SIG Combibloc galt schon lange als Kandidat für einen Börsengang. Nun haben sich die Gerüchte bestätigt. Der weltweit zweitgrösste Kartonverpackungshersteller wird nach elf Jahren Absenz «in den nächsten Monaten» an die Schweizer Börse SIX zurückkehren. Rund eine Milliarde Euro – 1,12 Milliarden Franken – will der Konzern aus Neuhausen am Rheinfall an der Börse einsammeln. Mindestens die Hälfte der Anteile werden im Besitz der Finanzgesellschaft Onex bleiben.

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Beim IPO dürfte der Konzern laut Experten mit etwa vier Milliarden Euro bewertet werden. Damit bringen die kanadischen Eigner den Konzern mit einem kleinen Aufpreis an die SIX: Vor drei Jahren zahlte Onex dem damaligen Besitzer, der neuseeländischen Rank Gruppe, 3,8 Milliarden Euro für den Industriekonzern.

In der Bilanz steckt viel Fremdkapital

Für SIG ist der Börsengang ein Comeback. Der über 160-jährige ehemalige Waffen- und Schienenfahrzeughersteller wurde bis 2007 an der SIX gehandelt. Dann kaufte die neuseeländische Rank die Gesellschaft und nahm sie von der Börse. Nun will der jetzige Besitzer Onex die Gesellschaft wieder für Privatinvestoren öffnen, um SIGs Schulden abzubauen.

Der Börsengang ist allerdings nicht in trockenen Tüchern. Als Problem könnte sich just SIGs hohe Schulden erweisen. Die kanadischen Finanzinvestoren haben SIG Fremdkapital von 2,5 Milliarden Euro aufgebürdet. Noch steht nicht fest, wie viel Onex für die Aktie verlangen wird. Ist der Preis zu hoch, werden manche Anleger angesichts des Schuldenbergs vor einem Kauf zurückschrecken. Heuer sind schon andere Börsengänge wegen unterschiedlichen Preisvorstellungen geplatzt. Mit Gategroup, Swissport und der Getriebesparte von OC Oerlikon wurden bereits drei IPOs abgesagt.

Milchkarton

Milchkartons: Sie könnten von SIG stammen.

Quelle: Friedemann Vogel/Getty

Die Rendite steigt kräftig

Onex verspricht den Anlegern viel Wachstum. In den letzten zehn Jahren hat SIG den Umsatz aus eigener Kraft um jährlich vier Prozent auf heute 1,67 Milliarden Euro gesteigert. Und der Betriebsgewinn (EBITDA) erhöhte sich in dieser Zeit überproportional um sieben Prozent. Kartonverpackungen sind ein Wachtumsmarkt, und SIG ist zusammen mit der schweizerisch-schwedischen Tetra Pak der dominante Anbieter.

SIG hat ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell. Der Clou dabei: Die Schaffhauser stellen Verpackungsmaschinen her, und liefern den Kunden auch das Verpackungsmaterial, das für die Maschinen benötigt wird. Rund um den Globus sind 1150 Füllmaschinen von SIG im Einsatz, die jährlich 35 Milliarden Verpackungen ausspucken. Jede fünfte Kartonverpackung weltweit – für Milch, Softgetränke ohne Kohlesäure und flüssige Lebesmittel  – stammt von SIG. Die Kunden – darunter Nestlé, Danone und Pepsi – bindet SIG mit langjährigen Veträgen.

Nebst den interessanten Geschäftsaussichten winkt Anlegern auch eine hohe Dividende. Im nächsten Jahr will SIG 100 Millionen Euro auszahlen. In den Folgejahren soll mindestens die Hälfte des Erlöses an die Aktionäre fliessen.

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Andreas Umbach: Er soll bei SIG das Präsidium übernehmen.

Quelle: Keystone

Ein in IPO erprobter neuer Präsident

Gleichzeitig zum geplanten IPO gab SIG heute auch einen neuen Präsidenten bekannt: Das Präsidium wird Andreas Umbach übernehmen. Damit erhält SIG einen Verwaltungsratschef, der sich mit Börsengängen auskennt: Letztes Jahr brachte Umbach als CEO den Zuger Landis+Gyr-Konzern an die Börse. Bei den Anlegern wird SIG mit Umbachs Erfahrung in diesem Bereich allerdings wohl nicht punkten können. Seit dem Debüt hat der Titel von Landis+Gyr massiv an Wert verloren.

(mbü)