Nach den jüngsten Kursstürzen an den Börsen sehnen sich viele Anleger sicher nach weniger Aufrgegung. Als weniger volatil gelten Finanzprodukte, die scharia-konform investieren. Diese werden umso wichtiger, da die muslimische Bevölkerung rapide wächst. Immer wieder gab es in der Schweiz Vorstösse in diese Richtung – trotzdem ist der Markt hierzulande noch klein. Und dies, obgleich Statistiken zeigen, dass der globale Markt in den vergangenen Jahren mit fast 17 Prozent überproportional gewachsen ist.

Für das Jahr 2014 wird das in islamische Anlageinstrumente investierte Vermögen je nach Berechnung auf rund 130 Milliarden US-Dollar geschätzt – mit weiterem Potenzial nach oben. Thomson Reuters geht davon aus, dass der islamische Markt bis 2018 auf 237 Milliarden US-Dollar ansteigen wird.

Investitionsmöglichkeiten beschränkt

In der Schweiz könnte die Bedeutung nach einem Durchhänger ebenfalls wieder zunehmen, sagt Markus Fuchs, Geschäftsführer der Schweizer Fondsvereinigung SFAMA. «Aufgrund des wachsenden Marktes könnten scharia-konforme Fonds für grosse Vermögensverwalter interessant sein.»

Die Investitionsmöglichkeiten sind in diesem Segment jedoch beschränkt. Die Scharia sieht etwa das Zinsverbot vor. Banken umgehen das etwa, indem sie Waren erstehen und mit Rendite verkaufen – statt verzinste Kredite zu vergeben. Bei den Sukuk, wie islamische Fonds auch genannt werden, sind zudem Unternehmen tabu, die mit Alkohol, Tabak oder Pornografie handeln. Verboten sind auch die Filmindustrie oder Waffenhersteller.

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In der Praxis pragmatisch

In der Praxis wird dies pragmatisch ausgelegt. So steht in der Guideline zu sharia-konformen Fonds von Franklin Templeton, dass nicht in Aktien von Unternehmen investiert werden darf, «die mehr als 5 Prozent des Einkommens mit nicht-erlaubten Gütern erwirtschaften.»

Angesichts der steigenden globalen Zahlen ist nachvollziehbar, dass auch in der Schweiz tätige Vermögensverwalter ein Stück von diesem Kuchen haben wollen. Für risikoscheue Anleger können islamische Anlageprodukte in Frage kommen. Denn da unangemessenes Risiko und Spekulation gegen islamisches Recht verstossen, gilt die Volatilität der islamischen Fonds vergleichsweise niedrig und Verluste lassen sich eingrenzen.

Franklin Templeton etwa hat seit wenigen Jahren drei islamische Fonds im Angebot. „Die Schweiz ist ein globaler Hub für die Finanzindustrie. Entsprechend erachten wir es als wichtig, Produkte für diese wachsende Bevölkerungsgruppe anbieten zu können“, sagt Jens Kruse, Länderchef Schweiz bei Franklin Templeton.

UBS und J. Safra Sarasin sind auch dabei

Auch Schweizer Banken offerieren entsprechende Produkte, beispielsweise die Privatbank J. Safra Sarasin. Die lokalen Büros in den Golfstaaten offerieren die Fonds. Das islamkonforme Angebot sei für das internationale Private Banking entwickelt worden. Auch die UBS führt gezielt eine «limitierte» Zahl an Produkten im Bereich islamische Finanzen – darunter Scharia-konforme Fonds sowie eine Art Handelsfinanzierung nach islamischem Recht. Ergänzend dazu biete die UBS an, Vermögen nach Prinzipien der Scharia zu verwalten.

Mehr zu den Schweizer Angeboten von scharia-konformen Finanzprodukten lesen sie bei finanzen.ch.

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