In Krisenzeiten sind Obligationen schwieriger handelbar – Obligationen-ETFs (Exchange Traded Funds) sorgten in einem solchen Umfeld in der vergangenen Zeit für die notwendige Liquidität. Diese «liquiditätsschaffende» Wirkung konnte auch in der Finanzkrise 2008 oder in der europäischen Staatsschuldenkrise von 2010 beobachtet werden. Investoren wandten sich bei illiquiden Märkten vermehrt dem ETF-Segment zu und trieben so den Handel in die Höhe.

Doch sind Anleger seit dem Beinahe-Crash des Finanzsystems von 2008 auf der Hut vor versteckten Risiken und fragen sich vor einer wahrscheinlicher werdenden Zinserhöhung in den USA, ob Obligationen-ETFs nun die nächste Bedrohung für die Finanzmärkte sein werden. Das Gegenteil wird jedoch der Fall sein, denn diese fördern die Marktstabilität, bieten zusätzliche Liquidität und tragen zur Preisbildung bei.

Obligationen-ETFs – nur ein winziger Bruchteil des gesamten Bonds-Volumens

Weltweit werden insgesamt drei Billionen Dollar in ETFs gehalten – 460 Milliarden Dollar davon in Obligationen-ETFs. Das ist weniger als ein Prozent des gesamten Obligationenmarktes von 100 Billionen Dollar. Einige Marktakteure sehen jedoch eine Gefahr in Obligationenfonds und fragen sich, was mit jenen ETFs passieren wird, falls Investoren in Scharen aus dem Markt flüchten. Ein Blick in die Vergangenheit beruhigt bezüglich Sorgen: In Krisenzeiten, bei volatilen Kursen und schwierig zu handelnden Obligationen, verzeichneten Obligationen-ETFs stets eine stabilisierende Wirkung und brachten Liquidität sowie Preistransparenz in den Bondsmarkt. Denn anders als im Obligationensegment, in dem seit jeher ein zentraler Markt mit direkter Interaktion von Käufern und Verkäufern fehlt, funktioniert genau dieser Austausch bei Obligationen-ETFs. Interessent und Verkäufer treffen an der Börse direkt aufeinander – mit einer vollständig transparenten Transaktion bei gleichzeitiger Liquiditätssicherung.

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Arbitrageure kaufen ETF-Anteile

Professionelle Trader wie Versicherer, Banken und Vermögensverwalter sorgen für eine Preisangleichung zwischen Obligationen-ETFs und den Werten der zu Grunde liegenden Obligationen. Notiert ein ETF unter dem Wert der von ihm gehaltenen Obligation, werden von einem «Market Maker» ETF-Anteile gekauft und die zugrunde liegenden Obligationen mit Gewinn verkauft – und vice versa. Im Fall eines Schocks mit Furore bei den Obligationenkursen ist das Handeln mit einzelnen Bonds für Anleger mitunter schwierig. Einen Liquiditätsmangel an den Bondsmärkten kann jedoch umgehen, wer auf Obligationen-ETFs setzt, die durch eine schnelle und transparente Preisbildung überzeugen. Geraten die Märkte unter Druck, wenden sich Unternehmen aus diesem Grund verstärkt Obligationen-ETFs zu.

Obligationen-ETFs sind einer von mehreren wichtigen Treibern für die Weiterentwicklung des Obligationenmarktes. Wichtig wäre zudem die vermehrte Nutzung von elektronischen Handelsplattformen zur Verbesserung der Liquidität und Preistransparenz für sämtliche Investoren. Sicher scheint jedoch zu sein, dass ETFs in Zeiten steigender Zinsen und volatiler Obligationenmärkte erneut als Rettungsanker für Anleger dienen werden.

Christian Gast, Head iShares Schweiz