Neuseelands Börse steht im Schatten von Australiens Aktienmarkt. Dieser profitiert mit seinen grossen Rohstoffkonzernen traditionell von Asiens Rohstoffhunger. Umgekehrt leidet er derzeit mit Asien an dessen Wachstumsverlangsamung. So ist Australiens Aktienindex ASX seit Jahresbeginn um rund 4 Prozent gefallen.

Anders Neuseelands Börse: Trotz der Aktienmarkt-Tsunamis, die über den pazifischen Raum fegen, steht der Aktienindex NZX 50 im laufenden Jahr immer noch um 1,5 Prozent im Plus. Das liegt nicht zuletzt am sehr ausgewogenen Branchenmix. Obwohl die Exporte des Landes von Milchprodukten, Wolle und anderen Agrarerzeugnissen dominiert werden, entfallen von der Börsenkapitalisierung des Leitindexes nur 2,3 Prozent auf die Rohstoff- und Basisindustrie. Ebenfalls für Neuseelands Aktienmarkt spricht die vergleichsweise hohe Dividendenrendite, die im Schnitt der 50 Titel im Leitindex NZX 50 über 4 Prozent beträgt.

Xero – «Apple der Buchhaltung»

Trotzdem sind neuseeländische Aktien unter den internationalen Anlegern weitgehend unbekannt. Mit einer Ausnahme: Xero. «Hero for New Zealand Stocks», titelte etwa das Anlegermagazin «Barron's» vergangenen November, denn Xero erwies sich letztes Jahr als Zugpferd und Indextreiber im NZX 50. Und gar als «Apple der Buchhaltung» bezeichnet Credit Suisse die Aktie euphorisch.

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Das Potenzial ist in der Tat gewaltig: Xero will mit Cloud-Programmen kleinen Firmen helfen, ihre Finanzen und ihren Zahlungsverkehr zu organisieren. Grosse Erwartungen schürt dabei insbesondere, dass sich beim 2006 gegründeten Unternehmen PayPal-Gründer Peter Thiel engagiert und seinen reichen Erfahrungsschatz im Online-Zahlungsverkehr einbringt.

Allerdings schreibt die Tech-Firma aus Wellington noch rote Zahlen. Erst im Jahr 2017 dürften Gewinne ausgewiesen werden, schätzt der vom Datendienstleister Bloomberg erhobene Analystenkonsens. Die Aktie nimmt schon viel Wachstumserwartung vorweg und ist stolz bewertet, mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 14 und einem Verhältnis des Unternehmenswerts zum Umsatz von 68.

Ryman Healthcare – Gewinner der Demografie

Ein anderer Highflyer der neuseeländischen Börse ist Ryman Healthcare. Das Unternehmen betreibt diverse Seniorenheime. Noch schneller, als die Alterung der neuseeländischen Bevölkerung voranschreitet, ist der Aktienkurs gestiegen: Heute steht er 27 Mal höher als beim Börsengang 1999.

Mittlerweile ist die Aktie allerdings kein Schnäppchen mehr. Geschätzt für 2014 betragen das Kurs-Gewinn-Verhältnis 29,7, das Kurs-Cashflow-Verhältnis 24,2 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis 4,6.

Mit diesen vergleichsweise hohen Bewertungskennziffern taucht die Aktie nicht unter den Top 10 der neuseeländischen Value-Aktien auf, die das Zürcher Researchhaus Obermatt ermittelt hat (siehe Tabellen). Dank starken Wachstumsaussichten (Nummer eins im Growth-Ranking) und sehr soliden Bilanzzahlen (Rang eins im Safety-Ranking) schafft es Ryman Healthcare in der Gesamtbewertung von Obermatt zuoberst aufs Siegertreppchen der besten Aktien im NZX 50 Index.

Skellerup – Mit Gummistiefeln zum Erfolg

Deutlich günstiger als Ryman Healthcare bewertet ist Skellerup, nach dem Gesamtranking von Obermatt die zweitbeste Aktie im NZX 50. Geschätzt für 2014 betragen das Kurs-Gewinn-Verhältnis 15,3, das Kurs-Cashflow-Verhältnis 11,5 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,9.

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Der Industriekonzern stellt Melkausrüstungen für die grosse, exportorientierte neuseeländische Milchwirtschaft her. Daneben fabriziert er auch industrielle Gummianwendungen. Am bekanntesten in Neuseeland ist das Unternehmen mit dem skandinavischen Namen allerdings als landesweit führender Produzent von Gummistiefeln. Skellerup stellt auch Fussbekleidung für schönes Wetter her: Die Flip-Flops sind so populär, dass deren  Markenname «Jandals» von den Neuseeländern mittlerweile als Synonym für Flip-Flops verwendet wird.

Quelle: Obermatt.com