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Staatsschulden
Der peinliche Excel-Fehler des Starökonomen

Kenneth Rogoff: Rechnete falsch. (Bild: Bloomberg)

Seine Studie zur Schuldenproblematik wurde viel beachtet und diente Politikern als Grundlage für ihre Entscheide. Doch nun musste Kenneth Rogoff zugeben, dass er falsch rechnete.

Von Stefan Eiselin
am 17.04.2013

Das Buch verkaufte sich bestens und sorgte nach seinem Erscheinen im Februar 2010 in der Wirtschaftswelt für Furore: «Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen» überschrieb der amerikanische Starökonom Kenneth Rogoff die Untersuchung, die er zusammen mit seiner Kollegin Carmen Reinhart durchführte. Sie analysierten die Crashs der letzten 800 Jahre. Ihr erstaunliches Ergebnis: In Wahrheit sind es immer die gleichen Fehler, die zum Kollaps führten.

Rogoff und Reinhart stellten in ihrem Werk zudem eine Art Faustregel auf: Immer wenn die Schuldenquote eines Landes - das Verhältnis zwischen Staatsschuldenstand und Bruttoinlandprodukt - auf über 90 Prozent steigt, dann steht eine Periode tieferen Wachstums an. Auf dieses Ergebnis beriefen sich in der Folge Politiker in aller Welt immer wieder.

Länder weggelassen und vergessen

Doch nun zeigt sich: Rogoff und Reinhart flunkerten und verrechneten sich. So liessen sie in ihrer Analyse von zwanzig Staaten zwischen 1946 und 2009 drei Länder einfach weg, weil die ihren Aussagen widersprochen hätten. Zudem passierte den Ökonomen ein peinlicher Excel-Fehler: Fünf Länder wurden in der Berechnung eines Durchschnitts der Länder mit einer Schuldenquote von über 90 Prozent einfach nicht berücksichtigt.

Die methodischen Fehler wurden nun von den drei amerikanischen Ökonomen Thomas Herndon, Michael Ash und Robert Pollin von der University of Massachusetts, Amherst aufgedeckt. Rogoff und Reinhart reagierten rasch und gaben den Excel-Fehler zu. Dennoch gelte die Kernaussage weiterhin: Eine höhere Schuldenquote bremse das Wachstum. Fortsetzung folgt.

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