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Neom: Saudi-Arabien plant die Stadt der Zukunft

Prinz Mohammed bin Salman (m.): Der starke Mann in Saudi-Arabien plant Futuristisches. Keystone

Saudi-Arabien will sich fit für die Zeit nach dem Öl machen. Die Vision sieht eine gigantische Freihandelszone für 500 Milliarden Dollar vor, die mehr als halb so gross wie die Schweiz werden soll.

Von Gabriel Knupfer
am 25.10.2017

Der grösste Ölexporteur der Welt bereitet sich auf die Zeit nach dem Schwarzen Gold vor. Mit der «Vision 2030», dem Lieblingskind des jungen Kronprinzen Mohammed bin Salman, gibt es einen spektakulären Masterplan für die Modernisierung des Wüstenstaates. Saudi-Arabien soll bis dahin ein «führendes und vorbildliches Land in allen Bereichen» werden, so die Vorstellung. Ein Kernstück auf diesem Weg bildet das in dieser Woche vorgestellte Projekt Neom, eine gigantische Freihandelszone auf 26'500 Quadratkilometern am Roten Meer.

Zum Vergleich: Neom wäre mehr als halb so gross wie die Schweiz, die sich über gut 41'000 Quadratkilometer erstreckt. Geplant ist die Metropole in der Grenzregion zu Jordanien und Ägypten und soll Gebiete in diesen Ländern umfassen. Die strategische Lage am Roten Meer, durch das rund 10 Prozent des Welthandels fliessen, ist aus Sicht der Planer der ideale Standort für eine Stadt. Diese soll saudische und internationale Investoren anlocken und zum Exempel für den Städtebau und Lebensstil des 21. Jahrhunderts werden. «Dies ist kein Ort für konventionelle Menschen und Firmen, sondern ein Ort für die Träumer dieser Welt», so der Kronprinz.

500 Milliarden Dollar

Konkrete Pläne für das Aussehen der Stadt gibt es noch nicht. Der Preis für das Projekt Neom ist auf 500 Milliarden Dollar veranschlagt. Ein Teil des Geldes soll aus dem geplanten Börsengang des staatlichen Ölgiganten Saudi Aramco stammen. Dazu kommen weitere staatliche Beiträge und private Investoren. Verantworten soll das Projekt der deutsche Manager Klaus Kleinfeld, der bis 2007 dem Industriekonzern Siemens vorstand und bis Anfang des Jahres CEO des amerikanischen Aluminium-Konzerns Alcoa war. Laut Factsheet zum Projekt erhofft sich Saudi-Arabien bis 2030 eine Steigerung der jährlichen Wirtschaftsleistung um 100 Milliarden Dollar durch Neom.

Ein Hauptvorteil des Projekts sei die Umleitung von Geldern, die heute aus Saudi-Arabien fliessen, schreiben die Planer. Drei Punkte sind hier entscheidend: Erstens könnten Importe im Wert von 70 Milliarden Dollar durch Produkte aus der neuen Stadt ersetzt werden. Zweitens entstünden neue Investitionsmöglichkeiten für saudische Investoren im Inland. Und drittens könnten die Ausgaben von reichen Saudis im Ausland in die neue Metropole umgelenkt werden, etwa in den Bereichen Tourismus, Gesundheit und Bildung.

Kronprinz verspricht Wandel

Neom soll bisher unerreichte Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Der Standort ist ideal für die Nutzung von Sonnen- und Windenergie geeignet. Damit passt Neom zum angestrebten Umbau der saudischen Wirtschaft bis ins Jahr 2030. Doch die vorteilhafte Lage und die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich in der neuen Stadt bieten, stehen in starkem Kontrast zum erzkonservativen Islam, der im Königreich bis heute gelebt wird. Die Attraktivität von Neom wird deshalb davon abhängen, ob das Versprechen einer liberaleren und offeneren Gesellschaft umgesetzt wird.

Die saudische Monarchie hat wegen der Unterdrückung von Frauen, dem Krieg im Jemen, mittelalterlichen Strafen und der Unterstützung von radikalen Islamisten keinen guten Ruf. Immerhin scheint Kronprinz Mohammed bin Salman das Problem erkannt zu haben. Das Land sei in den letzten 30 Jahren «nicht normal» gewesen, sagte bin Salman dem britischen «Guardian». Er werde Saudi-Arabien zum «moderaten Islam» zurückbringen, so der Prinz.

«Zukunft der menschlichen Zivilisation»

Ein erster Schritt dazu wurde mit der angekündigten Aufhebung des Fahrverbots für Frauen zwar gemacht. Doch bis eine Stadt in Saudi-Arabien zu einer «aufstrebenden Gesellschaft werden kann, welche die Zukunft der menschlichen Zivilisation demonstriert», wie die Planer des Projektes versprechen, ist es noch ein sehr weiter Weg.

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