Rund 10 Prozent der Welt­bevölkerung sind heute von extremer Armut betroffen: Laut Weltbank leben 770 Millionen Menschen von weniger als 1.90 Dollar am Tag. Die Vereinten Nationen (UN) wollen bis zum Jahr 2030 die extreme Armut auf der Welt besiegen. Das ist eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG).

Um diese SDG-Ziele zu erreichen, ­werden gewaltige Finanzmittel benötigt: 3,9 Billionen Dollar pro Jahr schätzt die UN. Doch es gibt eine Finanzierungslücke von 2,5 Billionen Dollar jährlich, die nicht allein aus öffentlichen Mitteln geschlossen werden kann. Daher setzen die Vereinten Nationen auf private Investoren.

Grosses Potenzial haben sogenannte Impact Investments: Dabei wird Kapital privater Investoren zu marktüblichen Renditen in Projekte zur Erzielung der SDG investiert. Allerdings haben sehr gut betuchte und institutionelle Investoren deutlich mehr Möglichkeiten, in diese Anlageform zu investieren. Für Privat­anleger sind aber beispielsweise sogenannte Mikrofinanzfonds geeignet.

Wachsender Markt

Blue Orchard ist einer der führenden Anbieter solcher Impact Investments in der Schweiz. Beim Impact Investing geht es darum, Renditen zu erzielen und gleichzeitig einen guten Zweck zu verfolgen. «Und zwar in Bereichen, die einem Investor persönlich am Herzen liegen – das ist sowohl eine wertebezogene als auch eine Investment-Entscheidung», sagt Maria Teresa Zappia, Chief Investment ­Officer (CIO) von Blue Orchard.

Seit 2014 ist die Branche von 46 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen (AuM) auf 228 Milliarden im vergangenen Jahr gewachsen, wie das Global Impact Investing Network (GIIN) in seiner jährlichen Umfrage ermittelt.

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Den tatsächlichen Markt für Impact Investing schätzt GIIN mittlerweile auf 502 Milliarden Dollar weltweit. Diese werden überwiegend von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen angelegt, welche mit knapp 50 Prozent die grösste Gruppe darstellen. Rund ein Viertel sind Banken und etwa 15 Prozent sehr vermögende Privatkunden. 

Herkömmliche Banken erkennen dieses Wachstumspotenzial zunehmend, denn sie merken, dass sie auf die Bedürfnisse ihrer Kunden besser eingehen müssen. Gerade die jüngere Kundengenera­tion lege Wert auf nachhaltige Geldanlagen und Impact Investing, erklärt Maria Teresa Zappia

Für die Branche sind Millennials der Schlüssel zum Wachstum. So hat etwa die Credit Suisse Investoren befragt: 2017 waren über 50 Prozent der 21- bis 36-Jährigen interessiert an Impact Investing, ein Drittel investierte bereits. Je älter die Inves­toren, desto weniger Interesse bestand an dieser Anlageform.

Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für den Genfer Vermögensverwalter Blue Orchard. Gemäss «Swiss Sustainable Investment Market Study 2018» werden 30 Prozent des weltweiten Volumens an Mikrofinanzinvestitionen in der Schweiz getätigt. Entsprechend gross ist das Angebot und die Anzahl der Fondsmanager in der Schweiz. Neben Blue Orchard gehören ­Responsability und Symbiotics zu den führenden Anbietern.

Schweizer Pionier

Blue Orchard bietet bereits seit 1999 ­einen Mikrofinanz-Fonds an – den weltweit ersten seiner Art. Seither hat der Fonds eine jährliche Rendite von über 4 Prozent erzielt. Investiert wird in kleine Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern: Mithilfe von Darlehen – sogenannter Mikrokredite – für kleine Betriebe. Insgesamt verwaltet Blue Orchard acht Fonds – die Projekte reichen von Frauenförderung, Bildung, finanzieller Inklusion bis hin zum Klimaschutz.

Der neuste Trend in der Branche ist «Blended Finance». Dabei werden öffentliche Mittel eingesetzt, um privates Kapital zu mobilisieren. Blue Orchard etwa arbeitet mit Finanz- und Entwicklungsinstitutionen wie der Weltbank zusammen, um entsprechende Anlageformen zu schaffen. «Wir haben festgestellt, dass solche Fonds auch für qualifizierte, sehr vermögende Investoren attraktiv sein können.»

Dabei nimmt Blue Orchard vor allem sogenannte Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) ins Visier – Superreiche ab einem Vermögen von 30 Millionen Dollar – und «Family Offices, aber auch Stiftungen und NGO», sagt CIO Maria Teresa Zappia. Seit 2013 wurden mit dieser Art der Investition rund 100 Milliarden Dollar mobilisiert.