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Wirtschaftspolitik
Oswald Grübel: «100 Punkte für Donald Trump»

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Oswald Grübel: Der Banker ist jetzt auch in der Immobilienbranche tätig.Quelle: People Picture/CP

Der frühere Grossbanker über seine Geschäfte mit dem früheren Immoblienmakler Donald Trump – und dessen Wirtschaftspolitik.

Von Uli Rubner
am 06.07.2018

Sie verbringen viel Zeit in Südspanien an einem idealen Ort zum Entspannen und Abschalten. Doch einen Grossteil der Zeit verbringen Sie am Schreibtisch statt auf dem Golfplatz. Warum?
Oswald Grübel: Ich bin einfach sehr fasziniert vom Weltgeschehen und der Politik. Viele Menschen interessieren sich zu wenig für Politik. Sie verstehen viel zu spät, welchen Einfluss die Politik auf ihr Leben hat. Für mich sind vor allem auch die Auswirkungen der Politik auf die Wirtschaft interessant.
 

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Und was beobachten Sie da gegenwärtig?
Donald Trump ist gerade dabei, das wirtschaftliche Kräfteverhältnis in der Welt zu beeinflussen. Viele denken, er sei eine Witzfigur.

Falsch?
Mit ihm als Mensch habe ich auch Mühe. In meinen Augen ist er ein Narzisst und ein Egomane. Ich habe ihn einmal persönlich kennengelernt, als ich in den achtziger Jahren die Credit Suisse First Boston leitete. Damals wollte er, dass wir ihm 1 Million Dollar zahlen, damit wir mit ihm Geschäfte machen.

«Mit ihm als Mensch habe ich auch Mühe»

Und dann?
Ich habe versucht, ihm beizubringen, dass es umgekehrt läuft. Aber dann sind alle anderen Banken eingeknickt und da blieb auch uns nichts anderes übrig.

Mit welchem Resultat?
Wir arrangierten die Finanzierung einiger seiner Projekte.

Wir beurteilen Sie heute seine politische Bilanz?
Ich bin beeindruckt, mit welcher Konsequenz er seine wirtschaftspolitische Agenda vorantreibt und versucht, seine Wahlversprechen umzusetzen. Für seine Wirtschaftspolitik kriegt er von mir hundert Punkte.

Was trägt zu Ihrer Spitzennote bei?
Mit seiner Steuerreform hat er etwas durchgesetzt, was noch keiner vor ihm in dieser Konsequenz geschafft hat. Schauen Sie sich an, wie die Wirtschaft wächst und Arbeitsplätze generiert. Die Arbeitslosenquote ist auf Tiefstand – und das ist der eigentliche Sinn einer Volkswirtschaft.

Der Immo-Manager

Name: Oswald Grübel
Funktion: Präsident La Zagaleta
Alter: 74
Wohnorte: Schweiz und Spanien
Ausbildung: Banklehre
Frühere Funktionen: ehemaliger CEO von Credit Suisse und UBS

Aber in den letzten Wochen hat er die Aktienmärkte in den USA, Asien und Europa schwer mit seinen Zollplänen und einem drohenden Handelskrieg verunsichert.
Die Vereinigten Staaten haben ein riesiges Handelsbilanzdefizit. Pro Monat fliessen zirka 50 Milliarden Dollar ins Ausland, weil die Amerikaner mehr importieren, als sie exportieren. Damit finanzieren die Amerikaner Jobs in Asien und Europa. In früheren Zeiten war es für die Amerikaner einfacher. Damals herrschte die Doktrin, dass Handelspartner, die einen Handelsbilanzüberschuss aufwiesen, diesen wieder in US-Staatsanleihen investieren müssen. Das läuft heute nicht mehr so. Allerdings denkt Trump etwas einfach, meiner Meinung nach.

Inwiefern?
Man kann die Handelsflüsse nicht auf die Schnelle umdirigieren und ausgleichen, denn die USA können nicht schlagartig so viel mehr produzieren, um die Defizite auszugleichen. Aber er kann für fairere Zollregime aus amerikanischer Sicht sorgen.

Bei so viel Skepsis: Warum finden Sie seine Politik trotzdem gut?
Aus der Sicht der USA geht es darum, der Welt klarzumachen, dass sie mit ihren Exporten zu sehr von den USA abhängig sind. Und dann geht es Trump darum, dass Konzerne ihre Produktion in die USA verlegen und dort Arbeitsplätze schaffen. Arbeitsplätze waren ein zentrales Versprechen in seinem Wahlkampf. Seine Zollpolitik und seine Steuerreform machen im Hinblick auf dieses Ziel Sinn.

La Zagaleta

Oswald Grübel ist seit fünf Jahren Präsident und Miteigentümer der Immobilienentwicklungsgesellschaft, die ein Areal von 8,6 Quadratkilometern mit Villen der Luxusklasse bebaut. Zum Resort gehören zwei Golfplätze, Reitanlagen, Tennisplätze und ein Heliport. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt Grübels Vermögen auf 125 Millionen Franken. Der Bericht über La Zagaleta und die Expansion in neue Regionen erscheint im Immobilienmagazin «Homes», das am 27. September der «Handelszeitung» beigelegt wird.

Und was für Schlüsse ziehen Sie als Investor daraus?
Die Wirtschaftspolitik von Trump bringt Wachstum und Wohlstand und deshalb interessante und attraktive Finanzmärkte in den USA. Selbst die Technologiewerte sind noch interessant. Wir beginnen erst langsam zu verstehen, wofür die neuen Technologien überhaupt eingesetzt werden können. Ich glaube, da gibt es noch viele Überraschungen.

Und wie sieht es mit anderen Branchen aus?
Generell sollte man darauf achten, in welcher Branche ein technischer Umbruch stattfindet und welche Auswirkungen er hat.

Und warum glauben Sie, dass die amerikanischen Märkte weiter zulegen?
Es ist eine uralte Weisheit. Wenn alle eine Korrektur voraussagen, kommt sicher keine.