Strukturierte Produkte werden von Banken und Finanzgesellschaften (Emittenten) ausgegeben. Im Gegensatz zu den Anlagefonds, die ein Sondervermögen darstellen, entsteht dem Erwerber von strukturierten Produkten ein Gegenparteirisiko, das Emittentenrisiko.

Die Vehikel zeichnen sich dadurch aus, dass einem Basiswert - in der Regel sind es Obligationen oder Aktien - derivative Komponenten (Optionen) hinzugefügt werden. Ohne fundierte Kenntnisse der einzelnen Bausteine ist es unmöglich, ein strukturiertes Produkt zu verstehen. Dieser Artikel soll dem Anleger aufzeigen, wie ein kapitalgeschütztes Produkt konstruiert wird und welche steuerlichen Konsequenzen ein solches Anlageprodukt haben kann.

Überraschungen vermeiden

Dieses Wissen soll in den individuellen Anlageprozess einfliessen, damit der Anleger jene strukturierten Produkte kauft, welche seinem Anlegerprofil entsprechen. Weiter ist es zentral, das Anlageprodukt zu verstehen, damit keine negativen Überraschungen blühen.

Die strukturierten Produkte können folglich nur einen nachhaltigen Mehrwert generieren, wenn sie im Rahmen eines integrierten Anlageprozesses eingesetzt werden. Dies ist jedoch höchst selten der Fall, und leider wird diesem Aspekt seitens der «Produkteverkäufer» in aller Regel auch zu wenig Beachtung geschenkt. Es stellt sich überhaupt die Frage, wie gut die Verkäufer über die Produkte Bescheid wissen.

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Anhand der Konstruktion eines kapitalgeschützten Produkts ohne Gewinneinschränkung sollen im Folgenden die steuerlichen Folgen aufgezeigt werden. Das im Emissionszeitpunkt vom Anleger investierte Kapital wird auf den notwendigen Barwert diskontiert. Dieser Barwert hängt von der Verfallrendite (bezogen auf die Schuldnerqualität) im Zeitpunkt der Emission, der Couponhöhe sowie der Laufzeit der Anlage ab. Mit der Diskontierung wird der Kapitalschutz sichergestellt, vorausgesetzt, der Emittent kann am Verfalltag seine Verpflichtung erfüllen.

Die Differenz zwischen dem investierten Kapital und dem berechneten Barwert wird in Call-Optionen investiert. Mit Long-Calls wird auf stark steigende Basiswerte gewettet. Diese Wetten sind aber nicht kostenlos, sondern müssen mittels Prämien erkauft werden. Die Geschäftsart ist somit mit dem Versicherungsgeschäft vergleichbar: Der Versicherungsnehmer kauft sich ein Recht, wofür dem Versicherungsgeber eine Versicherungsprämie zu entrichten ist. Tritt der Versicherungsfall ein - in diesem Fall stark steigende Basiswer-te -, so wird der Versicherungsnehmer sein Recht beanspruchen und den Gewinn einkassieren. Erleben jedoch die Basiswerte eine Seitwärtsbewegung oder sogar eine Preisreduktion, so verliert er die bezahlte Prämie.

Daraus lässt sich auch der Preis für den Kapitalschutz erkennen:Der Anleger verzichtet auf die sichere Zinszahlung, da dieser Betrag für den Kauf der Long-Calls verwendet wird. Will heissen, dass der Kapitalschutz mit Kosten verbunden ist. Im schlechtesten Fall erhält der Kunde das bei der Emission investierte Kapital zurück (immer davon ausgehend, dass der Emittent selbst nicht zahlungsunfähig wird, ansonsten ist das gesamte Kapital verloren). Die steuerlichen Konsequenzen sind jedoch noch zu berücksichtigen.

Sofern es sich um ein IUP handelt, findet bei jeder Handänderung die anteilmässige Besteuerung statt. Wenn keine überwiegende Einmalverzinsung vorliegt (also nicht IUP), so erfolgt die «einmalige» Zinsbesteuerung am Fälligkeitszeitpunkt, getreu dem Motto: Den Letzten beissen die Hunde. In der Regel werden die kapitalgeschützten Produkte als IUP emittiert, es gibt jedoch Ausnahmen.

Chance auf steuerfreie Erträge

Die Differenz zwischen dem Barwert beim Verkauf (oder Verfall) zum Barwert beim Kauf ist als Einkommen steuerbar, da diese Differenz dem (möglichen) Zinsertrag entspricht. Ob dieser Zinsertrag effektiv eingenommen worden ist, interessiert die Steuerbehörde richtigerweise nicht. Je nach Grenzsteuersatz im betroffenen Jahr kann es für den Anleger vor-, nachteilig oder auch neutral sein. Es besteht auch die Chance, steuerfreie Erträge zu erzielen. Bei jedem strukturierten Produkt sind die Steuerfolgen genau zu klären, denn entscheidend ist die Renditemöglichkeit nach Steuern, Inflation und Kosten.