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Day-Trader
Spekulanten hoffen auf täglichen Trump-Tweet

Donald J. Trump: Twitter-Afficionado. Keystone

Spekulanten machen das Geschäft ihres Lebens, denn der neue US-Präsident bewegt mit Twittern die Kurse. Das Nachsehen haben die Algo-Trader.

Veröffentlicht am 01.02.2017

Der Schreck dürfte manchem Anleger noch in den Gliedern sitzen: Bereits vor Amtsantritt lehrte US-Präsident Donald Trump Konzerne das Fürchten. Wer seine im Ausland produzierten Waren in den USA verkaufen wolle, solle Strafzölle zahlen, wetterte er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und wirbelte die Börsenkurse durcheinander. «Trumps Tweets sind für kurzfristig orientierte Händler eine gute Gelegenheit», erklärt Patrik Safvenblad, Partner beim Hegdefonds Harmonic Capital Partners in London.

Daher melden seit der US-Wahl Anfang November viele Broker steigende Handelsumsätze. So knackte die Trading-App Robinhood kurz nach dem Trump-Wahlsieg Anfang November erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar. Hinter diesem Start-Up mit einer Million Nutzern stehen Risikokapitalfirmen wie Google Ventures und Andreessen Horowitz sowie der US-Rapper Snoop Dogg und der Oscar-Preisträger Jared Leto.

Das Who is Who der Industrie am Pranger

Auch dem Devisenhandel hat Trump neues Leben eingehaucht. Wegen seiner Forderung nach Strafzöllen auf mexikanische Billig-Importe wertete der mexikanische Peso in den vergangenen drei Monaten um rund zehn Prozent ab. Der Milliardär bezichtigte zudem China, den Kurs des Yuan zulasten der USA künstlich niedrig zu halten. Vor diesem Hintergrund freuen sich die Online-Devisenhändler FXCM und TD Ameritrade über steigende Umsätze. «Wir wachen jeden Tag auf und hoffen, dass Trump irgendetwas tweetet», sagte Ameritrade-Chef Tim Hockey unlängst in einem TV-Interview.

Trumps Zorn traf in den vergangenen Wochen nicht nur ausländische Konzerne wie BMW oder Toyota, die in Mexiko produzieren. Die US-Autobauer Ford und General Motors (GM) beugten sich dem Druck und kündigten milliardenschwere Investitionen in den USA an. Auch Rüstungshersteller Lockheed Martin und Airbus -Rivale Boeing mussten an der Börse Federn lassen, nachdem Trump die Preispolitik der beiden Konzerne bei staatlichen Aufträgen angegriffen hatte.

Donald Trump als Geschäftsmodell

Die viel gescholtenen Algo-Trader, bei denen hochkomplexe Computerprogramme selbstständig in Sekundenschnelle Wertpapiere kaufen und verkaufen, bleiben bei alledem aber meist aussen vor. Zwar gehen Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Aktienumsätze und gut zwei Drittel des Devisengeschäfts auf ihr Konto. Die Software brauche aber Daten, die mindestens zehn Jahre zurückreichen, um daraus zukünftige Bewegungen abzuleiten, betont Hedgefonds-Manager Safvenblad. Trumps Zwitschereien seien zu sporadisch, stimmt Joseph Mezrich zu. Er ist Chef der auf sogenannte quantitative Strategien setzenden Abteilung des japanischen Finanzkonzerns Nomura. Daraus lasse sich kein verlässlicher Trend ableiten.

Einige Firmen sehen genau darin ihre Chance. So entwickelte das New Yorker Start-Up Trigger einen «Trump Trigger», der die Nutzer informiert, wenn sich der US-Präsident zu einem börsennotierten Unternehmen äussert. Dieser Alarm sei das mit Abstand populärste Feature der Plattform, sagt Firmenchefin Rachel Mayer. Ein Drittel aller Nutzer habe es abonniert. «Und ich sehe nicht, dass Trump mit dem Twittern aufhört.»

(reuters/chb)

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