Die Ökonomen der Grossbank Credit Suisse korrigieren ihre Konjunkturprognose für die Schweiz im laufenden Jahr kräftig nach unten. Sie erwarten nun für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 3,5 Prozent. Bisher waren sie von einem Minus von 1,0 Prozent ausgegangen.

Mit dem Beginn der Lockerungen des «Lockdowns» sollte sich zwar auch die Wirtschaft wieder zu erholen beginnen, heisst es in einer am Donnerstag publizierten Analyse der Credit Suisse.

Die Erholung dürfte aber vor allem in den auslandsorientierten Branchen langsamer ausfallen als bisher erwartet.

Gewisse Beschränkungen bleiben in Kraft

Der vom Bundesrat am Donnerstag publizierte Ausstiegsplan decke sich mit den früheren Annahmen der CS, dass die schärfsten Massnahmen nach zwei bis drei Monaten aufgehoben werden. Für den Bundesrat habe jedoch nach wie vor die Minimierung der Neuansteckungen Priorität. Es zeichne sich entsprechend ab, dass gewisse Einschränkungen noch länger Bestand haben würden.

Immer sichtbarere Auswirkungen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise würden nun in den Statistiken mehr und mehr sichtbar, stellt die CS fest. So dürfte die Schliessung des Wintertourismus und der Grenzen im März zu Umsatzrückgängen im Tourismus um teilweise mehr als 90 Prozent geführt haben. Aber auch die nicht von Reisebeschränkungen betroffene Luftfracht brach im März um 40 Prozent ein.

Insgesamt geht die CS davon aus, dass die Konsumnachfrage derzeit um rund 20 Prozent tiefer ist als vor dem Lockdown. Umgerechnet auf zwei Monate Lockdown entspreche dies einem Minus von rund 12 Milliarden Franken oder 3,1 Prozent der Wertschöpfung, die hierzulande in einem Jahr erwirtschaftet wird. Hinzu komme eine verlangsamte Zuwanderung.

Anzeige

Staat stabilisiert

Ein Teil des Konsums werde sich nach der Aufhebung des Lockdowns wieder normalisieren, dies nicht zuletzt dank der getroffenen Massnahmen wie Kurzarbeit und Überbrückungskredite.

Trotz aller Massnahmen und einer dank negativer Teuerung steigenden Kaufkraft wird der private Konsum nach Ansicht der CS-Ökonomen im Jahresdurchschnitt um 2,1 Prozent abnehmen.

Den Exporteuren fehlen Bestellungen

Für eine gewisse Stabilisierung werde der staatliche Konsum sorgen, der um 3 Prozent zunehmen dürfte. Derweil dürfte der Aussenhandel aufgrund einer rückläufigen Weltwirtschaft um 4 Prozent zurückgehen, wobei vor allem der Maschinenbau leiden dürfte.

Auch die Investitionen dürften zurückgeschraubt werden, wobei die CS-Experten allerdings keinen massiven Einbruch erwarten.

Wahrscheinlichstes Szenario: «Schiefes V»

Ökonomen verwenden derzeit die Buchstaben V, W, U oder L für den Verlauf der Prognosen: Die CS sieht ein «schiefes V» als am realistischsten an. Für 2021 erwarten die CS-Experten eine «durchaus imposante» Erholung von 3,5 Prozent.

Damit werde aber der Einbruch von 2020 nicht gänzlich wettgemacht. Entscheidend werde zudem sein, dass ein zweiter Lockdown vom Ausmass des aktuellen in Zukunft vermieden werden könne.

(awp/mbü)