Die Schweiz verliert seit einiger Zeit an Wettbewerbsfähigkeit. Gerade jüngst hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) die Schweiz einen Platz herab gestuft, jetzt liegt sie noch auf Rang fünf.  Singapur, die USA, Hongkong und die Niederlande schneiden jetzt besser ab. Der Grund für die leichte Herabstufung von Rang 4 auf Rang 5: sinkende Produktivität.

Im Ranking der IMD wiederum fiel die Schweiz 2018 auf den fünften Rang zurück, dieses Jahr konnte sie einen Platz wieder gutmachen. Allein die Talentschmiede in Lausanne publiziert drei Ranglisten im Jahr: zur Wettbewerbsfähigkeit, zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit sowie das «World Talent Ranking».

Mal besser, mal schlechter

In einem anderen Ranking hingegen, dem «Ease of Doing Business»-Index der Weltbank, schnitt die Schweiz zuletzt eher bedenklich ab – vor allem im Vergleich zu anderen Rankings – und landete auf Platz 38. 

Die Resultate werden eifrig diskutiert und gedeutet, nur: Wie aussagekräftig sind sie wirklich? Dafür nehmen wir die am meisten beachteten Ländervergleiche einmal genauer unter die Lupe.

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1. Die Anzahl der Kriterien

Das WEF beurteilt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes aufgrund von 103 Indikatoren. Zudem befragt es für sein Ranking Managerinnen und Manager des jeweiligen Landes um ihre Meinung. In das Endergebnis fliessen zu zwei Dritteln die Einschätzungen der Manager, zu einem Drittel ökonomisch Indikatoren.

Das Ranking der IMD untersucht Wirtschaftsleistung, Effizienz der Regierung, Effizienz von Unternehmen sowie die Infrastruktur anhand von insgesamt 332 Kriterien. Dies sind sowohl harte volkswirtschaftliche Daten als auch weiche Ergebnisse aus einer Befragung von Führungskräften (Die harten Daten werden allerdings doppelt gewichtet)

Die IMD untersucht auch die digitale Wettbewerbsfähigkeit. Im «World Digital Competitiveness Ranking» – in dem die Schweiz zuletzt auf Platz 5 lag – werden die Fähigkeit und Bereitschaft eines Landes bewertet, digitale Technologien als Schlüsselfaktor für den wirtschaftlichen Wandel in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft einzusetzen. Anhand von 51 Kriterien wird die digitale Wettbewerbsfähigkeit in Wissen, Technologie und Zukunft eingeteilt. 

Das «IMD World Talent Ranking» vergleicht Länder nachdem wie viele Fachkräfte sie hervorbringen, anziehen und halten. Insgesamt 30 Kriterien legt sie dabei. 

Dem «World Index of Economic Freedom» der konservativen Heritage Foundation aus den USA zufolge liegt die Schweiz auf Platz 4. Dabei unterscheidet die Denkfabrik zwölf Indikatoren wie Investitionsfreiheit, regulatorische Effizienz und Marktöffnung.

Im «Global Innovation Index» bewerten die französische Business School INSEAD, die Cornell University und die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) die Innovationsfähigkeit eines Landes anhand von 80 Indikatoren wie Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Anzahl der Patent- und Markenanmeldungen. In den jüngsten Ausgaben wurden weitere Kriterien wie Erfindung von Smartphone-Apps und Hightech-Exporte einbezogen. Zudem wird der wirtschaftliche Kontext wie langsameres Wirtschaftswachstum und zunehmender Protektionismus berücksichtigt. Im aktuellen Ranking liegt die Schweiz auf Platz eins vor Schweden, den Niederlanden, den USA und Grossbritannien.

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Im «Ease of Doing Business Index» der Weltbank werden 41 Indikatoren unterteilt in zehn Themengebiete wie Unternehmensgründung, Kreditaufnahme, Steuern und Einstellung von Beschäftigten bewertet.

Punkte in dieser Kategorie

  • «Global Innovation Index»: 5
  • «Ease of Doing Business Index»: 4
  • IMD Wettbewerbsfähigkeit : 3
  • WEF Wettbewerbsfähigkeit : 2
  • World Index of Economic Freedom: 1

 

2. Wieviele Länder werden überprüft?

Das WEF vergleicht 141 Volkswirtschaften, die IMD in allen drei Rankings jeweils 63 Länder. Der «World Index of Economic Freedom» umfasst 186 Volkswirtschaften, der «Global Innovation Index» 128 Länder. Um umfassendsten ist der «Ease of Doing Business Index» – darin untersucht die Weltbank 190 Staaten. 

Punkte in dieser Kategorie

  • «Ease of Doing Business Index»: 5
  • «World Index of Economic Freedom»: 4
  • WEF Wettbewerbsfähigkeit : 3
  • «Global Innovation Index»: 2
  • IMD Wettbewerbsfähigkeit : 1

3. Wie etabliert sind die Rankings?

Das älteste der Standort-Rankings ist jenes des Weltwirtschaftsforums: seit 1979 erscheint jährlich der «Global Competitiveness Report». Auch das Wettbewerbsfähigkeits-Ranking der IMD gibt es bereits seit 1989, das Talente-Ranking seit 2014 und die digitale Wettbewerbsfähigkeit beurteilt die Lausanner Institution seit 2017. 

Der Index der wirtschaftlichen Freiheit wurde 1995 von der Heritage Foundation und «Wall Street Journal» erstmals publiziert. Die Weltbank veröffentlicht den «Ease of Doing Business Index» jedes Jahr seit 2006. Die Rangliste der innovationsfähigsten Länder «Global Innovation Index» gibt es seit 2007.

Punkte in dieser Kategorie

  • WEF Wettbewerbsfähigkeit : 5
  • IMD Wettbewerbsfähigkeit : 4
  • «World Index of Economic Freedom»: 3
  • «Ease of Doing Business Index»: 2
  • «Global Innovation Index»: 1

 

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Wie relevant? Wie sehr wird das Ranking beachtet?

Bei der Google-Suche taucht das WEF-Ranking 2,57 Millionen Mal auf. Das IMD-Ranking taucht hingegen nur 215'000 Mal auf, die Rangliste der digitalen Wettbewerbsfähigkeit des IMD 134'000 Mal und das Talente-Ranking 677'000 Mal.

Wesentlich häufiger wird der Index für wirtschaftliche Freiheit gegoogelt, nämlich über 93 Millionen Mal. Die meisten Treffer hat mit 303 Millionen jedoch der «Global Innovation Index» – mehr noch als das «Ease of doing business»-Ranking der Weltbank mit 22 Millionen Google-Einträgen.

Punkte in dieser Kategorie

  • Global Innovation Index: 5
  • «World Index of Economic Freedom»: 4
  • «Ease of Doing Business Index»: 3
  • WEF Wettbewerbsfähigkeit : 2
  • IMD Wettbewerbsfähigkeit : 1

 

Fazit

In unserem Vergleich schneidet das «Ease of Doing Business»-Ranking am besten ab (Schweiz: Rang 38): Es umfasst die meisten Länder und die angewandten Kriterien sind gut strukturiert und dennoch nicht zu umfangreich – wie etwa beim IMD-Ranking.

Auch die Methodik des «Global Innovation Index» scheint übersichtlich (Schweiz: Rang 1). Mit über 300 Millionen Google-Treffern findet das Ranking international viel Beachtung. Beide Ranglisten sind relativ neu.

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Das älteste unter den Standort-Rankings ist der WEF-Bericht – das spricht dafür und entsprechend wird es weltweit auch beachtet (Schweiz: Rang 5). Eher negativ fällt die Methodik auf: Zu zwei Dritteln basiert das Ranking auf Umfragen unter Führungskräften und nicht nur auf objektiven Kriterien. 

Der direkte Konkurrent des WEF-Ranking – nämlich jenes der Kaderschmiede IMD – bekommt die schlechteste Note, denn die über 300 Kriterien macht es unübersichtlich (Schweiz: Rang 4). Zudem werden die IMD-Rankings nicht häufig auf Google gesucht, das spricht dafür, dass es vor allem international wenig beachtet wird.

Aussagekraft: fragwürdig

Grundsätzlich ist es schwierig, einen Wirtschaftsstandort in einem einzigen Ranking zu beurteilen. So ist die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Ranglisten fragwürdig, denn sie legen unterschiedliche Massstäbe und Schwerpunkte an und bilden meist nur einen Ausschnitt einer Volkswirtschaft ab.

Zudem gibt es weitere wichtige Indikatoren für Wohlstand und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung wie Verteilung, Lebensqualität und eine intakte Umwelt. In diesen Rankings tauchen diese jedoch gar nicht oder nur teilweise auf.