Wer ruhig schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, kauft Aktien – das ist einer der bekanntesten Aussprüche des Börsenexperten André Kostolany. Allerdings stimmt das nicht immer. Denn selbst die vermeintlich sicheren Obligationen garantieren nicht immer einen ruhigen Schlaf. Vor drei Jahren etwa bescherten unter anderem griechische Bonds nicht nur heftige Kurseinbrüche, es gab auch einen Schuldenschnitt, bei dem Anleger auf einen Teil ihres Kapitals verzichten mussten. An ruhigen Schlaf war da nicht zu denken. 

Aber Aktien schliessen ruhigen Schlaf auch nicht unbedingt aus. Es gibt einige Titel auf dem Kurszettel, die Anleger mit hohen Kursgewinnen und Dividenden verwöhnen und die dabei vergleichsweise stabil laufen.

Hohe Kursgewinne und geringe Schwankungen

Beispiel: Bell AG. Während der SMI 2011 bei Ausbruch der Euro-Schuldenkrise innert weniger Monate um knapp 30 Prozent nach unten fiel, lag das Minus bei Bell nur bei 18 Prozent. Oder Fukushima. Der Tsunami in Japan und die Reaktorkatastrophe, die darauf gefolgt war, brachten dem breiten Schweizer Aktienmarkt, ebenso wie vielen internationalen Indizes, ein schnelles Kursminus von rund 10 Prozent. Die Aktie von Bell hingegen kletterte um 15 Prozent nach oben. Per Saldo verbuchten die Aktionäre von Bell AG in den letzten zehn Jahren Kursgewinne von 100 Prozent. Seit dem Jahr 2000 waren es 300 Prozent.

Beispiel: Nestlé S.A. Während sich der SMI von den 2007er-Hochs infolge Finanzmarktkrise bis Anfang 2009 halbierte, gab die Notierung des SMI-Mitglieds im selben Zeitraum nur um rund 30 Prozent nach. Dennoch können sich auch Nestlé-Aktionäre über hohe Gewinne freuen. Die Aktie kletterte in den letzten zehn Jahren um 110 Prozent, seit dem Jahr 2000 gibt es ein Plus von 130 Prozent.

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Emmi – die Aktie zeigt sich krisenfest

Beispiel: Emmi AG. Der SPI-Titel zeigte sich in den letzten Börsenkrisen häufig ziemlich unbeeindruckt von allgemeinen Kurseinbrüchen und hatte mehr oder weniger seine eigene Kurskonjunktur. Und während der SMI vor einem Jahr infolge China-Schwäche innert weniger Wochen um 15 Prozent gefallen war, lag das Emmi-Minus bei 5 Prozent. Trotz geringer Schwankungen ist Emmi kein Langweiler. Seit dem Börsengang Ende 2004 bringt es die Aktie auf ein Plus von 200 Prozent.

Die drei Firmen haben eines gemeinsam: Ihre Branche – Nahrungsmittel. Und die ist nicht nur ziemlich krisenfest – denn gegessen wird immer –, sondern sie bietet auch gute Wachstumschancen. Wachstumstreiber sind dabei nicht nur die steigenden Einkommen der Bevölkerung in den Schwellenländern, sondern auch die Einführung neuer Produkte wie etwa im Bereich Wellness oder bei diätischen Lebensmitteln.

Veränderte Ernährungsgewohnheiten – Agrarrohstoffe explodieren

Die geänderten Ernährungsgewohnheiten hin zu höherwertigen Lebensmitteln und gestiegenem Qualitätsbewusstsein in den aufstrebenden Ländern zeigen sich auch in der Preisentwicklung wichtiger Agrarrohstoffe. So hat sich der Preis für Lebendschwein seit dem Jahr 2000 auf inzwischen 1,20 Dollar je Pfund verdoppelt. Gleiches gilt für Lebendrind und Mastrind. Die Preise für diese Fleischkategorie kletterten in den letzten 14 Jahren um 100 Prozent auf 1,40 Dollar und 1,90 Dollar je Pfund.

Beispiel: Gestiegenes Qualitätsbewusstsein. Im vergangenen Jahr gab es in einigen europäischen Ländern zeitweise Lieferengpässe bei Milchpulver für Babynahrung, weil chinesische Händler aufgrund von Nahrungsmittelskandalen im Land Milchpulver in Europa en gros gekauft und nach China exportiert hatten.

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Hochdorf wächst stark mit Babynahrung

Davon profitieren auch Schweizer Anbieter. So konnte beispielsweise die unter anderem auf Babynahrung spezialisierte Hochdorf-Holding ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 8,4 Prozent auf 376,1 Millionen Franken steigern. Bei Babynahrung gab es wegen der starken Nachfrage aus China und Vietnam sowie aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika sogar ein Plus von 33,8 Prozent.

Wegen der sehr hohen Umsatzbasis von 92,1 Milliarden Franken weist Nestlé nicht mehr solche grossen Sprünge aus. Der Konzern aus Vevey im Kanton Waadt steht beim Wachstum dafür aber auf zwei Beinen: Internationale Expansion und Ausbau des Produktportfolios. Nestlé erzielte 2004 noch 32,9 Prozent der Umsätze in Europa, im vergangenen Jahr waren es noch 28 Prozent. Neue Produktgruppen wurden immer wichtiger, etwa die Wassersparte oder der Bereich Gesundheit mit Nutrition und Health Care.

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Nestlé mit starkem Margenanstieg

Besonders erstaunlich ist die Entwicklung des Gewinns in den einzelnen Teilsegmenten. Das SMI-Mitglied steigerte seit 2004 die Umsätze beispielsweise bei Produkten für Heimtiere oder bei der Gruppe von Milchprodukten, Nutrition und Speiseeis um 13,1 und 23,8 Prozent, beim operativen Gewinn gab es in den beiden Sparten Zuwächse von 49,6 und 81,2 Prozent.

Oder Emmi AG. Der Hersteller von Käse- und weiteren Molkereiprodukten konnte seinen Umsatz in den letzten zehn Jahren um 71,2 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken steigern – ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 5,6 Prozent. Die starken Zuwächse erzielte der Konzern aus Luzern nicht nur durch internationale Expansion – allein seit 2009 hat sich der Umsatz im Ausland mit einem Plus von 112,6 Prozent mehr als verdoppelt. Emmi baut auch die Produktpalette erfolgreich aus. Kamen vor zehn Jahren 97,8 Prozent des Umsatzes aus Käse und weiteren Molkereiprodukten und nur 2,2 Prozent aus anderen Nahrungsmittelbereichen, so stammen jetzt bereits 32,8 Prozent aus neuen Segmenten wie etwa von Frischprodukten.

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Aktien für gutes Essen und ruhigen Schlaf

Und betrachtet man den Emmi-Chart der letzten Jahre, wird schnell klar: Es gibt wirklich Aktien, die einen ruhigen Schlaf und gutes Essen erlauben.

Nestlé wird wohl weiter wachsen. Nicht nur wegen der Basistrends der steigenden Einkommen in Schwellenländern, sondern wegen fortlaufenden Portfolioausbaus. Die nächstfolgende Sparte des SMI-Mitglieds ist bereits gegründet: Medizinische Hautpflegeprodukte. Obendrein haben die Waadtländer auch die Sparte medizinische Ernährung von Danone im Visier. Eine Vollzugsmeldung über den Deal könnte der Nestlé-Aktie neuen Auftrieb bringen.

Trotz gestiegener Beschaffungspreise, mit einem Rückgang der Bruttomarge von 33 auf 32,1 Prozent, konnte der Fleischverarbeiter den Gewinn im vergangenen Jahr um 1,0 Prozent auf 76,6 Millionen Franken ausbauen. Grund ist die Weiterentwicklung zu margenstärkeren Produkten und die Bereinigung des Sortiments durch Trennung von unrentablen Bereichen. Der Aufwärtstrend wird derzeit von der psychologischen Marke bei 2500 Franken gestoppt. Ein Sprung über die Zone könnte schnell neue Allzeithochs bringen.

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Der Spezialist für Milchprodukte setzt nicht nur auf weitere internationale Expansion, sondern auch auf Produktinnovationen, auf Akquisitionen und auf die Hebung von Synergien. Die Aktie notiert an der Unterstützungszone um 310 Franken. Möglicherweise startet der Titel von dort einen Rebound nach oben.

Für dieses Jahr erwartet Firmenchef Thomas Eisenring einen weiteren Zuwachs der Baby-Sparte um 18 bis 22 Prozent. Insgesamt soll der Umsatz im Konzern um 10 Prozent zulegen. Die Aktie ist seit dem Jahresanfang zügig um 30 Prozent gestiegen und notiert jetzt knapp unter dem Allzeithoch vom April von 133.50 Franken. Fällt die Marke, könnte dies eine neue Kursdynamik bringen.  

Der Hersteller von Suppen, Fertiggerichten und Saucen konnte den Umsatz im vergangenen Jahr um 13,1 Prozent auf 367,3 Millionen Franken steigern. Insbesondere Kostensenkungen der letzten Jahre brachten einen Anstieg der operativen Marge von 6,6 auf 8,0 Prozent und damit auf das Minimum des Zielwertes von 8 bis 9 Prozent. Im 2014 sollen Umsatz und Gewinnspanne weiter zulegen. Die Aktie ist mit einem 13er-KGV nicht teuer.

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