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Strukturierte Produkte: Rendite aus dem Automaten

Gold: Edelmetall, das seit Urzeiten gefördert wird und Menschen in seinen Bann zieht. Keystone

In der Schweiz sind drei Emittentenübergreifende Plattformen aktiv, auf denen Anleger das strukturierte Produkt ihrer Wahl kreieren können.

Von Wolfgang Hagl
am 04.11.2016

Während die Automatisierung in der Industrie längst gang und gäbe ist, hält sie auch in der Bankenwelt mehr und mehr Einzug. Das gilt auch und gerade für das Geschäft mit strukturierten Produkten. Mehrere Häuser betreiben in der Schweiz eine Multi-Issuer-Plattform (MIP).

Dabei handelt es sich um internetbasierte Anwendungen, mit deren Hilfe Investoren massgeschneiderte Produkte herstellen können. Sie legen dabei zunächst Parameter wie Struktur, Währung, Basiswert oder Laufzeit fest. Im nächsten Schritt übermitteln die angeschlossenen Emittenten ihre Offerten. Nachdem der Nutzer sich für die attraktivste Variante entschieden hat, landet das entsprechende Derivat innert Sekunden in seinem Portfolio.

Vontobel rüstet auf

2012 öffnete Vontobel die Plattform Deritrade für Dritt-Emittenten. Mittlerweile sind Deutsche Bank, J.P. Morgan, Morgan Stanley, Société Générale, UBS und ZKB in das System eingebunden. Gerhard Meier, Head MIP bei Vontobel, sieht den zentralen Nutzen der Anwendung auf der Vertriebsseite. «Deritrade MIP bringt unser Angebot direkt zum Berater», erklärt er. Dabei steht die beste Ausführung, im Fachjargon «Best Execution», im Vordergrund.

Generell räumt Meier dem vollautomatischen Vertrieb ein deutlich höheres Potenzial ein als klassischen Zeichnungsprodukten. Er verweist auf das regulatorische Umfeld: «Deritrade bietet auch hinsichtlich der notwendigen Dokumentation, beispielsweise für Kunden aus Deutschland, massgeschneiderte Lösungen.»

Viele Zugriffe

Die Emittenten müssen eine Gebühr im tiefen zweistelligen Basispunktebereich zahlen, sobald sie eine Transaktion abschliessen. «Dagegen können Käufer Deritrade kostenfrei nutzen», erläutert der Experte. Per Mitte Jahr griffen über 37 Banken und mehr als 400 Vermögensverwalter auf die MIP der Privatbank zu. Darüber hinaus hat Vontobel die Plattform für das sogenannte White-Labeling geöffnet.

Finanz- und Versicherungsunternehmen haben seit kurzem die Möglichkeit, ihre eigenen Produkte zu kreieren und dabei das gesamte Spektrum von Deritrade zu nutzen. Das Wachstum ist enorm: Im ersten Semester 2016 wurden Produkte in einem Gesamtwert von 1,7 Milliarden Franken lanciert - 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit gibt sich die Privatbank nicht zufrieden, sie möchte die Plattform weiter ausbauen.

UBS öffnet das System

Die UBS nennt keine Zahlen zu ihrem Structured Product (SP) Investor. Laut Hans-Jörg Sollberger, Structured Product Content Manager im Wealth Management der Grossbank, handelt es sich um «signifikante Volumen». Das System steht ausschliesslich den hauseigenen Beratern zur Verfügung. Sie können Kunden ab einem Vermögen von 250 000 Franken individuelle Investments offerieren. Mit dem SP Investor wurden die Anwendungen «Equity Investor »und «FX Investor», deren Wurzeln bis in das Jahr 2001 zurückreichen, zur MIP transformiert. Zusätzlich zur Betreiberin sorgen Barclays und Vontobel für Konkurrenz auf der Plattform.

«Der Trend in Richtung Vollautomatisierung ist nicht aufzuhalten», so Hans-Jörg Sollberger. Als einen wesentlichen Vorteil erachtet er neben dem Best-Execution-Prinzip die vollständige Integration in den Beratungsprozess. «Über elektronische Checks stellen wir sicher, dass ein Produkt sowohl ökonomisch als auch regulatorisch zum Kunden passt», sagt der Experte. In Zukunft sollen auch noch stochastische Modelle sowie die Einschätzungen der UBS-Analysten in den Auswahl- und Aftersales-Prozess einfliessen.

Mehrere Emittenten 

Der laufenden Weiterentwicklung der MIP Constructor hat sich auch Leonteq verschrieben. Beispielsweise führte das börsenkotierte Struki-Haus im vergangenen Jahr eine Optimierungsfunktion ein. Sie bietet Nutzern die Möglichkeit, innerhalb eines bestimmten Aktienfundus nach den attraktivsten Basiswertkombinationen zu suchen. Neben Leonteq selbst sind bei Constructor EFG International, Notenstein La Roche und J.P. Morgan als Emittenten aktiv. Hinsichtlich der möglichen Strukturen ist die Auswahl auf dieser MIP besonders gross. Ausserdem lassen sich bereits ab einer Anlagesumme von 1000 Franken massgeschneiderte Produkte anfertigen.

Als einziger Anbieter gewährt Leonteq einen öffentlichen Zugriff auf die Plattform. Mit Public Constructor kann das System anschaulich getestet werden. Zwar bleibt es bei der Simulation. Demnächst dürften auch Privatanleger in den Genuss massgeschneiderter Investments kommen. Vor kurzem lancierte Vontobel in Deutschland mit Mein-Zertifikat einen solchen Service. Auch hierzulande möchte die Privatbank die Automatisierung für jedermann über kurz oder lang hochfahren.

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