1. Home
  2. BIZ in Basel warnt vor Überlastung der Geldpolitik

Banken
BIZ in Basel warnt vor Überlastung der Geldpolitik

Das gruene Peter Merian Haus (Zwimpfer Partner Architekten), das rote Postbetriebsgebaeude Basel 2 (Suter und Suter) und der BIZ-Turm (Martin Burckhardt), von links, in Basel, am Mittwoch, 30. Januar 2019. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der BIZ-Turm in Basel.

Quelle: Keystone

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt, der Geldpolitik die Hauptverantwortung für die Stützung der Weltkonjunktur aufzubürden.

Veröffentlicht am 30.06.2019

Warnende Stimme aus Basel:  Der Handlungsspielraum der internationalen Geldpolitik sei nach Jahren der lockeren Ausrichtung erheblich eingeengt sei, schreibt die BIZ in ihrem am Sonntag veröffentlichten Wirtschaftsbericht. «Um ein Flugzeug in ruhigere Gefilde zu steuern, müssen Geschwindigkeit und Stabilität genau aufeinander abgestimmt sein, und es braucht eine Treibstoffreserve für eventuellen Gegenwind,» sagte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens. Auch Haushaltspolitik und Strukturreformen müssten ihren Beitrag leisten. Geldpolitik solle eher als ein Auffangnetz gesehen werden.

Die in Basel ansässige BIZ wird häufig als Bank der Zentralbanken bezeichnet. Sie gilt als Denkschmiede für die internationale Geldpolitik. Rund um den Globus haben Notenbanken nach der Finanzkrise die Zinsen immer tiefer gesenkt und billionenschwere Anleihenkauf-Programme aufgelegt, um die Konjunktur anzukurbeln. 

In der EU bereits seit März 2016 auf 0,0 Prozent

Da die Inflation in vielen Ländern jedoch nicht wie erhofft rasch zu den Notenbanken-Zielmarken zurückkehrte, wurden die Leitzinsen lange ungewöhnlich tief gehalten. In der Euro-Zone liegt der Leitzins bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Im aktuellen, durch konjunkturelle Unsicherheiten geprägten Umfeld sollten Notenbanken aus Sicht der BIZ vorsichtig agieren und sich geldpolitische Munition für künftige Krisen aufheben. «Je grösser die Unsicherheit über die Lage des Finanzsystems und der Gesamtwirtschaft ist, desto zwingender ist ein graduelleres Vorgehen», meint Carstens.

In den USA steht die Notenbank Fed womöglich vor einer 180-Gradwende in der Zinspolitik und könnte in den nächsten Wochen erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen senken. Auch in Europa stehen die Zeichen auf Lockerung. Erst kürzlich hatte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereitschaft zu weiteren expansiven Schritten signalisiert, sollte die Inflation nicht wie gewünscht anziehen.

BIZ berichtet Knotenpunkt für technologische Neuerungen

Insgesamt müssen aus Sicht der BIZ Geldpolitik, Haushaltspolitik, Strukturreformen und Schritte zur Absicherung der Finanzstabilität besser aufeinander abgestimmt werden, um wieder mehr Wachstum zu erreichen. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich Konsum und Investitionen abschwächen würden, warnte Carstens.

«Vor allem könnten die Handelskonflikte, die die Wachstumsverlangsamung mitverursacht haben, sich erneut verschärfen.» Daneben zählten schwache Bankgewinne in manchen Industriestaaten und der Schuldenabbau in Schwellenländern - vor allem in China - zu den Risiken. Denn die Eindämmung des Kreditwachstums könnte die Wirtschaft bremsen. Zudem drohe eine Überhitzung im Markt für Hochrisiko-Kredite in manchen Industriestaaten. «Es könnte zu drastischen Preiskorrekturen und Finanzierungsengpässen kommen», sagte Carstens.

Denkstätte in Basel, Hongkong und Singapur geplant

Die BIZ kündigte zudem die Gründung eines Innovations-Drehkreuzes an, das sich mit neuen technologischen Trends auseinandersetzen soll, die für die Zentralbanken bedeutsam sind. Es soll in Basel, Hongkong und Singapur angesiedelt werden.

Laut Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der dem BIZ-Verwaltungsrat vorsteht, soll damit die Kooperation der Notenbanken in diesem Feld auch mit Blick auf Regulierungen befördert werden. Erst unlängst hatte der Vorstoss von Facebook weltweit für Aufregung gesorgt, eine eigene Kryptowährung zu entwickeln, die etablierten staatlichen Währungen in Zukunft Konkurrenz machen könnte. Facebooks Pläne wurden in der BIZ-Mitteilung nicht erwähnt.

(reuters/tdr)

Anzeige