Der Verkauf von Satisloh durch Schweiter hat Mitte Juni am Markt für grosses Aufsehen gesorgt. Ungewöhnlich war, dass der Maschinenbaukonzern mit der Optik-Sparte sein bestes Pferd im Stall an die französische Essilor-Gruppe abtrat. Geradezu ein Kursfeuerwerk hat jedoch die Tatsache ausgelöst, dass das Unternehmen durch die Transaktion über 550 Mio Fr. eine Nettocashposition aufgebaut hat, die über der Marktkapitalisierung der Gesellschaft lag.

Gefahr der Wertvernichtung

Dass der Kurs der Schweiter-Titel auch heute noch unter der Marke von 450 Fr. notiert, welche die Firma alleine an Barmitteln pro Aktie Wert sein dürfte, hängt insbesondere mit der Ankündigung des Unternehmens zusammen, das Geld spätestens innerhalb der nächsten zwei Jahre für neue Akquisitionen aufzuwenden. «Wenn das Geld nun über längere Zeit im Unternehmen liegen bleibt, dann hat der Aktionär nicht viel davon», erklärt Richard Frei, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Hinzu komme die Gefahr, dass das Management einen ungünstigen Zukauf tätige und dadurch Werte vernichte.

Diese Risiken, gepaart mit Unsicherheiten zur zukünftigen Strategie sowie dem Bekenntnis des Unternehmens, den Aktionären keine Sonderdividende auszuschütten, lasten auf dem Aktienkurs. «Wer jetzt in Schweiter investiert, der impliziert, dass eine mindestens so erfolgreiche Akquisition getätigt werden kann, wie dies bei Satisloh der Fall war. Gerade im jetzigen Umfeld ist dies anspruchsvoll», so Frei. Der Trackrecord sei diesbezüglich nicht allzu umfangreich. Die Mehrheit der Analysten stuft Schweiter denn auch auf «Halten» ein.

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Barmittel horten lohnt nicht

Allgemein gilt, dass eine Firma nicht Barmittel horten, sondern diese vielmehr den Aktionären ausschütten sollte, damit sie selber über ihre Investitionen entscheiden können. Hinzu kommt, dass Unternehmen mit einem hohen Cashbestand oft zum Ziel von Übernahmen werden. «Sofern eine Gesellschaft demnach über gleich bleibende Cashflows verfügt und keine Zukäufe plant, macht eine Rückführung der Gelder an die Aktionäre Sinn», sagt Valartis-Analyst René Brand.

Doch nicht immer ist der Verkauf einer Geschäftssparte ausschlaggebend für einen hohen Cashbestand in einem Unternehmen. Vielmehr kann dies auch als Zeichen einer vorsichtigen Geschäftspolitik gewertet werden. «Eine Nettocashposition kann nämlich die finanzielle Unabhängigkeit gewährleisten», erklärt Brand. Insbesondere bei Firmen in zyklischen Märkten stelle sich oft das Problem, dass die Finanzierung in einer Konjunkturabschwächung nur schwer erhältlich sei. «Tornos beispielsweise nutzt den Cashbestand zur Lagervorfinanzierung und minimiert dadurch sein Geschäftsrisiko», zeigt der Analyst auf.

Stütze nach unten und Fantasie

Alleine aufgrund von hohen Nettocashpositionen in eine Aktie zu investieren, ist demnach nicht ratsam. «Nur wenn klar ist, was die Firma mit den Cashbeständen vorhat, ist ein Einstieg zu prüfen», ist Oskar Schenker, Analyst der Bank Sarasin, überzeugt. Und sogar dann ist Vorsicht angebracht: Das Beispiel von Jelmoli mit seinem geplanten Investment-Vehikel zeigt, dass die Verwendung der Mittel zu erheblichen Diskussionen führen kann, solange die Strategie nicht klar ist.

Auf der anderen Seite bieten Firmen mit einer positiven Net-Cashposition eine gewisse Absicherung gegenüber Kursverlusten. «Das Downside-Potenzial im Falle positiver operativer Cashflows ist limitiert. Weiter bildet der Buchwert eine gewisse Stütze gegen unten», so Brand. Und auch gegen oben bleibt noch Fantasie, schliesslich kann die Wette auf einen Meinungsumschwung im Management, der zu einer Ausschüttung führt, ein Übernahmebegehren einer fremden Firma oder die Akquisition einer Wachstumsfirma den Wert der Aktien deutlich erhöhen. Diese Investments bleiben dann aber den risikofreudigen und zumeist langfristigen Anlegern vorbehalten.