzt werden als heute», glaubt Bankberater Jan Engelke. Der Geschäftsführer der Unternehmensberatungsfirma Simon-Kucher & Partners erwartet auch, dass bei vermögensabhängigen Gebührenmodellen dem Kunden künftig nicht mehr 100 Prozent der Kosten erlassen werden, sondern zum Beispiel nur noch die Hälfte.

Für die Berner Kantonalbank kommt ein vermögens­abhängiges Gebührenmodell grundsätzlich nicht in Frage. «Wir wollen nicht bloss für vermögende Kunden da sein», heisst es beim Berner Staatsinstitut. Die Angebote seien auf die breite Bevölkerung ausgerichtet.

Stattdessen zielen in Bern die Über­legungen für neue Gebührenmodelle in eine andere Richtung. Die Berner Kantonalbank erwägt Pakete für bestimmte Zielgruppen. Das können zum Beispiel Kunden sein, die viel unterwegs sind, ihre Zahlungen ortsunabhängig machen und daher erhöhte Sicherheitsbedürfnisse im Online und Mobile Banking haben. Postfinance hat eine ähnliche Lösung für Auslandreisende, mit Privatkonti in Franken und Fremdwährung sowie der Möglichkeit zum Gratis-Geld­bezug an ausländischen Bancomaten.

Die Verschiebung zu individuellen ­Angeboten mit «verursachergerechten» Gebühren lässt sich auch bei Kunden mit ausländischem Wohnsitz beobachten. Sie müssen aufgrund höherer Compliance-Kosten seit einiger Zeit bei diversen Banken Zusatzgebühren zahlen. So ab nächstem Jahr auch bei der St.Galler Regionalbank Acrevis.

Günstiger Zeitpunkt für höhere Gebühr

Das Marktumfeld ist in den Augen von Acrevis-Chef Stephan Weigelt günstig, um neue Gebühren einzuführen. «Die Kunden haben viel Bargeld auf dem Konto», so Weigelt. Die Liquiditätslage der Banken sei damit komfortabel, und sie müssten nicht mit günstigen «Lockvogelange­boten» Kundengelder anziehen. «Stattdessen können es sich die Banken eher leisten, an den Gebühren zu schrauben.»

Das tun sie erstmals bei den Jugend­lichen. Sie kamen bei den allermeisten Banken in den Genuss von Gratis-Privatkonti. Die CS hat mit der Tradition gebrochen. Sie lancierte diesen Herbst das kostenpflichtige Viva-Bankpaket. «Weiterhin Vorzugskonditionen geniessen Kunden, die ihre Bankgeschäfte konsequent online abwickeln», ist Daniel Piazza überzeugt. Der Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug erklärt, dass die Banken jene Kunden belohnen, die das teure Filialnetz von simplen Schaltergeschäften entlasten und Online-Kanäle nutzen.

Weit verbreitet ist daher, dass E-Banking-Kunden von einem gebührenfreien Privatkonto profitieren. Der Trend geht aber auch hier zu kostenpflichtigen Paketen. Bei der Luzerner Kantonalbank kostet das E-Privatkonto 20 Franken pro Jahr, es beinhaltet dafür aber eine ­vergünstigte Bancomat-Karte. Zusätzliche Banken werden folgen. Eines zeichnet sich deshalb jetzt schon ab: Das Weihnachts-Shopping wird nächstes Jahr noch ­teurer.

 

Privatkonti im Vergleich

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