Mit milliardenschweren Übernahmen bringt sich die Chipbranche derzeit in die Schlagzeilen. 37 Milliarden Dollar blättert beispielsweise Avago Technologies für den Wettbewerber Broadcom auf den Tisch. Intel hat sich währenddessen nach einem zunächst gescheiterten Versuch doch noch mit Altera geeinigt. Für 16,7 Milliarden US-Dollar in bar kauft der Chipriese die Nummer zwei auf dem Markt für Field-Programmable Gate Arrays, kurz FPGA. Und der US-Chip-Hersteller Atmel stellt sich Gerüchten zufolge aktuell sogar selbst zum Verkauf.

«Grösser ist besser», lautet die neue Strategie in der Branche angesichts der zunehmenden Technologien, die auf die Chips gequetscht werden. Grössere Unternehmen können sich die ständig steigenden Kosten für die Konstruktion und Fertigung eher leisten. «Ein führendes Design kann 150 bis 200 Millionen Dollar kosten. Das bedeutet, dass ein Unternehmen in der Lage sein muss, vier Mal den Umsatz zu erwirtschaften, um einen Return on Investment zu erhalten», erläutert Mario Morales, Analyst beim Tech-Forschungsunternehmen IDC.

Unterschiedliche Resonanzen

Der Deal zwischen Avago und Broadcom wird von Analysten grösstenteils als «strategisch sinnvoll» eingestuft. Beide Chipfirmen ergänzen sich gut bei Produkten für mobile Geräte. Zudem soll die Fusion Kosteneinsparungen von 750 Millionen Dollar innert 18 Monaten bringen. Etwas zurückhaltender fällt das Echo zu Intel aus. Mit der Akquisition von Altera kann der Branchenprimus auf der einen Seite zwar seine Abhängigkeit vom PC-Geschäft verringern, auf der anderen Seite zahlt der Konzern dafür aber einen hohen Preis. Ausserdem kann Intel durch die Übernahme ihr grösstes Problem im Geschäft mit Halbleitern und Prozessoren für mobile Geräte nicht lösen. Den Trend zu mobilen Geräten hat der Konzern in den vergangenen Jahren schlichtweg verschlafen.

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Für die Übernahme spricht aber, dass Intel durch den Zukauf Zugang zu einer besonders leistungsfähigen Technologie bekommt. FPGA wird ein hohes Wachstumspotenzial vorhergesagt. Die programmierbaren Chips werden unter anderem genutzt, um Suchanfragen im Internet zu beschleunigen. Darüber hinaus ist Altera auch im wachsenden Automarkt mit ihren Halbleitern vertreten.

Chips auf vier Rädern

Apropos Auto – auch diesem Chip-Segment wird eine goldene Zukunft prophezeit. Einer Studie von Strategy Analytics zufolge werden die Umsätze der Chip-Hersteller mit der Autoindustrie in den kommenden Jahren um rund 12 Milliarden Dollar wachsen. 2020 werden Erlöse von rund 42 Milliarden Dollar erwartet, derzeit sind es knapp 30 Milliarden Dollar, 2010 waren es erst rund 20 Milliarden Dollar. Grund für das Wachstum ist die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen.

Der Kampf um dieses lukrative Geschäft hat innerhalb der Branche längst begonnen. Zum Beispiel verkündete der niederländische Chipanbieter NXP jüngst, dass die Automobilindustrie «eines der beiden wichtigsten strategischen Wachstumsfelder für das Unternehmen» sei. Seit 2009 hat sich der Umsatz der Autosparte bei NXP in etwa verdoppelt. Ebenso setzt die deutsche Infineon voll auf das Fahrzeuggeschäft. Knapp die Hälfte der Erlöse wird inzwischen dort generiert.

Investieren im Halbleitersektor

Für die Analysten der UBS ist der DAX-Titel ein klarer Kauf. Analyst Gareth Jenkins hat die Infineon-Aktie in einer jüngsten Branchenstudie mit einem Kursziel von 12,50 Euro – ein Potenzial von 11 Prozent – auf Buy belassen. Seiner Ansicht nach gehört Infineon zu den Unternehmen, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit vom strukturellen Trend der Autoaufrüstung profitieren werden. Auch für die NXP-Aktie ist die Analystenzunft generell sehr positiv gestimmt. Der Valor kommt beim von Thomson Reuters angegebenen Konsens auf eine Durchschnittsnote von 1,8, was einem klaren Outperform-Rating gleichkommt. Beispielsweise haben die Analysten von Barclays kürzlich ihr Kursziel von 110 auf 120 Dollar angehoben, die Researchabteilung von Stifel Nicolaus setzte den fairen Wert sogar von 120 auf 130 Dollar hoch. Im Vergleich zum aktuellen Kurs von rund 100 Dollar entspricht dies einem Aufschlag von satten 30 Prozent.

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Bei der Intel-Aktie sollten Anleger hingegen vorerst auf der Seitenlinie bleiben. Zum einen hat der Konzern im Auftaktquartal eine schwache Ergebnisentwicklung gezeigt, zum anderen dürfte es eine Weile dauern, bis sich die hohen Investitionen in den Zukauf positiv auswirken. Auch das Gros der Experten zeigt sich eher zugeknöpft. Das Konsens-Rating für die Intel-Aktie lautet «Hold».

Diversifizierter Index

Anleger, die den Schwung in der Branche nutzen, sich allerdings nicht auf Einzeltitel festlegen möchten, können auch breit auf den Sektor setzen. Eine probate Möglichkeit dazu bietet der Tracker auf den Philadelphia Semiconductor Index (ISIN CH0022553389) von BNP Paribas. Im Barometer befinden sich die 30 weltweit grössten Halbleiterkonzerne.