Wie ist der Schaden einzuschätzen, den der Tornado in Oklahoma angerichtet hat?
Andreas Schraft: Es ist sicher einer der schlimmsten Tornados der vergangenen Jahre, was Opferzahlen angeht. Vielleicht vergleichbar mit dem Tornado in der Stadt Joplin in Missouri im Jahr 2011. Eine Serie von Stürmen hat damals versicherte Schäden in Höhe von insgesamt 7,2 Milliarden Dollar verursacht und 150 Todesopfer gefordert. Beim aktuellen Tornado in Oklahoma wird zurzeit mit etwa 100 Toten gerechnet.

Kann man also auch hier von einer Schadenshöhe um die 7 Milliarden Dollar ausgehen?
Das kann man so nicht sagen, ohne genauer zu wissen, wie das Gebiet aussieht. Es hängt davon ab, ob etwa ein Industriegebiet getroffen wurde oder ob der Sturm einfache oder teure Häuser zerstört hat. Diese Woche wird man noch keine seriöse Schätzung über die Schäden abgeben können.

Wie lange dauert so etwas?
Einige Wochen. Das Wichtigste ist jetzt erst einmal die Erste Hilfe und die Rettung von Verschütteten. Dann nehmen die Schadensinspektoren der Versicherungen ihre Arbeit auf. Und dann muss noch alles zusammengerechnet werden.

Warum hat der Sturm die Menschen so unvorbereitet getroffen?
Tornados entstehen, wenn warme, feuchte auf kalte, trockene Luft trifft, und sie sind extrem schwer zu vorherzusagen. Bei diesem hat es seit seiner Entstehung nur etwa eine Stunde gedauert, bis er durch den Ort gerast ist.

Bei Hurrikanschäden heisst es oft, mit einer solideren Bauweise bei den Häusern würden sich viele Schäden vermeiden lassen. Gilt das auch für Tornados?
Nein, ich bin sicher, dass auch unsere europäischen Häuser von solch einem Tornado weggerissen würden. Die einzige Sicherheit bieten Schutzräume unter der Erde.

Wo liegt der Unterschied zwischen der Kraft eines Hurrikans und Tornados?
Ein Hurrikan kann Hunderte Kilometer breit sein und sich Tausende Kilometer weit bewegen. Dabei bringt er es wie etwa «Sandy» auf Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern. Ein Tornado ist räumlich und zeitlich viel begrenzter. Dafür können in seinem Inneren Windgeschwindigkeiten von 300 oder 400 Stundenkilometern entstehen.

 
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