Wenn es um Zukunftstechnologien und -trends gegangen ist, hat die Derivatebranche schon immer eine enorme Flexibilität gezeigt. Seien es erneuerbare Energien, Social Media oder E-Commerce – die Anbieter von strukturierten Produkten können mit einer Fülle an massgeschneiderten Investmentlösungen aufwarten. Momentan scheinen die Banken mit Robotik ein neues Lieblingsthema gefunden zu haben.

Nach der UBS und Julius Bär lanciert jetzt nämlich auch die ZKB ein Tracker-Zertifikat auf diesen Sektor. Die drei Anbieter versuchen auf unterschiedliche Art und Weise, Anleger an der vielversprechenden Zukunft dieser Technologie teilhaben zu lassen.

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Hohe Wachstumsraten bei Robotic

Laut Zahlen der International Federation of Robotics (IFR) wurden 2013 weltweit 179'000 Industrieroboter verkauft, das ist ein neuer Rekord. Der Branchenverband rechnet mit einem anhaltenden Wachstum. Bis 2016 soll die Zahl der abgesetzten Maschinen jährlich im Schnitt um 6 Prozent zunehmen. In einem Marktausblick nennen die Experten mehrere treibende Faktoren. Beispielsweise würden die Anforderungen der Energieeffizienz sowie neuer Materialen häufig eine Umstellung der Produktion erfordern. Zudem sorgt der globale Wettbewerb nach Ansicht der IFR für eine Forcierung der industriellen Produktivität und Qualität. Überdies könnten Roboter die Arbeitsplatzqualität bei gefährlichen oder mit viel Schmutz verbundenen Arbeiten verbessern.

Hauptabnehmer ist die Autoindustrie. Der Fahrzeugsektor erhöhte die Zahl der neu installierten Roboter zwischen 2010 und 2013 jährlich im Schnitt um mehr als einen Fünftel. Die Einsatzgebiete gehen längst über die klassischen Industriezweige hinaus. Vor allem im Gesundheitsbereich können Maschinen mit künstlicher Intelligenz immer anspruchsvollere Aufgaben, beispielsweise bei der Behandlung von Tumoren, übernehmen. Das McKinsey Global Institute kommt in einer Studie zum Schluss, dass die fortgeschrittene Robotik ab dem Jahr 2025 einen Wachstumsimpuls für die Wirtschaft  von 1,7 bis 4,5 Billionen US-Dollar jährlich generieren könnte. Davon sollen bis zu 2,6 Billionen Dollar allein auf den Gesundheitssektor entfallen.

Robotic-Baskets von UBS und Julius Bär

Die UBS versucht, diese positiven Aussichten mit Hilfe eines «Robotics and Drones Index» investierbar zu machen. Die Benchmark stammt aus der Feder der Solactive AG. Der deutsche Dienstleister nimmt Unternehmen in den Index auf, welche signifikante Umsatzanteile in den Bereichen Robotik oder unbemannte Luftfahrzeuge erwirtschaften. Dabei kommen nur Gesellschaften in Frage, die an einer für ausländische Investoren frei zugänglichen Börse kotiert sind. Darüber hinaus müssen sie zum Zeitpunkt der Aufnahme in den Index eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Millionen US-Dollar zeigen und eine bestimmte Handelsliquidität erreichen. Aktuell schaffen dies neun Unternehmen bei diesem Auswahlraster.

Julius Bär greift im Anfang März zusammengestellten «Global Robotic/Automation Basket» auf zwölf Unternehmen zurück. Die Auswahl überschneidet sich nur beim japanischen Sektorvertreter Fanuc mit dem Solactive Index. Die Privatbank hat eine Reihe von diversifizierten Industriekonzernen in ihr Basket aufgenommen. Dazu zählt neben Siemens und Honeywell auch die ABB. Das heimische Unternehmen ist nach eigenen Angaben ein führender Anbieter von Industrierobotern und hat bereits 250'000 Exemplare installiert. Allerdings dürften für den Aktienkurs des SMI-Mitglieds derzeit andere Faktoren, insbesondere die Energietechnik, bestimmend sein.

ZKB-Basket – Spezialisten im Fokus

Einen höheren Spezialisierungsgrad zeigt eine Neuemission der ZKB. In dem von der Kantonalbank gestrickten Basket befinden sich 14 Aktien aus den USA sowie aus Japan und Deutschland. Sieben Titel steuern zu Beginn jeweils 10 Prozent bei. Zu den Schwergewichten zählt beispielsweise der deutsche Hersteller von Industrierobotern, Kuka. Mit dem US-Konzern Accuray greift die ZKB auch das Gebiet der Radiochirurgie auf. Hinzu kommt iRobot. Das ebenfalls in den USA beheimatete Unternehmen hat sich auf Heimroboter wie Staubsauger oder Geräte zur Reinigung von Böden, Dachrinnen und Pools spezialisiert.

Ein Manko des ZKB-Produktes ist die kurze Laufzeit von einem Jahr. Julius Bär gibt ihrer Auswahl bis April 2016 Zeit, um vom Roboter-Boom zu profitieren. Aber das Portfolio könnte wegen der breiten Aufstellung besonders stark von themenfremden Parametern wie der allgemeinen Konjunkturentwicklung beeinflusst werden. Anleger, die sich langfristig positionieren möchten, sollten dem UBS-Tracker den Vorzug geben. Dafür spricht nicht nur die unbegrenzte Laufzeit. Regelmässige Indexüberprüfungen und gegebenenfalls -anpassungen sorgen für ausreichend Flexibilität. Schliesslich gilt es, den Bezug zu dieser Wachstumstechnologie nicht aus den Augen zu verlieren.

Die UBS bietet die Open-End-Partizipation an dem von Solactive aufgesetzten Themenindex in drei verschiedenen Währungen (USD, EUR, CHF) an. Dabei beläuft sich die Managementgebühr einheitlich auf 0,75 Prozent p.a. Aktuelles Schwergewicht des neun Titel umfassenden Basiswertes ist der japanische Roboterspezialist Fanuc.

Das von Julius Bär im März lancierte Produkt erwischte keinen guten Start: Im Vergleich zur Emission steht ein Minus von mehr als 5 Prozent zu Buche. Die Privatbank setzt für das in US-Dollar denominierte Derivat keine Managementgebühr an. Im zwölf Aktien umfassenden, statischen Basiswert ist unter anderem ABB zu finden. Am 7. April 2016 läuft das Tracker-Zertifikat aus.

Tracker-Zertifikat auf Robotics- und Drohnen-Basket (ISIN CH0226844766)

Bis zum 8. Oktober bietet die ZKB diese Neuemission zum Ausgabepreis von 100 US-Dollar zur Zeichnung an. Die Zusammensetzung des Baskets überzeugt. In der Auswahl sind aussichtsreiche Roboterspezialisten wie die deutsche Kuka, Yaskawa aus Japan sowie die US-Konzerne iRobot und Accuray zu finden. Aber die Laufzeit des Trackers ist mit einem Jahr sehr kurz.