«An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil» – das ist eine der Erkenntnisse von Börsenguru André Kostolany. Die Aussage scheint sich im Moment bei zwei Basiswerten zu bestätigen: Gold und Öl. Beiden wurde in den letzten Monaten des Öfteren eine schwache Performance vorausgesagt. Gold, so hiess es immer wieder, könne auf unter 1000 Dollar die Unze fallen und habe für längere Zeit keine guten Perspektiven mehr. Und Öl wird sich wohl danach nach Ansicht so mancher Experten nicht mehr so schnell erholen. Manche sagen sogar, die alten Hochs von über 100 Dollar würden nie wieder drin sein!

Insbesondere solche Aussagen über Öl sind natürlich völliger Blödsinn und sind in den letzten Tagen widerlegt worden. Die Ölsorten Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA sind völlig unerwartet innert weniger Tage um mehr als 10 Prozent emporgeklettert. Inzwischen notiert Brent bereits um 20 Prozent über dem Tief vom Januar.

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Und bei Gold hat es seit dem Jahresbeginn zwischenzeitlich bereits kräftige Steigerungen um 10,3 Prozent gegeben. Damit ist übrigens auch die Empfehlung aus stocksDIGITAL vom 9. Januar schon nach wenigen Wochen aufgegangen. Der Redaktion war damals nämlich aufgefallen, dass es beim Edelmetall zumindest in den letzten zehn Jahren meist innert der ersten fünf Monate jeweils eines neuen Jahres bei Gold zu Kurssteigerungen um 10 Prozent und mehr gekommen ist. Mit dem vor vier Wochen empfohlenen Call auf Gold (ISIN: CH0256310860) war dann auch in weniger als zwei Wochen bereits ein schnelles Plus von bis zu 31,8 Prozent drin.

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Der Anstieg im Goldpreis in diesem Jahr ist umso erstaunlicher, weil gleichzeitig der Dollarkurs gegenüber dem Euro kräftig um rund 10 Prozent gestiegen ist. Es ist nämlich  oft zu beobachten, dass der Goldpreis bei fallendem Dollar steigt und bei steigendem Dollar hingegen tendenziell fällt. Das mag daran liegen, dass viele Goldfans den Kauf des Edelmetalls zurückstellen, weil Gold in Dollar notiert und bei steigendem Dollar dann gegenüber vielen anderen Währungen eben teurer wird. Das drückt die Nachfrage nach dem gelben Metall und hat so Einfluss auf den Preis. Bei steigendem Dollarkurs sollte der Goldpreis entsprechend zurückgehen.  

Der Angebotsüberschuss bei Gold hat sich zuletzt abgeschwächt

Allerdings hielten sich der chinesische Yuan und die indische Rupie in diesem Jahr ziemlich stabil gegenüber dem Dollar. Während Chinas Währung seit dem Jahresanfang gegenüber dem Dollar rund ein Prozent verloren hat, verbucht die indische Devise seit Januar eine Wertsteigerung von etwa 2 Prozent. Chinesen und Inder sind für die Nachfrage nach physischem Gold, beispielsweise in Form von Schmuck oder als Münzen und Barren, auch als Zeichen von Wohlstand, weltweit die grössten Abnehmer.

Im dritten Quartal 2014 hat es zwar bei der Goldnachfrage einen leichten Rückgang um rund 3 Prozent oder 27,4 Tonnen gegeben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, aber das Angebot ist noch stärker gefallen, um rund 7 Prozent, entsprechend 81,1 Tonnen. Allerdings liegen die aktuellen Zahlen des World Gold Council, der Interessenvertretung der Goldminenbetreiber, für das vierte Quartal 2014 noch nicht vor. Die Daten werden mit Spannung erwartet.

Viele Bohrtürme stehen vor dem Aus

Während der Goldpreis derzeit wieder im Rückwärtsgang ist, scheinen die Chancen auf eine weitere Erholung bei Öl zu steigen. Nachdem die Notierung innert sechs Monaten auf der Hälfte war, scheint der tiefe Ölpreis jetzt langsam einigen Produzenten das Aus zu bringen. Wie der Ölfeldausrüster Baker Hughes meldet, hat es Mitte Januar mit einem Minus von 4,2 Prozent den stärksten wöchentlichen Rückgang bei der Zahl der Öl- und Gasbohrtürme in den USA gegeben seit Januar 2009 und den drittstärkten Einbruch seit dem Jahr 2000. Für das erste Quartal erwartet der Konzern aus Houston in Texas sogar einen Rückgang der US-Bohrtürme um 15 Prozent.

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Das Minus könnte sogar noch grösser werden, denn insgesamt nennt der Ölspezialist für einen Zyklus einen Rückgang der Bohrtürme in den Staaten von 40 bis 60 Prozent. Dass die Perspektiven wegen des tiefen Ölpreises im Moment nicht rosig sind, zeigt die Zahl der geplanten Stellenkürzungen in der Öl-Service-Industrie. Baker Hughes kündigt die Streichung von 7000 Jobs an, Konkurrent Schlumberger will sogar 9000 Stellen abbauen.

Starker Rückgang bei Fracking

Die Zahl der Bohrungen in der Frackingindustrie soll in den letzten drei Monaten schon kräftig um einen Viertel eingebrochen sein. Viele Fracking-Türme werfen bei Barrel-Preisen wie aktuell von 50 Dollar nicht mehr den erhofft hohen Profit ab wie noch im vergangenen Sommer. Denn bei vielen Projekten in Colorado liegen die Förderkosten bei 40 Dollar und mehr je Barrel. Glücksritter und verschuldungsgetriebene institutionelle Investoren werden da wohl vorerst das Interesse am schwarzen Gold verlieren. Viele Investitionen und Öl-Kredite könnten jetzt sogar gefährdet sein. So sollen Investoren in den letzten fünf Jahren bei Ölpreisen von mehr als 90 Dollar je Barrel noch 1,4 Billionen Dollar in Öl- und Gasprojekte in den Staaten gesteckt haben. Angesichts der in den letzten Monaten massiv gefallenen Gewinnspanne sehen Experten jetzt aber sogar, dass Banken gefährdet zu sein scheinen, die bei der Kreditvergabe stark im Ölgeschäft aktiv gewesen sind.

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Der tiefe Ölpreis dürfte auch die Erschliessung einer Reihe von in den letzten Jahren entdeckten Ölvorkommen im Meer vorerst beenden. So schätzten Experten die Förderkosten in den grösseren Wassertiefen, etwa im Golf von Mexiko oder vor Brasilien, auf zumindest 60 bis 65 Dollar je Barrel. Da dürften sich wohl auch bei Ölpreisen von 70 oder 75 Dollar je Barrel nur wenige Investoren finden lassen.

Hohe Mittelzuflüsse in Öl-ETFs

Auf eine Trendwende beim Ölpreis könnte auch das gestiegene Interesse der Anleger hinweisen.  «Allein im Januar sind weltweit 2,4 Milliarden Dollar in Öl-ETFs geflossen», sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Wenn viele Institutionelle bei Öl oder Gold lauthals schreien «der Kurs kann nur fallen», bedeutet das oft genau das Gegenteil. Tatsächlich haben vor einigen Monaten Institutionelle genau dies getan, und es ist zu vermuten, dass das Gegenteil gilt. Nämlich: Sie sind noch nicht voll investiert und wollen den Preis vorerst mit solchen Aussagen tief halten.  

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Der Einstieg bei Öl könnte sich jetzt also lohnen. Konservative Anleger greifen dabei zum Tracker-Zertifikat, beispielsweise auf Brent (ISIN: GB00B3BNNX27, Laufzeit endlos), etwas risikofreudigere Anleger setzen hingegen auf ein Hebelprodukt und spekulieren mit einem Call (ISIN: CH0262559294, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis je 42,57 Dollar) auf weiter steigende Ölpreise.