Die Unternehmen in der Schweiz rechnen damit, dass die Löhne im Lauf des Jahres etwas weniger stark steigen als das allgemeine Preisniveau. Laut einer Lohnumfrage der Konjunkturforschungsstelle KOF gehen die Firmen in den nächsten zwölf Monaten von einem durchschnittlichen Lohnanstieg von 2 Prozent aus. Damit haben sich die Lohnerwartungen gegenüber den früheren Befragungen leicht abgeschwächt.

Gleichzeitig erwarten die befragten Betriebe eine Inflation von 2,5 Prozent. Demnach droht gemäss den Unternehmensprognosen erneut ein Kaufkraftverlust, jedoch nicht so ein grosser wir letztes Jahr, als die Reallöhne wegen der hohen Inflation um 1,9 Prozent nachgaben.

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Das KOF selbst jedoch rechnet für die Prognoseperiode mit einer Teuerung von 1,5 Prozent, wodurch ein kleiner Reallohnzuwachs resultieren würde. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) geht in ihrer Jahresendprognose von 2 Prozent aus und rechnet danach mit einem leichten Anstieg der Inflation, vor allem wegen höheren Mieten und Strompreisen. Aktuell liegt die Inflationsrate bei 1,6 Prozent.

 

Nachholbedarf im Gastgewerbe

Auffällig sei, dass stärker binnenorientierte Branchen etwas höhere Lohnzuwächse erwarteten als exportorientierte Firmen, heisst es in der Medienmitteilung zur KOF-Studie. So gehen etwa die Betriebe aus dem Gastgewerbe davon aus, dass die Löhne in der Branche im Schnitt  um 3,8 Prozent steigen. Damit ist laut KOF das Gastgewerbe die einzige Branche, die in den nächsten zwölf Monaten nicht nur nominal, sondern auch real ein Anstieg der Löhne erwartet.

Das Gastgewerbe ist laut KOF-Experte Michael Siegenthaler ein Sonderfall. «Wegen der Pandemie hat die Branche zahlreiche Beschäftigte verloren. Zudem hat die Branche nach besonders mageren Lohnerhöhungen in den letzten zehn Jahren nun grossen Aufholbedarf», wird er in der «NZZ am Sonntag» zitiert. 

Weniger gut sieht es hingegen in der Industrie und im Grosshandel aus. Dort liegen die Lohnerwartungen deutlich tiefer. Im verarbeitenden Gewerbe wird für das nächste Jahr ein Lohnzuwachs von 1,5 Prozent erwartet, im Grosshandel eine Erhöhung um 1,6 Prozent. Sollte es also zur erwarteten Inflation von 2 Prozent oder mehr kommen, würden die Saläre in diesen Sektoren real fallen.

Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von 4500 Betrieben zu ihren Lohnerwartungen, die im Rahmen der vierteljährlichen Konjunkturbefragung im Juli eingegangen sind. 

(rop, mit Material von AWP)