Eine gut ausgebaute und zuverlässige Infrastruktur ist ein Fundament der modernen Gesellschaft und Volkswirtschaft. Die OECD definiert Infrastruktur als die öffentlichen Bauwerke eines Landes, Staates oder einer Region (1). Aus einer technischen Perspektive lässt sich Infrastruktur in eine wirtschaftliche und in eine soziale Kategorie einteilen. Erstere umfasst Energie/Versorgung, Transport/Verkehr und Kommunikation, während die soziale z.B. Krankenhäuser, Schulen, etc. beinhaltet.

Geprägt durch verschiedene Trends wie das Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung, die Mobilität und weitere finden aktuell überall auf der Welt Bestrebungen zu einem teilweise massiven Auf- respektive Ausbau von Infrastrukturen statt.

Infrastruktur-Grossprojekte – vier Beispiele

Beispiel 1: Türkei New Airport
In der Türkei soll der Atatürk-Flughafen in Istanbul für 7 Milliarden Dollar durch einen ersetzt werden, der weltweit der grösste sein wird. Eine jährliche Kapazität von 150 Millionen Passagieren ist geplant. Bis 2018 wird das Projekt voraussichtlich 200‘000 neue Stellen generieren.

Beispiel 2: California High-Speed Rail
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Konstruktion eines Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes, das die wichtigen Metropolen Kaliforniens verbindet, vorgesehen. Mit einem Budget von 68 Milliarden Dollar ist der Beginn der Arbeiten auf den Sommer dieses Jahres und die Aufnahme des Betriebs auf 2029 geplant. Gemäss ersten Geschäftsentwürfen werden für den Bau 160‘000 und danach dauerhaft 450‘000 Stellen geschaffen.

Anzeige

Investitionen im arabischen Raum und im Kongo

Beispiel 3:  Etihad Rail
Hochgeschwindigkeitszüge sind auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein Thema. Das Unternehmen Etihad Rail soll ein nationales Bahnnetz von 1200 km Länge errichten, um verschiedene Industrie-Standorte miteinander zu verknüpfen. Das neue Netzwerk ist Teil des Entwurfs, der beinhaltet, dass die Golfregion mit den VAE, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und Saudi-Arabien gestärkt wird. Im gesamten Gebiet sind weitere 36 Bahnprojekte geplant, was über 80‘000 Beschäftigte für die nächsten fünf Jahre erfordern wird.

Beispiel 4: Grand-Inga-Damm: In der demokratischen Republik Kongo befinden sich unter dem Titel «Grand Inga» verschiedene Projekte für hydroelektrische Einrichtungen in der Pipeline. 40‘000 Megawatt an Elektrizität werden künftig erzeugt und von Investitionen in der Höhe von 80 Milliarden Dollar begleitet. Die Bauarbeiten werden wohl im 2016 beginnen und dauern rund sechs Jahre. Dafür sind Kosten von 9 Milliarden Dollar budgetiert.

Infrastrukturinvestitionen und stabile Zahlungsströme

Die aufgezeigten einzelnen Infrastrukturprojekte bestätigen die Dynamik dieses Sektors und erläutern dessen Potenzial. Investitionen in Infrastrukturprojekte sind eine langfristige Angelegenheit, bergen hohe Kosten und sind illiquid. Sie implizieren sowohl politische als auch regulatorische Risiken. Es muss im Auge behalten werden, dass der Infrastruktursektor eine Schnittstelle zu den politischen Interessen wie zur nationalen Sicherheit oder zur öffentlichen Wohlfahrt aufweist. Folglich sind Regulationen nicht auszuschliessen.

Allerdings stehen diesen potenziellen Risiken gute Chancen gegenüber. Investoren dieses Bereichs wollen oftmals einen höheren Diversifikationsgrad ihres Portfolios erreichen. Sie erwarten stabile Zahlungsströme sowie einen langfristigen Werterhalt. Weiter schätzen sie die geringe Volatilität der Erträge als auch den oft genannten, dem Projekt inhärenten, Inflationsschutz.

Anzeige

Mehr Wachstum durch Investition in Infrastruktur

Gerade in einem Umfeld der noch niedrigen Zinsen sind diese Anlageeigenschaften gesucht. Die aus Konsumentenperspektive unelastische Nachfrage begünstigt den monopolistischen Charakter solcher Projekte und mündet in nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen.

Gemäss einer Studie der Weltbank resultiert jedes zusätzliche Prozent des globalen BIP-Wachstums, das für Infrastruktur ausgegeben wird, in den Emerging Markets in 7 Prozent und in den Industrienationen in 2 Prozent BIP-Wachstum (2). Der Infrastruktursektor ist nicht nur ein Nebenprodukt des ökonomischen Fortschrittes, sondern per se eine unterschätzte und treibende Kraft auf Mikro- und Makroebene.

Ronald P. Angst ist CFO bei Picard Angst

(1) Towers Watson

(2) zum pdf