Erst der Höhenflug, dann der Absturz. Nachdem sich der Kurs von Leonteq zwischen Januar und August 2015 in nur acht Monaten verdoppelt hatte, ging es seit September ebenso schnell und entsprechend steil nach unten.

Ende Dezember war das Jahresstartniveau mit einem Minus von 40 Prozent fast wieder erreicht und dann ging die Talfahrt weiter, bis sich der Kurs des Finanzdienstleisters bis Juni nochmals halbiert hatte.

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Hoch gezockte Aktie

Vor genau einem Jahr war die Aktie des Emissionshauses von strukturierten Produkten und Betreibers einer Finanzplattform für Institutionelle Kunden aber auch wirklich hoch gezockt. Die Bewertung lag im mittleren zweistelligen KGV-Bereich, die Wachstumserwartungen der Anleger waren entsprechend stark.

Dann allerdings wurden die Hoffnungen enttäuscht. Sind Bewertungslevels mit KGVs um 30 oder 40 in der Regel nur mit jährlichen Zuwächsen beim Gewinn von 30, 40 Prozent oder mehr zu rechtfertigen, so erreichte der Zertifikatespezialist aus Zürich im vergangenen Jahr nicht annähernd dieses Wachstumstempo.

2015: Leonteq enttäuscht Erwartungen

Zwar kletterte der Betriebsertrag von Leonteq in 2015 immerhin noch um zehn Prozent auf 219,7 Millionen Franken, doch der Jahresüberschuss legte dazu auch nur im Gleichschritt zu und stieg vergleichsweise moderat von 62,6 auf 68,6 Millionen Franken. Je Aktie lag das Ergebnis bei 4,31 Franken.

Nach der Wachstumseuphorie und folgenden Ernüchterung, bei der viele Anleger Lehrgeld bezahlen mussten, scheint Leonteq jetzt aber günstig zu haben. Das Bewertungsniveau hat sich inzwischen gedrittelt und vor allem: Die Perspektiven sind nach wie vor exzellent.

Gefragtes Fintech-Angebot

Der Finanzdienstleister setzt voll auf seine eigene Technologie-Plattform, auf der Banken und Versicherungen die ganze Wertschöpfungskette des Emissionsmetiers – von der Strukturierung der Produkte über Preisfestsetzung, Emission, Listing und Settlement bis hin zu Risikomanagement, Market Making und Vertrieb alles gebot wird. Dieses Fintech-Angebot ist gefragt – auch, weil Leonteq dort grosse Preisvorteile zur Konkurrenz sieht.

Stieg der Anteil des Transaktionsvolumens, das über die Plattform erzielt wurde im vergangenen Jahr von 55 auf 58 Prozent, so gab es dort im ersten Halbjahr einen enormen Schub. Die derzeit sieben Plattform-Partner – darunter etwa J.P.Morgan, Deutsche Bank, Notenstein oder EFG International – brachten der Sparte ein Volumenplus von 28 Prozent. So stieg der Fintech-Anteil am gesamten Transaktionsvolumen von Leonteq in den ersten sechs Monaten 2016 auf 74 Prozent.

Die nächsten Jahre versprechen starkes Wachstum

Es kam dabei zwar noch zu keinem Gewinnschub – das Ergebnis stagnierte mit 37,2 Millionen Franken oder 2,33 Franken je Aktie in etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums – doch Steigerungen wurden durch Investitionen in die Plattform, den Ausbau des Partnernetzwerks und die internationale Expansion ausgebremst. In den nächsten fünf Jahren ist aber mit enormen Schub zu rechnen. Immerhin will Leonteq die Zahl der Plattform-Partner dann auf mehr als 30 steigern.

Rechnet man die Halbjahresumsätze der aktuell sieben Partner von derzeit 6,0 Milliarden Franken entsprechend hoch, könnten über die Fintech-Plattform geschätzt etwa 50 Milliarden Franken oder auch mehr abgewickelt werden. Da das Geschäft stark skalierbar ist – die Volumina würden weit überproportional zu den Kosten steigen – könnte der Gewinn in einigen Jahren bei 10 Franken je Aktie und auch deutlich höher liegen.

Mittelfristig hat Leonteq damit das Zeug zum Verdoppler. Und da der Titel jetzt an der oberen Begrenzungslinie seines Abwärtstrends vom April notiert, könnte der Kurs kurzfristig sogar nach oben ausbrechen. Kurse um 100 Franken wie noch vor vier Monaten könnten bald wieder drin sein.

Leonteq AG
ISIN:
CH0190891181
Gewinn je Aktie 2017e: 4,80 CHF
KGV 2017e: 14,3
Dividende 2016e: 1,75 CHF/2,6% 
EK je Aktie: 25,07 CHF
EK-Quote: 0,6
KBV: 2,7 
Kurs/Ziel/Stopp: 68,45/98,50/46,80 CHF

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Seit Jahresbeginn erreicht das Musterdepot eine Performance von +13 Prozent, während der Dax stagniert. Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +259 Prozent (Dax: +63 Prozent).