Es gibt ja die These, dass die drohende Abkühlung unserer Wirtschaft (und die immer wieder wackelnden Börsen) weniger mit dem Handelsstreit oder dem Brexit zu tun hat, wie immer erklärt wird. Sondern dass es hier einen alles entscheidenden Faktor gibt: die Lokomotive China. Beziehungsweise das Problem, dass sie an Tempo verliert (dazu etwa die Analyse von Felix Zulauf).

Dann aber wird diese Zahl massgeblich für unsere Wirtschaftsaussichten: Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal auf 6,0 Prozent verlangsamt (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Dies teilte das Statistikamt in Beijing mit. Es ist der langsamste Zuwachs seit fast drei Jahrzehnten.

Zugleich fiel das Wachstum auf den niedrigsten Stand im laufenden Jahr. Als Ursachen nannten Experten den anhaltenden Handelskrieg zwischen China und den USA, die Verunsicherung von Investoren, die Schweinepest sowie die chinesischen Bemühungen, gegen die wachsende Verschuldung im Land anzugehen (also Chinas oft beschworene Kreditblase und der Versuch, sie zu bändigen).

Das Wachstum liegt damit am unteren Ende der Zielvorgabe, welche die Regierung für dieses Jahr gesetzt hatte: Diese lag bei «6,0 bis 6,5 Prozent». Im ersten Quartal waren 6,4 Prozent erreicht worden, im zweiten 6,2 Prozent. Seit das Staatliche Amt für Statistik in Beijing 1992 damit begann, quartalsweise Wachstumszahlen zu veröffentlichen, wurde nie ein so tiefer Wert gemeldet wie diesmal.

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Die Beratungsfirma Wellershoff & Partners geht dabei davon aus, dass Beijing hier eine geschönte Statistik vorlegt. Basierend auf eigenen Berechnungen zum langfristigen Wirtschaftswachstum in 50 Ländern besagt das Modell von W&P, dass Chinas Volkswirtschaft seit 2005 wohl deutlich langsamer gewachsen als offiziell behauptet; es habe seit 2005 im Durchschnitt bei 7,1 Prozent gelegen haben, also 1,8 Prozent tiefer als offiziell kommuniziert. «Diese Differenz mag klein erscheinen, im Endeffekt dürfte die chinesische Wirtschaftsleistung heute jedoch rund einen Viertel tiefer ausfallen, als dies offizielle Zahlen suggerieren.»
 
Auf der anderen Seite registriert dieses Modell fürs letzte Quartal bereits eine leichte Trendwende. Konkret: Es weist auf ein Wachstum von 5,1 Prozent im letzten Quartal hin, was wieder eine leichte Korrektur nach oben bedeuten würde. «Bottom-Up-Daten aus der Industrie und dem Bau zeigen, dass die Produktion in diversen Sektoren zunimmt – dies trotz weltweiter Industrieschwäche und trotz sinkender Exporte in die USA», so die Ökonomen von W&P in Zürich.

(rap)

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