Die Besitzer von Obligationen sind genervt. Nach der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Woche zeigt nun auch die Schweizerische Nationalbank keine Ambitionen, die Zinsen zu erhöhen. Folglich hält sich auch der Swiss-Bond-Index SBI im Bereich des Allzeithochs vom Mai – das signalisiert hohe Kurse bei Obligationen und Zinsen auf tiefem Niveau. Bei vielen Staatsbonds steht bei der Effektivverzinsung nicht einmal die «1» vor dem Komma.

Ganz so schlimm steht es aber um Renditejäger nicht. Denn, wer etwas mehr wagen will, findet jenseits der Top-Bonität von Bundesobligationen eine Reihe von Bonds, die viel mehr abwerfen als Staatstitel. Besonders interessant: Es gibt auch einige Obligationen, die in Schweizer Franken notieren, das Währungsrisiko ist damit schon einmal eliminiert.

Unternehmensbonds – 10 Prozent im Jahr sind drin – und zwar in Schweizer Franken!

Da derzeit nicht einmal Griechenland viel für geliehenes Geld bezahlen muss – ein neuer Hellas-Bond mit einer Laufzeit von drei Monaten ging erst vor wenigen Tagen bei einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro zu 1,8 Prozent p.a. erfolgreich an den Kapitalmarkt – bleibt für Anleger nur noch der Blick auf Unternehmensanleihen. Und da ist einiges zu holen.

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Zwar gibt es auch bei Firmenbonds, die auf Franken lauten, derzeit keine extreme Verzinsung im zweistelligen Bereich, doch zwischen 6 und 10 Prozent im Jahr sind drin. Vor dem Kauf ist allerdings der Blick auf den Kurs und die Restlaufzeit wichtig. Denn, wer Obligationen kauft, die deutlich über dem Nominalwert – also über 100 Prozent – notieren, muss möglicherweise während der Laufzeit Kursrückschläge einkalkulieren, denn das Kursniveau der Bonds hängt nicht nur von der Bonität des Emittenten ab, sondern auch vom allgemeinen Zinsniveau.

Kurse über 100: Soll man das Ende der Laufzeit abwarten?

Kommt es rein theoretisch gesehen zum Abverkauf am Bondmarkt – etwa wegen erhöhter Inflations- oder Zinsangst – dann fallen die Kurse auf breiter Front. Nicht selten rutschen Obligationen in einem solchen Fall unter den Nominalbetrag, d.h. unter den Rückzahlungsbetrag von 100 Prozent. Wer in dieser Situation Angst bekommt und aussteigt oder wer verkaufen muss, sitzt dann auf mehr oder weniger grossen Kursverlusten. Denn steigt das Zinsniveau, muss der Kurs der Obligation bei fixem Coupon nach unten gehen. Ein Beispiel macht das klar: Bei einem Kurs von 100 und einem Coupon von 5 Prozent beträgt die Effektivverzinsung 5 Prozent im Jahr. Notiert die Anleihe hingegen bei einer Restlaufzeit von zum Beispiel zehn Jahren bei 110, liegt der Effektivzins nur bei rund 3,5 Prozent im Jahr. Zurückgezahlt wird ja zu 100 Prozent – der Anleger erleidet in zehn Jahren einen Kursverlust von zehn Punkten oder von rund einem Prozent im Jahr. Und bei einem Kurs von 110 entspricht ein Coupon von 5 Prozent auch nur einer jährlichen Effektivverzinsung von 4,5 Prozent.

Kurse unter 100: Zins und schöne Kursgewinne

Anders sieht es hingegen aus, wenn die Obligation unter 100 notiert. Bei einem Coupon von 5 Prozent und einem Kurs von 90 liegt die Effektivverzinsung bei einer Laufzeit von zehn Jahren bei rund 6,5 Prozent im Jahr. Bei einem Kapitaleinsatz von 90 wirft ein Coupon von 5 Prozent schon einmal effektiv rund 5,5 Prozent ab. Dann gibt es zum anderen am Ende der Laufzeit 100 – den Nominalbetrag – zurück. Zum jährlichen Zins kommt dadurch ein zusätzlicher Kursgewinn von noch einmal rund 1,0 Prozent Kursgewinn im Jahr. 

Gut kalkulieren lässt sich der Effektivzins, wenn man das Ende der Laufzeit abwarten kann. Zwischenzeitlich kann die Notierung der Anleihe dann zwar auch auf 90, 80 Prozent oder tiefer fallen, doch abgerechnet wird am Schluss. Kann der Emittent die Obligation bedienen, winken möglicherweise schöne Kursgewinne.

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Ein paar Hochprozenter in Schweizer Franken

Standard Oil (ISIN: CH0008982974): Ohne Laufzeit, Coupon 4,25 Prozent, Zinszahlung jeweils am 15. Mai, Rendite 9,3 Prozent p.a.

Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (ISIN: CH0224798972): Laufzeit bis 1.9.2045, Coupon 7,5 Prozent, Zinszahlung jeweils am 1. September, Rendite 6,9 Prozent p.a.

Royal Bank of Scotland (ISIN: CH0180006097): Laufzeit bis 16.3.2022, Coupon 9,375 Prozent, Zinszahlung jeweils am 16. März, Rendite 6,4 Prozent p.a.

PepsiCo (ISIN:CH0008941319): Laufzeit unbegrenzt, Coupon 4,125 Prozent, Zinszahlung jeweils am 18. April, Rendite 5,9 Prozent p.a.