Der Anleger steht oft vor der Wahl, ob er besser in Standardwerte oder in Nebenwerte investieren sollte. Aber wie werden diese überhaupt definiert? Bei den Angelsachsen haben sich die Begriffe «Blue Chip» für Standardwerte und «Small- und Mid-Caps» für Nebenwerte etabliert. Der Begriff «Blue Chip» stammt aus dem Casino, denn früher waren blaue Chips diejenigen mit dem höchsten Wert. Als Blue Chips (oder auch Large Caps) werden demnach Aktien von Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung bezeichnet, die in Leitindizes enthalten sind (z.B. SMI, Dow Jones oder Stoxx50).

Small Caps sind hingegen Aktien von Firmen, deren Börsenwert tief ist und oft nur wenige hundert Millionen Franken beträgt. Das am einfachsten messbare Kriterium zur Bestimmung, ob es sich um einen Standard- oder Nebenwert handelt, ist folglich die Marktkapitalisierung.

 

Small Caps – mehr Rendite bei höherem Risiko

Gleichzeitig interpretieren viele Anleger die Begriffe Blue Chip und Small Cap mit den folgenden, zumindest vermuteten Qualitätsmerkmalen: Ein Blue Chip steht für Grösse, Solidität, geringere Risiken, ein Small Cap hingegen für Nische, Flexibilität, Innovation, Wachstum. Optimal ist es, wenn ein Portfolio Aktien beinhaltet, welche alle diese Eigenschaften in sich vereinen. Grundsätzlich ist ein Blue Chip bezüglich Unternehmensführung nicht besser oder schlechter als ein Small Cap. Untersuchungen zeigen hingegen, dass Small Caps dem Anleger langfristig eine höhere Rendite bringen als Large Caps. Diese Mehrrendite wird jedoch oft mit einem höheren Risiko erkauft.

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Im Wirtschaftsaufschwung sind Small Caps oft das attraktivere Investment, weil Wachstum damit einfacher zu finanzieren ist und die Unternehmen auch von einer zyklischen Nachfrage profitieren. Das führt in steigenden Aktienmärkten üblicherweise zu einer besseren Performance. Large Caps hingegen bringen Vorteile, wenn Unsicherheit und Risiken am Aktienmarkt zunehmen. Von einem breit aufgestellten Grosskonzern wird vermutet, dass er in der Lage ist, eine wirtschaftlich schwierige Phase besser zu überstehen als kleinere Unternehmen.

 

Nahrungsmittel – eine Branche der Blue Chips und Small Caps

Was zeigen nun unsere entsprechenden Bewertungsmodelle an? Über die letzten Jahre der Aktienhausse haben Small Caps eine deutlich bessere Performance als Blue Chips erzielt, besonders ausgeprägt war das in Europa. Damit haben diese Unternehmen ein hohes Bewertungsniveau erreicht und die erwartete Konjunkturentwicklung vorweggenommen. Ein deutliches Übergewicht von Small Caps im Portfolio lohnt sich jetzt also nicht mehr.

Aber der selektive Blick auf einzelne Industrien lohnt sich. Ins Auge sticht die Nahrungsmittelbranche, welche Merkmale aufweist, die für Blue Chips typisch sind und die auch von solchen dominiert wird. Unternehmen wie Nestlé und Unilever haben eine breite Produktpalette, sind global verankert und «sichere» Werte in unsicheren Zeiten. Gleichzeitig bietet diese Branche aber auch Anlagemöglichkeiten in kleineren, agilen und marketingstarken Unternehmen wie bei der schweizerischen Orior, die ihre Nische im Conveniencebereich gefunden hat, oder bei Emmi, welche das Basisprodukt Milch in allen Formen und Farben kreativ an die Konsumenten bringt. Mit einer Kombination dieser Blue Chips und Small Caps ist man in einer Branche, deren Produkte auch in schwierigen Zeiten nachgefragt werden, gut aufgehoben.

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Andreas Knörzer, Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank