Der Brexit hat die Zinsen auch in der Schweiz auf Rekordwerte gedrückt. Das bringt immer mehr Anleger in Bedrängnis. Während viele Experten Aktien als Obligationenersatz empfehlen, preist die Credit Suisse ihren neuen Long/Short Swiss Franc Bond Fund als Alternative an. Es handle sich um den ersten Franken-Obligationen-Fonds, der sowohl Anleihen kaufen als auch gedeckte Leerverkäufe eingehen könne, erklärt Armin Bischofberger, der für das Risikomanagement des Fonds zuständig ist. «Unser Fonds kann von negativen Zinsen profitieren.»

Um gegen den starken Franken anzukämpfen verlangt die SNB für Guthaben, das Banken bei ihr deponieren, ab einer bestimmten Höhe einen Strafzins von 0,75 Prozent. Als Folge davon werden von dem insgesamt rund 550 Milliarden Franken grossen Franken-Obligationenmarkt inzwischen Papiere mit einem Volumen von über 300 Milliarden Franken negativ verzinst. Ähnlich sieht es bei Staatsanleihen Deutschlands, Dänemarks oder Japans aus.

So funktioniert das Geschäft

Genau daraus kann der Fonds der Credit Suisse aber Kapital schlagen. Und das geht so: Wie bei einem üblichen Wertpensionsgeschäft – kurz Repo genannt – hinterlegt der Fonds Obligationen als Sicherheit für einen Kredit. Dafür verlangt die Bank einen Zins. Dieser ist momentan aber negativ, sodass der Fonds nichts bezahlen muss, sondern im Gegenteil eine Zinszahlung erhält. Danach kauft der Fonds eine Anleihe, deren Rendite negativ ist, erklärt Bischofberger. Wenn der Fonds nun aus dem Repo eine Zahlung erhält, die höher ist als die negative Rendite der Anleihe, lohnt sich der Kauf der Anleihe. Denn dann schauen einige Basispunkte Ertrag heraus.

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Die Strategie scheint aufzugehen. Der Anfang Februar lancierte Fonds erzielte bis Ende Mai eine Rendite von 2,35 Prozent. Der Swiss Bond-Index (SBI AAA-BBB T), in dem Papiere enthalten sind, deren Kreditwürdigkeit von erstklassig (AAA) bis noch investitionswürdig (BBB) reicht, warf in dieser Zeit lediglich 0,3 Prozent ab. «Wir verwalten etwas mehr als 100 Millionen Franken», sagte Bischofberger.

Für qualifizierte Anleger

Der Fonds versucht auch, über- oder unterbewertete Papiere auszumachen und Bewertungsunterschiede auszunützen. Dabei werden Anleihen in verschiedenen Währungen oder mit Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) des gleichen Schuldners verglichen. Überteuerte Papiere werden leer verkauft und zu günstig bewertete Papiere gekauft.

Der Fonds, der sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger richtet, geniesst mehr Freiheiten als die Händler einer Bank. Dabei stelle das Anlagevehikel für den Gesamtmarkt aber auch Liquidität bereit, eine Funktion, die früher viel stärker von den Banken gepflegt worden sei. «Aufgrund der immer strenger gewordenen Kapitalanforderungen seit der Finanzkrise schrumpfen die Handelsbücher der Banken,» sagte Bischofberger. Das Halten von Positionen sei teuer, weil diese mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssten. «Wir können am Markt direkt als Gegenpartei auftreten und somit eine aktive Rolle als Liquiditätsprovider in einzelnen Obligationen wahrnehmen.»

(reuters/jfr/ama)