Seit kurzem drücken Tech- und technologienahe Titel auf die anderen Aktien. Man könnte denken, der technologiearme Swiss Per­formance Index (SPI) würde deswegen hinterherhinken.

Nach der ersten Hälfte des ­Jahres 2019 schneidet er jedoch ebenfalls gut ab. Was steckt hinter diesem scheinbaren Widerspruch? Die Antwort bietet Einsichten, die für Ihre jetzige Portfoliostrategie – und für den Rest des Bullenmarkts – nützlich sein könnten.

Für einen besseren Blickwinkel: Die Tech-Aktien kletterten im Juni um 25,2 Prozent. Sie sind wichtig, machen sie doch 16,3 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung der Industrieländer aus. Die technologienahen Kommunikationsdienstleistungen steuern weitere 8,3 Prozent bei. Beide haben einen Anteil von 1,7 beziehungsweise 2,0 Prozent an der Marktkapitalisierung des SPI.

Daher könnte man erwarten, dass die Erträge in der Schweiz hinter den europäischen (5,8 Prozent Tech plus 4,7 Prozent Kommunikation) und weit hinter den amerikanischen (21,6 Prozent Tech plus 10,1 Prozent Kommunikation) zurückliegen. Trotzdem stieg der SPI bis zum 30. Juni 2019 um 21,8 Prozent und lag damit über den 14,5 Prozent in Europa, den 15,7 Prozent der Welt und sogar über den 17,1 Prozent in Amerika (alles in Schweizer Franken).

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Kenneth Lawrence Fisher (born November 29, 1950)

*Ken Fisher: Der Investor und Chairman von Fisher Investments Europe schreibt regelmässig eine Kolumne für die «Handelszeitung».

Quelle: Jannis Chavakis/ 13Photo

Das ist gar nicht so widersprüchlich. Das gute ­Abschneiden der Schweiz ist mit einem parallel verlaufenden globalen Trend verbunden, der die Technologie antreibt. Die Schweiz ist ein relativ kleiner Markt und unterliegt damit Verzerrungen durch einzelne Unternehmen.

In der ersten Hälfte 2019 wuchs der Lebensmittelgigant Nestlé – 19,3 Prozent der SPI-Marktkapi­talisierung – um 26,6 Prozent. Wenn die grösste Aktie der Schweiz floriert, zeigt sich das in kapitalisierungs­gewichteten Messgrössen wie dem SPI.

Ohne Tech- und Kommunikations-Aktien liegen USA und Europa gleichauf

Anleger, die besonders stark auf die Schweiz fixiert sind, können Nestlés Sprung isoliert betrachten. Eine globale Betrachtungsweise ergibt jedoch anderes. Weltweit stiegen die Mega-Cap-Aktien, die über der gewichteten Durchschnittskapitalisierung von 160 Milliarden Dollar liegen, im ersten Halbjahr 2019 um 17,3 Prozent und führten die globalen Märkte an.

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In späten Bullenmärkten bevorzugen Anleger regelmässig sehr grosse, hochwertige Unternehmen. Käufer, die zu einem späten Zeitpunkt neu einsteigen, kaufen keine zweifelhaften, hochriskanten Nadeln aus dem Heuhaufen der Aktien. Sie kaufen lieber positiv wahrgenommene, vertraute Namen mit globaler Präsenz, Beständigkeit, wachsenden Erträgen und hohen Betriebsgewinnmargen zur Finanzierung der Zukunft. Nestlé profitiert davon durch seine Grösse, Margen und Wiedererkennbarkeit.

Im Fadenkreuz stehen in dieser Phase die grössten, profitabelsten Technologie- und technologienahen Namen. Die überwältigende Mehrheit dieser Technologiegiganten mit ordentlichen Margen ist US-amerikanisch. Wie zum Beispiel die berühmten FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google), Apple, Microsoft und andere.

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Quelle: Brightcove

Um ihre Auswirkungen zu sehen, hilft ein Vergleich amerikanischer und europäischer Renditen. Seit Anfang 2017 haben die amerikanischen die europäischen Aktien gründlich geschlagen. Bis Ende Juni stiegen sie in Franken um 32,7 Prozent und lagen damit deutlich über den 20,8 Prozent in Europa.

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Wenn man jedoch Technologie und Kommunikation aus den US-Renditen herausnimmt, liegen sie mit Europa quasi gleichauf. Anders gesagt sind es die amerikanischen Mega-Cap- und die FANG-Aktien, die für den Vorsprung gegenüber Europa sorgen.

Für kleinere Aktien gilt, dass sie üblicherweise früh in einem Bullenmarkt strahlen und nicht später. Es ist eine Frage der Denkweise. Fallende Märkte verschrecken alle bis auf die risikobereiten Anleger mit Nerven aus Stahl, die auf wahrscheinlich stark steigende Schnäppchen aus sind.

Das sind oft Firmen, die untergegangen wären, wenn die schlimmen Befürchtungen der Leute in der Talsohle des Bärenmarkts eingetroffen wären. Für diese risikoerprobten Anleger sind grosse, wachstumsorientierte Unternehmen mit hohen Margen zu langweilig. Die kleinen, rein schweizerischen Firmen, die momentan von Nestlé überschattet werden, sind dann genau ihr Gebiet.

Nach dem nächsten Marktrückgang werden kleine Schweizer Titel ansteigen

Denken wir an die frühen Tage dieses Bullenmarkts. Zwischen dem 9. März 2009, als die Aktien weltweit ­ihren Tiefststand erreicht hatten, und dem Jahresende boomte der SPI um 55,4 Prozent. Er übertraf die ­Gewinne der US-Aktien (47,9 Prozent in Franken) ­sowie die von Nestlé (46,4 Prozent). Gehen Sie davon aus, dass die kleinen schweizerischen Firmen nach dem nächsten Marktrückgang sprunghaft ansteigen werden.

Neue Anleger, die – wie jetzt – später in einen Bullenmarkt einsteigen, sind normalerweise ängstlicher. Sie suchen nach wiedererkennbaren, komfortablen Markennamen, diversifizierten Unternehmen, globalen Umsatzströmen, kräftigen Bilanzen und diesen hohen Bruttogewinnmargen, wie sie Nestlé bietet.

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Für den verbleibenden Bullenmarkt braucht man also grosskapitalisierte Titel. Das heisst, Ihre Techno­logieaktien sollten hauptsächlich aus Amerika kommen. Diese Namen sind zwar keine aufregenden, kleinen Startups, aber sie dominieren Wachstumsbereiche wie Cloud-Computing. Unternehmen aller Grössen aus fast allen Branchen investieren umfangreich in cloud­basierte Datenspeicher.

Die Schlagkraft und Skaleneffekte der Mega Caps gezielt einsetzen

Das dynamische Wachstum der mobilen Computernutzung durch Endverbraucher fördert eine enorme Nachfrage nach mobilen, drahtlosen Netzwerkgeräten und hochmodernen Halbleitern. Nicht zu vergessen sind die damit verbundenen Leistungen wie mobiles Bezahlen, Werbung und Streaming-Inhalte.

Das 5G-­Netz, das noch in den Kinderschuhen steckt, wird das Wachstum weiter ankurbeln. Die Schlagkraft der Mega Caps sowie Skaleneffekte helfen, die Kosten gering zu halten und die hohen Gewinnmargen beizubehalten, nach denen die Anleger sich heute so sehnen.

Aber dennoch ist Diversifizierung entscheidend. Wenn Sie etwa einen Viertel in Aktien grosser Tech­nologieunternehmen und weitere 10 Prozent in Kommunikation investieren, dürfte Ihr Portfolio davon gut profitieren.

Der Rest könnte sich aus einer leichten Übergewichtung der grössten Healthcare- und Energieunternehmen zusammensetzen, die ebenfalls von ­steigender Nachfrage und schnellem Wachstum der Schwellenmärkte profitieren.

Denken Sie, unabhängig vom Sektor, jedoch immer daran, dass Sie die grössten Namen mit den höchsten Bruttomargen und liquiditätsstarken Bilanzen benötigen.

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