Frau Weder di Mauro, Sie sind derzeit in Singapur. Erleben Sie die Viruskrise anders als wir in Europa?
Beatrice Weder di MauroWir hatten bereits die Erfahrung einer zweiten Welle – es kam wieder zu vermehrten Ausbrüchen in Quartieren, in denen die Menschen ­unter sehr beengten Verhältnissen leben. Insofern befindet man sich in Asien wirklich ein Stückchen in der Zukunft. Es ist bereits spürbar, dass der Ausstieg aus dem Lockdown mit «Testing and Tracing» komplizierter wird als gedacht. Das wird hier konsequenter durchgeführt als in Europa; man setzt viel daran, die Infektionsketten jedes Falles zu verfolgen.

Konsequente Nachverfolgung: Ist das die wichtigste Lektion aus Asien?
Es gibt schon auch Schwierigkeiten: Oft erinnern sich die infizierten Personen nicht, mit wem sie in Kontakt waren – manchmal wollen sie es auch nicht melden. Und in Singapur wurde die Tracing-­App laut der Regierung nicht genügend heruntergeladen: Nachdem sie nun schon seit fast zwei Monaten eingeführt ist, hat sie erst ein Drittel der Bevölkerung – was eine zu tiefe Quote ist.