Erst das kräftige Wachstum in den Schwellenländern führte dazu, dass die Weltwirtschaft nach der globalen Finanzkrise nicht in eine schwere Rezession rutschte. Die reichen Industrieländer profitierten enorm von der sich schnell erholenden Nachfrage aus Ländern wie China, Indien und Brasilien. Nach Jahren des Wachstums fürchtet die Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nun jedoch um die unterstützende Kraft aus diesen Ländern.

«Nach einer langen Periode beeindruckender Fortschritte hat in einigen Volkswirtschaften der mittleren Einkommensgruppe eine Verlangsamung der Wachstumsraten eingesetzt», heisst es in einer am Mittwoch von der OECD vorgelegten Studie. Im Klartext heisst das: So manch aufstrebende Ökonomie kann ihr Aufholtempo gegenüber den entwickelten Ländern nicht halten. Aber: Andere Schwellenländer entwickeln sich plötzlich deutlich rasanter als noch vor wenigen Jahren erwartet.

Brasilien, Mexiko, Ungarn verlieren den Anschluss

Bislang galten die sogenannten Brics Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als hoffnungsvollste Kandidaten, um den wirtschaftlichen Anschluss an die industrialisierte Welt zu erreichen. Hoch gehandelt wird seit einiger Zeit auch Indonesien.

Doch jetzt stellt die OECD klar: Hält die zuletzt verzeichnete Abschwächung des Wachstums in Ländern wie Brasilien und Südafrika an, werden diese selbst bis zum Jahr 2050 nicht das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der 34 OECD-Industriestaaten erreichen. Gleiches gilt laut OECD für Länder wie Mexiko, Kolumbien oder Ungarn. Für Indien wird es ebenfalls sehr schwer.

Panama holt mächtig auf

Im Gegensatz dazu sorgen einige bislang unbekannte Wirtschaftsgrössen für Furore. So lobt die OECD etwa Panama ausdrücklich für den Anstieg der Produktivität in den vergangenen Jahren. Das Land ist nicht nur Knotenpunkt zwischen Nord- und Südamerika, sondern hat via Panama-Kanal auch Anschluss zu Atlantik und Pazifik.

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Vor allem der Finanzsektor Panamas habe an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, schreibt die OECD. Hinzu kommt: Panama bietet heute ein attraktives Investitionsumfeld und profitiert von erfolgreichen Handelsabkommen. Unter anderem dank dieser Faktoren wuchs Panama zwischen 2000 und 2012 jährlich um über sieben Prozent. Um das durchschnittliche OECD-Niveau zu erreichen, braucht es bis 2050 rund 4,3 Prozent Plus pro Jahr – durchaus machbar, findet die OECD.

Schulbildung in Kasachstan besser als in Polen oder Brasilien

Das gilt auch für Kasachstan. Die Wirtschaft des zentralasiatischen Binnenstaates wuchs in der vergangenen Dekade sogar jährlich um über acht Prozent. Um bis 2050 das OECD-Niveau zu erreichen, braucht es nun nur noch gut vier Prozent pro Jahr.

Vor allem die gute Schulbildung sticht demnach im Gegensatz zu der in vielen anderen Schellenländer rund um den Globus heraus. Diese ist laut OECD sogar höher als in Polen, Argentinien oder Brasilien.