Kurz vor dem Referendum zu Schottlands Unabhängigkeit ist viel vom Schwarzen Gold die Rede. 99 Prozent der britischen Ölvorkommen liegen vor Schottlands Küste. Doch in den Kellern der Highlands lagert noch ein anderer Schatz. Das flüssige Gold, der beste und wertvollste Whisky der Welt. Dass (guter) Whisky teuer ist und dass man Whisky sammeln kann ist schon lange bekannt. Zum echten Investitionsobjekt wurde das hochprozentige Gebräu aber erst in den letzten Jahren.

Erst im August wurde eine 50-jährige Flasche der japanischen Marke Yamazaki Single Malt für 20'000 Pfund versteigert. Und im Januar wechselte ein Sechs-Liter-Dekanter von Macallan M gar für 387'000 Pfund den Besitzer. Laut CNN haben solch spektakuläre Transaktionen in letzter Zeit stark zugenommen. Selbst sechsstellige Summen seien keine Einzelfälle mehr. Während im Jahr 2013 weltweit noch rund 20'000 Flaschen auf Auktionen versteigert wurden, sollen es nach Angaben der Website Whisky Highland in diesem Jahr bereits 30'000 Flaschen sein.

440 Prozent Wertsteigerung

Der Boom freut vor allem langjährige Whisky-Sammler wie den amerikanischen Geschäftsmann Mahesh Patel. Für seine 5000-Flaschen-Sammlung habe er über die Jahre gegen zwei Millionen Dollar bezahlt, erzählte er kürzlich auf CNN. «Nun ist meine Sammlung sechs Millionen wert». Zu verdanken ist die Wertsteigerung dem Einstieg von Investoren, die Whisky als eine Art «sicherer Hafen» gegen die Schwankungen auf den Aktienmärkten betrachten. Kein Wunder, dass die Preise gerade seit der Finanzkrise kräftig zugelegt haben.

Inzwischen gibt es für die Wertentwicklung von Whisky Charts und Prognosen wie an den Aktienmärkten. Laut der Investorenseite Whisky Highland stieg der Wert der hundert bestperformenden Whiskys in den letzten sechs Jahren um sagenhafte 440 Prozent. Wer damals auf die richtigen Marken gesetzt hat, kann heute abräumen, wie bei kaum einem anderen Investment.

Gefordert ist Leidenschaft

Dabei ist es unter Sammlern verpönt, wenn Neueinsteiger aus reinem Gewinnstreben die Preise rauftreiben. Das wichtigste Investitionsprinzip sei die Leidenschaft für Whisky, schreiben auch die Macher von «Whisky Highland». «Sollte der Markt jemals zusammenbrechen kann man sich immer noch mit einem guten Drink trösten.» Zudem sei es wichtig den Markt genauso gut zu kennen wie bei jedem anderen Investment und ein wenig Herzblut sei dabei sicher hilfreich.

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«Man sollte immer zwei Flaschen kaufen», rät auch Sammler Mahesh Patel, «eine zum Trinken und eine für den Keller». Uninformierte Sammler würden ein grosses Risiko eingehen, sagt auch Sammler Sukhinder Singh, Gründer der Website «The Whisky Exchange» zu CNN. «Man kann nicht einfach alte Whiskies kaufen.» Nicht alle alten Sorten seien gut. «Wie viele Whiskies haben diese Leute probiert? Fünfzig? Hundert? Das reicht bei weitem nicht.»

«Trink so viel, du kannst»

Wie bei jeder Investition seien auch beim Whisky Verluste möglich, wird bei Whisky Highland gewarnt. Die Sonderedition zur Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton von Macallan aus dem Jahr 2011 stieg zunächst von 150 Pfund auf 1650 Pfund im Jahr 2013, nur um danach wieder fast die Hälfte des Wertes zu verlieren. Die Flasche steht inzwischen auf etwa 900 Pfund.

Gleichzeitig können aber auch billige Whiskies, wie der 1996 verkaufte Macallan Private Eye, massiv an Wert zulegen. Die Flasche kostete damals 35 Pfund. Heute zahlen Investoren 1500 Pfund für das selbe Produkt. «Es ist unmöglich über Nacht zum Experten zu werden», so Sukhinder Singh. Deshalb sein Tipp für alle Möchtegern-Investoren: «Lerne alles über Whisky, sprich mit Experten und trink so viel, du kannst.»

Barkeeper als Anlageberater

Tatsächlich würden Investoren inzwischen Barkeeper, die sich mit Whisky auskennen, zu Auktionen schicken oder als persönliche Anlageberater anstellen, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Mit gutem Grund. Selbst limitierte Sonderauflagen könnten wertlos werden, wenn sie nicht «verblüffend gut» seien, erklärt Sukhinder Singh.

Letztlich bleibt Whisky ein Genussmittel und der Geschmack entscheidet über den Preis. Anders als bei Anlagen kommt der Investor deshalb kaum darum herum, einen Teil seiner kostbaren Anlage zu verkonsumieren. Dass dabei unglaubliche Werte in Kopfschmerzen umgesetzt werden, gehört zum Geschäft.

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