Im zweiten Halbjahr 2018 wurden deutlich weniger Baubewilligungen für Mietwohnungen erteilt – allein im vierten Quartal 2018 bekamen rund 20 Prozent weniger entsprechende Projekte grünes Licht zum Bau als noch gleichen Zeitraum 2017. 

Dies meldet die Zürcher Kantonalbank (also einer der wichtigsten Player im Hypothekenmarkt); die Immobilienexperten der ZKB deuten aber gleich an, dass damit die Leerstandsproblematik keineswegs entschärft wird.

Im Gegenteil. Die ZKB-Ökonomen erwarten, dass die Zahl der leerstehenden Wohnungen im ganzen Land bis 2020 bei knapp 72'000 liegen wird – nach 59'700 im letzten Jahr.

Auf der anderen Seite werde tatsächlich weniger gebaut: 53'900 neue Wohnungen seien es letztes Jahr gewesen, 52'600 sollen es dieses Jahr sein, 50'400 dann im Jahr 2020. 

Bauboom im Jura…


Die Erklärung fürs Paradox liegt auf der Hand: Die Investoren bauen dort, wo eh schon eher viele Wohnungen leerstehen. So seien zum Beispiel im Unterwallis die Baubewilligungen für Mietwohnungen auch 2018 erneut in die Höhe geschnellt (um plus 230 Prozent in Martigny, um plus 37 Prozent in Sion). Ein ähnliches Bild bot sich im Jura (plus 158 Prozent).

Anzeige

Quellen

Ferner nennt die ZKB-Studie Olten (plus 6 Prozent), Solothurn (plus 30 Prozent) und Grenchen (plus 72 Prozent) als Ortschaften, wo sich «die Spannungen am Mietwohnungsmarkt nicht so rasch legen werden».

…Rückgang in den Grossstädten

Auf der anderen Seite bleibt die Nachfrage nach Mietwohnungen in den Städten gross – aber gerade dort war 2018 der Rückgang der Baubewilligungen speziell deutlich. So sanken die Baubewilligungen in der Stadt Zürich um über einen Drittel (36 Prozent), in Basel um 19 Prozent, in Genf um 67 Prozent und in Lausanne um 23 Prozent.

«In der Stadt ist es für Investoren schwieriger, attraktive Objekte zu finden», sagt Ursina Kubli, Leiterin des Immobilienresearch der ZKB. Deshalb wichen Bauherren auf Gebiete ausserhalb der Zentren aus. «Es fliesst viel Geld in die Peripherie.» An diesem Trend dürfte sich vorerst nichts ändern, glaubt Kubli: «So lange die Zinsen so tief sind, wird die Situation andauern.»

Anzeige

(rap/mbü)