Mit einem Anstieg von zuvor 0.3 Prozent auf 0.6 Prozent überraschten die BIP-Daten zum ersten Quartal stark. Die Schweizer Konjunktur zeigt sich angesichts der Spannungen zwischen den USA und China und des Abschwungs in der europäischen Industrie belastbar.

Die Auslandsnachfrage beflügelte die Produktion in der Pharmaindustrie, bei Uhren und Präzisionsinstrumenten. Auch die Binnenkonjunktur trug stark zum Wachstum bei, wobei sich die Bauwirtschaft von einem schwachen zweiten Halbjahr 2018 erholte. Weitere Treiber waren der Privatkonsum und die Staatsausgaben.

Der Staatsbeitrag zum Wachstum war doppelt so hoch wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Dies, und auch die starken Konsumausgaben privater Haushalte werden sich nicht wiederholen. Die Autoverkäufe normalisierten sich nach dem Rückgang im zweiten Halbjahr 2018 wieder. Indes verschlechtern sich die Konsumstimmung und der Beschäftigungsausblick.

Abnehmende Dynamik

Verschärft wird das Bild einer abnehmenden Dynamik durch den zunehmenden Gegenwind für die Exporteure. Das Risiko einer Eskalation des Handelsstreits ist nicht zu vernachlässigen und der Franken hat gegenüber dem Euro wieder spürbar aufgewertet.

Der Konsumentenpreisindex stieg im April zum Vorjahresmonat erwartungsgemäss um 0.7 Prozent. Die Inflation wird in der unteren Hälfte des SNB-Zielbandes von 0 Prozent bis 2 Prozent verharren. Damit besteht für die SNB kein Druck, ihre Negativzinsen aufzugeben. Die Energiepreise dürften ihren Höhepunkt erreicht haben und die Inflation nicht mehr weiter anfachen. Zudem nimmt der Importpreisdruck durch die jüngste Franken-Aufwertung künftig ab. Nach Kaufkraftparität ist der Franken gegenüber dem Euro nun wieder um mehr als 10 Prozent überbewertet.

Angst vor Ausstrahlungseffekten in der Eurozone

Unsere Prognose für 2019 lag seit Beginn der Veröffentlichung dieser Daten im Januar 2018 stets unter dem Konsensus – bis zum letzten Monat: Aufgrund solider Daten aller wichtigen Länder der Eurozone für das erste Quartal mussten wir unsere Prognose für 2019 nach oben korrigieren.

Wegen der globalen Handelsspannungen wurden Analysten und Investoren pessimistischer, doch die Konjunktur stützt sich noch immer auf eine starke Inlandsnachfrage. Die Konsumenten profitieren von einem besseren Arbeitsmarkt und von der Fiskalpolitik dürften 2019 starke Wachstumsimpulse ausgehen. Der Hauptgrund für den Pessimismus sind schwache Stimmungsindikatoren, vor allem aus Deutschlands Produktion. Die Belastbarkeit anderer Branchen oder Regionen wird tendenziell übersehen.

Der PMI für die Produktion fiel zwar in Deutschland, Italien und Österreich unter 50 Punkte, doch in Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Irland und vor allem in Griechenland liegt er weiterhin im expansiven Bereich. In Italien erholte sich der PMI für das verarbeitende Gewerbe im April von vorgängigen Mehrjahres-Tiefstständen. Ansteckungseffekte, die von der schwächelnden deutschen Automobilindustrie auf den Dienstleistungs- oder den Bausektor übergreifen, stellen für die Eurozone ein nicht zu vernachlässigendes Risiko dar. Doch die robuste Dynamik in Regionen und Branchen, die weniger stark von Handelsspannungen betroffen sind, rechtfertigt nach wie vor eine Prognose auf Höhe des Potenzials der Region.

Das späte Osterdatum führte zu einer Verzerrung der Inflationsdaten, im März nach unten, im April nach oben. Die Jahresinflation dürfte sich bis Ende Jahr bei stabilen Energiepreisen bei 1.3 Prozent einpendeln. Der angespannte Arbeitsmarkt und das beschleunigte Lohnwachstum sprechen dafür, dass die Kerninflation von durchschnittlich 1.1 Prozent im zweiten Quartal auf 1.5 Prozent im Schlussquartal 2019 steigen wird.

*Marc Brütsch ist Chefökonom bei Swiss Life Asset Managers

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