Die Weltwirtschaft wächst, zwar nicht rasant, aber es geht voran. Die Löhne steigen, vor allem in Schwellenländern, und der niedrige Öl- und Benzinpreis bringt mehr verfügbares Einkommen, auch in den westlichen Industrienationen. Das ist gut für den Tourismus. Verstärkt wird der Strom vor allem aus China. Laut einer von InterContinental Hotels Group in Auftrag gegebenen Studie machten Chinesen 2014 bereits 67,5 Millionen Auslandsreisen. Im 2023 sollen es schon 97 Millionen sein.

Besonders begünstigt im internationalen Tourismus sind Urlaubsländer, in denen das Reisen durch vorteilhafte Währungsentwicklungen günstiger wird. Wegen zuletzt starker Bewegungen ihrer Währungen nach unten sind in dieser Hinsicht derzeit Japan und Europa als grosse Profiteure einzustufen. So brachte 2014 Deutschland den fünften Übernachtungsrekord in Folge, und selbst im krisengeplagten Griechenland stieg das Touristenaufkommen im Vorjahr um 22 Prozent auf 22 Millionen Menschen.

Europa – Tourismus wächst weiter

Der alte Kontinent ist aber nicht zuletzt auch wegen seiner Kulturangebote und der vergleichsweise guten Infrastruktur als Urlaubsziel begehrt. Nach Angaben der United Nations World Tourism Organization hat gut die Hälfte der internationalen Urlaubsreisen Europa als Ziel. Für 2015 rechnet die Organisation mit einem Zuwachs der internationalen Touristenankünfte in Europa von 3 bis 4 Prozent, wobei die Analysten der Société Générale sogar noch etwas optimistischer gestimmt sind.  

Das Problem bei Trends dieser Art ist erfahrungsgemäss, dass darauf viele Marktteilnehmer aufspringen. Die damit verbundene rege Nachfrage nach den potenziellen Profiteuren verteuert die Bewertung und macht es schwierig, echte Schnäppchen zu finden.  

Tourismus-Aktien – welche Titel nicht zu teuer sind

Wer dennoch marktbreit auf den europäischen Tourismus- und Freizeitsektor setzen will, der kann das beispielsweise mit dem STOXX-Europe-600-Travel-&-Leisure-Partizipations-Index (ISIN: DE000SG3F7M5) der Société Générale tun. Dieses Produkt bewegt sich in einem intakten Aufwärtstrend und hat seit Oktober dank einer besseren Performance als beim STOXX-Europe-600-Performance-Index relative Stärke aufgebaut.

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Anleger, die lieber auf Einzeltitel wetten, finden bei gezielter Suche auch den einen oder anderen Branchenvertreter, der günstiger als der Gesamtmarkt ist. Dazu zählt unter anderem der britische Billigflieger Easyjet Plc. (ISIN: GB00B7KR2P84). Analysten taxieren hier das KGV für 2015 im Konsens auf 13,7. Ebenfalls aus Grossbritannien stammt der Hotelbetreiber PPHE Hotel Group Plc. (ISIN: GG00B1Z5FH87). Obwohl der Kurs schon stark gestiegen ist, überzeugt dieser Titel mit einem noch immer knapp einstelligen KGV. Nicht ganz so günstig ist auf den ersten Blick der Touristikkonzern TUI (ISIN: DE000TUAG000). Denn für 2015 beziffert der Analystenkonsens das KGV hier auf 16,8. Doch, wenn die Restrukturierungsstory weiter greift und die Deutsche Bank mit ihrer Prognose von einem Gewinn je Aktie im 2017 von 1,30 Euro Recht behält, dann wird sich das KGV auf dieser Basis auf 12,7 reduzieren.

Japan-Tourismus mit günstigen Aussichten

In Japan, wo der Dollar schon etwas länger gegenüber dem Yen aufwertet als gegenüber dem Euro, boomt der Tourismus ebenfalls. Regierungsangaben zufolge lag die Zahl der ausländischen Touristen im Vorjahr mit 13,4 Millionen auf einem Rekordwert. Damit hat sich die Zahl seit 2011 mehr als verdoppelt. Ein Trend, der weiter anhalten dürfte, denn zum einen wird der Zustrom von Touristen aus Asien getragen, da die Löhne in dieser Region weiter steigen, zum anderen stehen im Land der aufgehenden Sonne in den kommenden Jahren grössere Ereignisse an, die zum Besuchermagnet werden könnten. Das sind beispielsweise der Rugby World Cup in Tokio im Jahr 2019 und die Olympiade/Paralympics in Tokio im 2020.

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Die japanische Regierung strebt jedenfalls einen Anstieg der Touristenzahlen auf 20 Millionen im 2020 an. 2030 sollen es 30 Millionen sein. Die Zahlen sind nicht utopisch, wenn man bedenkt, dass Japan im 2013 weltweit nur auf Rang 27 der Touristendestinationen rangierte und Marktführer Frankreich damals 85 Millionen Besucher verzeichnen konnte. Für die noch immer nach Wachstumsdynamik suchende Wirtschaft des Landes wäre ein Anhalten des Touristenstroms eine wichtige Stütze. So stiegen die Ausgaben der Besucher im Vorjahr um 40 Prozent auf mehr als zwei Billionen Yen – entsprechend etwa 20 Milliarden Franken. Für Unterkünfte, Einkaufen und Restaurants werden davon nach Schätzungen der Société Générale rund 75 Prozent ausgegeben. Wegen des schwachen Yen, der gegenüber dem Dollar seit Dezember schon rund 50 Prozent abgewertet hat, sind viele Produkte in Japan im weltweiten Vergleich derzeit sehr günstig zu haben. Auch deshalb kletterten die Ausgaben der Touristen in diesem Land zwischen 2011 und 2014 um fast 150 Prozent.

Drei Japan-Aktien mit Tourismus-Phantasie

Aus Anlegersicht wäre es also vielversprechend, auf die Profiteure dieses Trends zu setzen. Aber auch hier sind viele Unternehmen schon vergleichsweise hoch bewertet. So kommt beispielsweise die Aktie des Japan Airport Terminals auf ein geschätztes 66er-KGV.

Wesentlich attraktiver sieht es bewertungstechnisch bei drei anderen Titeln aus: So kommt die Fluglinie Japan Airlines Co. (ISIN: JP3705200008) für 2015 auf ein KGV von 8,6, beim Eisenbahnbetreiber Central Japan Railway Co. (ISIN: JP3566800003) beträgt diese Kennziffer 15,2 und beim Elektrogeräte-Hersteller Toshiba Corp. (ISIN: JP3592200004) 11,4.

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