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Anlagestrategie
Nachhaltiges Anlegen bringt langfristige Rendite und reduzierte Risiken

Al Gore bei einem Umwelt-Vortrag
Al Gore engagiert sich gegen den Klimawandel – der Mensch und Wirtschaft bedroht. Quelle: Keystone

Nachhaltiges Anlegen ist im Trend, ESG-Kriterien sorgen für langfristige Rendite – doch hilft oder hindert es in Schwellenländern?

Von Sandra Crowl*
am 19.12.2017

Nachhaltiges Investieren und die Einbeziehung eines ESG (Environmental, Social and Governance)-Ansatzes sind mittlerweile Mainstream. Aktuell wird die Einhaltung von ESG-Grundsätzen noch selbst deklariert – mit unzähligen, heterogenen ESG-Bewertungen, auch die Bestimmung des ökologischen Ertrages und der sozialen Wirkung ist schwierig.

Dementsprechend ist das verantwortungsvolle Investieren nach wie vor Auslegungssache und keine Wissenschaft. Auch können sich Umsetzung und Bedeutung je nach Fondsuniversum variieren. Es gibt jedoch massgebliche Werte, unabhängig von Regionen, Sektoren und Anlageklassen und als nächsten Schritt wird die Vermögensverwaltungsbranche anerkennen müssen, dass ESG-Risiken – neben Finanz- oder rechnungslegungsbezogenen Risiken – nicht nur ein «grünes Label» oder «nice to have» sind, sondern wichtiger Treiber langfristiger Performance, etwa in Schwellenländern.

ESG in Schwellenländern: Hindernis oder Unterstützung?

Investments in Schwellenländer zeugen von Engagement hinsichtlich der Corporate Governance. Staatliche Organe und Börsen vor Ort begannen erst spät damit, die in Industriestaaten üblichen Standards im Hinblick auf Transparenz, Stimmrechte und die Vertretung von Aktionärsrechten einzuführen.

Die gängige Best-in-Class-Auswahl, bei der Manager Portfolios aus solchen Unternehmen zusammenstellen, die den höchsten Nachhaltigkeits-Score aufweisen, lässt keinen Spielraum für ein aktives High-Conviction-Management. Dies ist allerdings für Investitionen in Schwellenländern von zentraler Rolle, bei denen bestimmte Länder oder Sektoren berücksichtigt und andere vollständig vermieden werden.

Die Anwendung von ESG-Kriterien muss eine Investition in Schwellenländer jedoch nicht notwendigerweise erschweren – etwa durch einen Anlageprozess, der nicht nur im Hinblick auf ESG-Faktoren auf Nachhaltigkeit setzt, sondern auch auf Ebene der Länder-Governance.

Langfristig sinnvolle Investments

Wird ein Land aufgrund seiner positiven Fundamentaldaten ausgewählt, werden im Anschluss Sektoren mit schwacher Marktdurchdringung ausgewählt. Damit wird gewährleistet, dass Investments rentabel und unter Wachstumsaspekten langfristig sinnvoll sind.

Dieser Ansatz bevorzugt naturgemäss Nachhaltigkeitsthemen, etwa die Verbesserung von Lebensstandards, Innovationen, saubere Technologien, die Finanzierung der Zukunft usw. Ein Negativ-Screening kann zudem noch verschärft werden, indem eigene Ausschlusskriterien anwendet werden und etwa Tabakunternehmen, Kohleproduzenten, Ölsandunternehmen sowie Fleischverarbeitungsunternehmen ausgeschlossen werden.

Auf der Unternehmensebene führen finanzielle Kriterien wie eine geringe Nettoverschuldung und eine nachhaltigen Free-Cashflow-Generierung tendenziell zu einer mechanischen Gewichtung des Portfolios, d.h. weg von stark umweltverschmutzenden oder kontroversen Branchen.

Positivbeispiel aus Brasilien

Ein Beispiel für eine Anlage auf Basis solider finanzieller Kriterien und einer positiven ESG-Wirkung ist der «Pure Player» ISA CTEEP im brasilianischen Stromübertragungssektor. Strom stammt in Brasilien überwiegend aus Wasserkraftwerken. Problematisch ist jedoch die Übertragung: bis 2020 sollen mehr als 3500 km Stromleitungen installiert werden.

ISA CTEEP ist eines der grössten Unternehmen, das diese Leitungen installieren und finanzieren kann und somit ärmere, abgelegene Regionen Brasiliens mit Strom versorgen kann. Das Umweltrisiko ist für Versorgungsunternehmer immer von kritischer Bedeutung. ISA weist eine gute Erfolgsbilanz aus, schützt indigene Bevölkerungen und minimiert Auswirkungen auf Anrainer-Gemeinden, Biodiversität und die Landnutzung.

Reduktion identifizierbarer Risiken

ESG heisst also für Vermögensverwalter hinsichtlich ihrer obersten treuhänderischen Pflicht: Reduktion so vieler identifizierbarer Risiken wie möglich. Inklusive Risiken im Zusammenhang mit schlechter Governance, mit der Unterrepräsentierung von Anteilseignern, der Missachtung sozialer Themen wie Gesundheit und Sicherheit sowie von ökologischen Herausforderungen.

Vermögensverwalter, die Ersparnisse von Anlegern – oft ihre künftige Altersversorgung – anlegen, müssen langfristig denken. Unternehmen, die auf kurzfristige Erfolge abzielen und dabei höhere ESG-Risiken (oder andere höhere Risiken) in Kauf nehmen, werden weder branchenintern erfolgreich sein, noch im Laufe der Jahre eine profitable Anlage bieten.

*Sandra Crowl, Mitglied des Investment Komitees bei Carmignac

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