400 Meter Pisten auf 2000 Metern Höhe sollen im französischen Skigebiet Tignes entstehen. Und das alles überdacht. Die lokale Tourismus-Kommission hat das Projekt namens «Ski Line», welches die Region rund 62 Millionen Euro kostet, gutgeheissen.

Es scheint bizarr, dass eine der schneesichersten Regionen der Alpen auf einen Indoor-Skipark setzt. Dieser Plan ist aber durchaus strategisch. Tignes hat zwar die längste Ski-Saison Frankreichs, sogar in den wärmeren Monaten kann man auf dem Gletscher Skifahren. Das dürfte sich aber bald ändern.

Surf-Halle und Shopping-Center

«Der Grande-Motte-Gletscher hat bereits 30 Prozent seiner befahrbaren Fläche verloren», sagt Jean-Christophe Vitale, Bürgermeister von Tignes der britischen Zeitung «The Times». «Darauf reagieren wir mit der Indoor-Skihalle.» Besucher sollen in seinem Ort wieder 365 Tage im Jahr Schneesport betreiben können – was zu besseren Zeiten ganz ohne Skihalle möglich war.

Im Schnee-Dom sollen Touristen mit unterschiedlichsten Präferenzen auf ihre Kosten kommen: Neben Ski-Liften ist ein Pool mit drei Meter hohen Wellen zum Surfen in Planung, sowie ein Shopping-Center und Hotel mit 1050 Betten.

«Disneyfizierung» der Berge

Betrieben werden soll die Halle mit Energie aus dem nahegelegenen Wasserkraftwerk, den Solarzellen auf dem Dach, sowie einem Biomasse-Boiler. Ist es im Winter noch möglich, die Pisten mit echtem Schnee zu versehen, müssen dafür im Sommer Schneekanonen ausreichen.

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Der Bau soll bereits 2018 in die Gänge kommen, derzeit gibt es aber noch Beschwerden von Umweltaktivisten. Hervé Billard von der Organisation «Fédération Rhône-Alpes» spricht von einer Art «Disneyfizierung» der Berg. Das ginge zu weit.

Verbier setzt auf mehr Sommerangebote

Ähnliche Entwürfe wie in Tignes dürften auch für Schweizer Skigebiete interessant werden. Denn auch hierzulande schmelzen die Gletscher, es gibt immer weniger Schneetage pro Jahr. Im Schnitt beginnt die Schneesaison in der Schweiz 12 Tage später als noch im Jahr 1970 und endet 25 Tage früher. Das haben Forscher der Universität Neuenburg, des Forschungsinstituts WSL und des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF in Davos herausgefunden. Die gemessene Schneehöhe hat im Schnitt demnach um 25 Prozent abgenommen.

Als Reaktion auf die kürzere Wintersaison setzt der Walliser Skiort Verbier seit einigen Jahren bereits darauf, seine Sommerangebote auszuweiten, sagt Sprecher Vincent Riba gegenüber Handelszeitung.ch. Dazu gehört etwa, dass Wege für Alternativen wie Downhill, E-Biking, Rennrad-Touren oder Enduro-Töffs ausgebaut würden. 

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