Insgesamt dürfte die Schweizer Wirtschaft 2020 um 4 Prozent schrumpfen: Zu dieser Ganzjahres-Perspektive kommen die Ökonomen der Credit Suisse in ihrem neuen Konjunkturbericht «Monitor Schweiz». Die Erholung dürfte eher zögerlich erfolgen – was auf den Kurvengrafiken zur Konjunkturlage ein «schiefes V» ergeben würde. Und so werde die Schweiz ihr BIP-Niveau von Ende 2019 erst Ende 2021 wieder erreichen. 

Der Ausstieg aus dem Lockdown habe zwar den Wirtschaftsmotor neu anspringen lassen. Die Privathaushalte, so die CS-Berechnungen, geben momentan rund zwei Drittel der Gelder, die sie im Lockdown angespart hatten, wieder aus. 

Erholung verliert Schwung

Die Nachholeffekte schwächen sich aber schon wieder ab, sodass die Erholung in den kommenden Monaten an Schwung verlieren dürfte. Eine Erklärung: Die unsichere Arbeitsmarktlage. Dabei rechnen die Experten der Credit Suisse mit einem Anstieg von heute 3,3 Prozent auf rund 4 Prozent bis Mitte 2021. Dies werde das Konsumwachstum bremsen, «wenn auch nicht abwürgen», so der «Monitor» weiter.

Auf der anderen Seite ist der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP auf ein Rekordtief gesunken. Dies lasse eine magere Lohnrunde erwarten: Die CS rechnet damit, dass die Kaufkraft der Löhne nächstes Jahr sogar leicht abnehmen könnte.

Weiter werde die anhaltende Virus-Verunsicherung die globale Erholung dämpfen. Zwar erwartet die CS keinen neuen flächendeckenden Lockdown, aber auch punktuelle Einschränkungen würden als Bremse wirken. Und im internationalen Handel sei der Weg zur Normalität noch weit, da Transportkapazitäten und die interkontinentale Mobilität wohl noch länger eingeschränkt bleiben.

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«Die massvolle Ausgestaltung des Lockdowns in der Schweiz und dessen spürbare Wirkung bei der Eindämmung des Virus sind auch zwei wichtige Faktoren, die den geringeren BIP-Einbruch in der Schweiz erklären.»

Credit Suisse:«Monitor Schweiz»

Und so dürfte auch das Investitionsklima noch eine Weile verhalten sein. Immerhin: Die Nachfrage nach Ausrüstungen und Maschinen sollte dank der Erholung der Industriekonjunktur wieder etwas anziehen – derzeit wirkten zum Beispiel Investitionen der Pharma- und Chemieindustrie sowie in die IT-Infrastruktur dem sonstigen Einbruch des Investitionsvolumens etwas entgegen. 

Ein Schwerpunktthema des CS-Berichts ist diesmal die Migration. Angesichts der dümpelnden Wirtschaftsentwicklung, so die These, werde die Nettozuwanderung nächstes Jahr auf den tiefsten Stand seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit 2007 sinken. Im laufenden Jahr werde der Wanderungssaldo vorerst kaum tiefer ausfallen als 2019 – denn in der Krise gebe es eben auch weniger Auswanderer.

Konkret erwartet der Bericht für 2020 einen Zuwachs der Wohnbevölkerung durch Wanderungsbewegungen um rund 50'000 Personen (Vorjahr: 53'000). Nächstes Jahr dürfte die Nettozuwanderung dann auf rund 45'000 sinken.

(rap)

OECD etwas weniger pessimistisch

Der Wirtschaftseinbruch fällt nach Einschätzung der Industriestaatenorganisation OECD in Europa und in den USA weniger dramatisch aus als zunächst erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas dürfte sogar um 1,8 Prozent wachsen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einem neuen «Economic Outlook» mit.

Wegen der Covid-19-Pandemie hatte die OECD erst vor rund drei Monaten vor äusserst schweren und lang anhaltenden Folgen gewarnt. Es sei die schlimmste Rezession zu Friedenszeiten seit 100 Jahren zu erwarten. Nun heisst es, der Einbruch sei immer noch beispiellos in der jüngsten Geschichte. Weltweit werde die Wirtschaft 2020 um etwa 4,5 Prozent schrumpfen. Nächstes Jahr werde dann aber ein Aufschwung mit einem Plus von 5 Prozent erwartet.

China, Europa und die USA schneiden demnach besser ab als erwartet. Dagegen liegen Indien, Mexiko oder Südafrika unter den bisherigen Erwartungen. Für Deutschland wird am laufenden Jahr ein Minus beim BIP von 5,4 Prozent angenommen. (AWP)

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