Handelszeitung
Louis Leopold Boilly (1761-1845), French School, The Seven Deadly Sins: The Gluttony, 1824, Private Collection, C17910. (Photo by: Christophel Fine Art/UIG via Getty Images)

Die sieben Todsünden des Investierens

Von Peter Frech*
am 19.11.2018
Quelle: Getty Images

Bald ist Weihnachten. Das bietet Anlegern Anlass, auf christlichen Rat zu hören. Sieben Todsünden gilt es beim Investieren zu vermeiden.

In eineinhalb Monaten ist Weihnachten. Die nahenden christlichen Feiertage sind ein guter Anlass, sich an religiösen Leitsätzen zu orientieren – etwa den sieben Todsünden: Ein Blick auf die «Do’s and Don’ts» der katholischen Lehre kann helfen, beim Investieren grobe Fehler zu vermeiden. Peter Frech von Quantex hat in seinem monatlichen Anlegerbrief diesen Blick gewagt – und liefert hier einen Überblick über die bekannten menschlichen Schwächen sowie die Stärken, die dagegen Abhilfe versprechen.

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*Peter Frech ist studierter Psychologe und Portfolio Manager des Quantex Global Value Fund.
Quelle: ZVG

Beginnen wir mit der wohl häufigsten Sünde beim Investieren:

Superbia – (Hochmut, Stolz, Eitelkeit)

Hier geht es um die Weigerung, die menschliche Fehlerhaftigkeit anzuerkennen und entsprechend die eigenen Fähigkeiten für überlegen zu halten.  Der Hochmut manifestiert sich etwa in zu häufigem Trading, der Verwendung von Kredithebeln und Optionen beim Investieren oder der generellen Verbreitung von Prognosen als Basis für Anlageentscheide. Der Börsenzirkus ist voll von selbstsicher auftretenden Experten, die genau zu wissen scheinen, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln werden. Die Anfälligkeit für die Sünde wächst natürlich bei allen Anlegern, wenn sie zu lange zu viel Geld verdienten – deshalb sieht man häufig, dass Investoren oder Fonds nach einer Strecke des Erfolgs besonders spektakulär abstürzen.

Hochmut kommt in der Anlagewelt definitiv vor dem Fall. Eine mildere Form von Superbia dürfte die Eitelkeit sein, die mit Kauf von Investments zur reinen Selbstprofilierung einhergeht: Besonders nachhaltige oder grüne Anlagen zum Beispiel oder trendige Technologie-Startups, mit denen man dann gerne vor Publikum seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe von «besseren» Investoren demonstriert.

Demut

ist die Tugend, welche den Hochmut im Zaum hält: Die Fehlerhaftigkeit von Prognosen anerkennen oder sie gleich ganz sein zu lassen etwa ist demütig. Ebenso der Verzicht auf die Verwendung von gehebelten Investments, die ja letztlich darauf beruhen, dass man exakt zu wissen glaubt, was die Zukunft bringt. Demut hilft auch dabei, Positionen rechtzeitig zu verkaufen, besonders solche mit einem Verlust: Man anerkennt, dass man einen Fehler gemacht hat und zieht weiter zu besseren Anlagegelegenheiten.

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