Das war ein echter Paukenschlag: Der grösste deutsche Energiekonzern E.ON will sich in zwei Unternehmen aufspalten. E.ON selbst will sich dabei künftig auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Energienetzen und Kundendienstleistungen wie beispielsweise für Blockheizkraftwerke oder für Lösungen zur Effizienzsteigerung konzentrieren. Das bisherige Stammgeschäft der Stromerzeugung mit Hilfe von Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken soll hingegen zusammen mit dem Energiehandel und dem Explorationsgeschäft als eigene Firma an die Börse gehen. Ein Spin-off soll das möglich machen. Bei diesem erhalten die bisherigen E.ON-Aktionäre Anteile an der neuen ausgegliederten Gesellschaft zum Nulltarif. Der Plan soll zwar erst im Jahr 2016 umgesetzt werden, nach Bekanntgabe der Pläne legte die E.ON-Aktie aber um 4,2 Prozent zu.

Der Kursanstieg bei E.ON ist kein Einzelfall. Spin-offs führen oft zu Kursgewinnen. In einer aktuellen Studie hat die Credit Suisse die Folgen von Spin-offs genau betrachtet. Untersucht wurden dabei von den beiden Analysten Ron Graziano und Amit Varshney, wie sich in den USA in den zehn Jahren zwischen 2004 und 2014 die Kurse von Konzernmutter und abgespaltener Tochter bei Abspaltungen im Wert von mindestens 250 Millionen Dollar entwickelt haben. Dabei brachten sowohl die Konzernmutter als auch der abgespaltene Unternehmensteil über alle betrachteten Zeiträume hinweg im Vergleich zum Russell 2000 eine Outperformance. Nach zwei und drei Jahren lag diese im Durchschnitt jeweils bei rund 20 Prozent.

Auf Spin-offs setzen mit ETF und Zertifikat

Das sind ermutigende Ergebnisse, und diese kann man sich als Anleger auch zunutze machen, indem man auf aussichtsreiche Spin-off-Kandidaten setzt. Diese Idee setzt beispielsweise der ETF S4A-US-Long-UI-Fonds (ISIN: DE000A1H6HH3) erfolgreich um, indem regelmässig US-Spin-offs dem Portfolio beigemischt werden. Auch derivative Produkte wie das Solactive-Global-Spin-off-Performance-Open-End-Index-Zertifikat (ISIN DE000VZ2SP07) versuchen, von dieser Strategie zu profitieren. Das Zertifikat bildet die Entwicklung von Unternehmen ab, die in der jüngeren Vergangenheit im Rahmen einer Abspaltung von einem existierenden Unternehmen via Notierungsaufnahme an die Börse gegangen sind.

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Mit dem erwähnten ETF konnten Anleger seit der Auflage schöne Gewinne schreiben. Wer überlegt, diese Vorgehensweise selber anzuwenden, sollte sich vorher aber etwas näher mit der Thematik beschäftigen. Denn völlig ein Selbstläufer ist diese Anlageidee nicht. So erkennt die Credit Suisse eine sehr breite Streuung bei der Performance der einzelnen Abspaltungen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Konkursen kommen wird.

Abspaltungen werden während Börsenhochs besonders häufig vorgenommen, …

Was auch auffällt: Spin-offs treten in besonders gehäufter Form um die Hochpunkte von Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt auf. Auch jetzt sind Spin-offs, die gerne zur Reorganisation von Unternehmen oder zur oftmals steuerfreien Rückgabe von Kapital an die Anteilseigner genutzt werden, zwar nicht gemessen am Volumen, aber was ihre Anzahl angeht, wieder gross in Mode.

Laut Credit Suisse wurden allein in den USA bis Oktober 50 Spin-off-Transaktionen entweder umgesetzt (22) oder angekündigt (28). Mehr als 40 Prozent davon wurden von Gesellschaften aus dem Finanzsektor und aus dem Bereich ausserhalb der Basiskonsumgüter initiiert.  

… aktuelle Spin-offs laufen derzeit aber schlecht

In letzter Zeit scheinen Abspaltungen wenig rentabel gewesen zu sein. Laut Credit Suisse verbuchten die Aktien von Mutterkonzernen in den letzten zwölf Monaten nach Ankündigung der Transaktionen im Median ein Minus von 1 Prozent und seit der effektiven Abspaltung sogar ein Minus von 7 Prozent. Die abgespaltenen Unternehmensteile mussten im Median seit der Handelsaufnahme in den vergangenen zwölf Monaten sogar einen Verlust von 14 Prozent hinnehmen.

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Grundsätzlich hat in normalen Börsenphasen aber nach wie vor die Einschätzung Gültigkeit, wonach Spin-off-Unternehmen überdurchschnittliches Kurspotenzial bieten können. Folglich dürfte sich die Suche nach potenziellen Spin-off-Kandidaten lohnen. Die Credit-Suisse-Experten haben die 100 grössten Spin-off-Deals der vergangenen zehn Jahre analysiert und die typischen Charakteristiken der Muttergesellschaften ermittelt.

Woran Anleger Spin-off-Kandidaten frühzeitig erkennen können

Dem Ergebnis zufolge fallen bei solchen Spin-off-Kandidaten Cash Flow Return on Income, Gewinnspannen und Kapitalumschlag im Branchenvergleich durchschnittlich aus, während die Schulden eher hoch und das Wachstum negativ ist. Die Credit Suisse spricht von Qualitätsunternehmen mit Wachstumsproblemen. Ausserdem neigen die Mütter von Spin-offs vor und nach dem Deal dazu, Kapital in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Anleger auszuzahlen. Ebenfalls auffällig sind vergleichsweise niedrige Bewertungen vor einem Spin-off beim Mutterunternehmen. Wegen solchen Bewertungsabschlägen könnten die Anleger Druck auf die Verantwortlichen ausüben, damit diese mit Massnahmen wie Spin-offs versuchen, die Bewertung zu heben.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren hat sich die Credit Suisse im S&P-500-Index jene Unternehmen angesehen, die mindestens zwei getrennte Geschäftseinheiten haben, die durchschnittliche Branchenwerte beim Cash Flow Return on Income aufweisen, die unterdurchschnittlich wachsen und die vergleichsweise günstig bewertet sind. In dieser Liste befinden sich Namen wie Altria Group, IBM, Oracle, General Electric, Johnson & Johnson, Schlumberger oder Hewlett Packard. Aus der Schweiz sehen die Experten bei Novartis, Roche, Givaudan, Adecco, Sika und Sulzer theoretisch Spin-off-Potenzial.

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