Derivate-Anleger wissen aus leidvoller Erfahrung, was geschieht, wenn bei einem Produkt die Barriere durchbrochen wird: Der Bonuszins verfällt oder die schlechtesten Aktien werden ins Portefeuille eingebucht. Deshalb ist klar je grösser der Abstand zu einer solchen Schwelle, desto sicherer das Derivat.

Weshalb es einleuchtet, diesen Abstand für die Anleger sichtbar zu machen. Das wird jetzt neu mit dem Kennwert der «Barrier Hit Probability» unternommen. Dieser misst die Wahrscheinlichkeit, mit der die Barriere auf Zehntagessicht und bis zum Verfall des Produktes gerissen werden könnte.

Sicher ist nicht gleich sicher

In der Praxis sieht dies so aus: Beim SMI-Bonusprodukt VZSMH beispielsweise liegt die Barrier Hit Probability auf Zehntagessicht bei 1 Prozent, bis Verfall bei 6 Prozent. Beim Barrier-Reverse-Convertible-Produkt ZKB0P2 auf Nestlé hingegen beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Berührung der Barriere in den nächsten zehn Tagen 1 Prozent, bis zum Verfall aber schon 31 Prozent. Dieses Produkt birgt also die grösseren Risiken.

Auf der schon seit zwei Jahren gebräuchlichen Risikoskala des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte SVSP hat das ZKB-Derivat übrigens einen Skalenwert von 6 - was für ein sehr risikoarmes Produkt spricht. Die neuen Kennzahl der Barrier Hit Probability legt nun offen, dass auch als sicher geltende Produkte erhebliche Risiken aufweisen.

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Allerdings führt bei einem Reverse Covertible ein Barrierekontakt nicht gleich zu einem Totalverlust, sondern zu einer Titellieferung. Bei Hebelprodukten mit Barrieren wie etwa den Knock-Out-Calls verfällt hingegen der einbezahlte Betrag. Anleger sollten deshalb lediglich die Produkte gleicher Kategorie mit dieser neuen Kennzahl vergleichen, und nicht Hebelpapiere mit Produkten mit Teilschutz. «Die Barrier Hit Probability wird für Strukturierte Produkte mit einer Barriere berechnet» sagt Andreas Kropf, Geschäftsführer von Derivative Partners Research.

Derzeit ist die Kennzahl sowieso erst für Produkte mit nur einem Basiswert erhältlich. Schon bald sollen aber Scheine mit mehreren Basiswerten berechnet werden können. Umgesetzt wird die Barrier Hit Probability von Derivative Partners Research.

Anleger tun sich schwer

Der vorderhand nur eingeschränkt einsetzbare Richtwert ergänzt die bereits seit zwei Jahren bestehende Risikoskala des Strukturierte-Produkte-Verbands, die ihrerseits auf dem so genannten «value at risk» basiert. Im Gegensatz zur Barrier Hit Probability lässt sich dieser Kennwert bei allen strukturierten Produkten gleich gut verwenden. Er ermittelt die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes bei einer bestimmten Anlage in einem definierten Zeitraum. Ein value at risk von 10 bedeutet beispielsweise, dass eine Wertpapierposition mit 99 Prozent Sicherheit in den nächsten zehn Handelstagen nicht mehr als 10 Prozent an Wert verliert.

Das gilt beispielsweise für Blue-Chip-Aktien wie Nestlé oder Novartis, die in der SVSP-Skala mit 4, entsprechend einem «erhöhten Risiko», eingeteilt werden. Tracker auf den SMI wie SMIDB haben den Wert 3, Bonus-Zertifikate wie SSMNA kommen auf Skalenwerte von 2 bis 3. Anleger, die auf Nummer sicher gehen möchten, greifen zu Garantieprodukten wie ZKB6K1, VUSMX oder SMCAP. Diese weisen alle den Wert 1 auf.

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Laut Emittenten tun sich jedoch die Anleger traditionell schwer mit Risikokennzahlen. Das gilt auch für weitere alternative Berechnungsmethoden wie der «Expected Shortfall» oder den «Fat Tails». Was zeigt, dass auch wohlgemeinte Versuche wie die neue BHP eine Pleite wie bei Lehman nicht verhindern können.