Oswald Grübel ist für seine ungeschminkte Wortwahl bekannt. Auch fünf Jahre nach seinem Rücktritt bei der UBS hat sich dies nicht geändert. Im neuen «Manager Magazin» warnt der ehemalige Topbanker vor dem Finanzkollaps wegen der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Diese werde in einem Crash an den Börsen enden: «Der Zusammenbruch dieser Politik wird kommen. Denn wirtschaftlich ergeben Nullzinsen keinen Sinn», sagte er der Zeitschrift.

Durch die Niedrigzinspolitik werde die Bevölkerung das Vertrauen in Währungen und Zentralbanken verlieren. Die Folgen wären dramatisch, so Grübel: Die Zinsen würden emporschnellen und professionelle Investoren könnten ihre Anleihen dennoch nicht mehr losschlagen, weil die Banken aufgrund der Kapitalvorschriften nicht kaufen könnten. «Die Volatilität wird so hoch sein wie noch nie», sagt der Deutsche.

Goldanteil erhöhen

Besonders gefährlich sind laut Grübel riskante Unternehmensanleihen. «Der Ramschanleihemarkt wird die Investoren in ein Jammertal führen, aus dem keiner mehr rauskommt», lässt sich der Ex-Banker zitieren. Stattdessen sollten Anleger nun Gold kaufen. «Ich kann nur empfehlen: Erhöhen Sie den Goldanteil bei Ihren Anlagen auf 30 Prozent!».

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Eigentlich funktionierten nur noch Märkte, die nicht von den Zentralbanken manipuliert würden. Dazu zählten die Rohstoff- oder Aktienmärkte, so Grübel. Gut angelegt sei das Geld auch in Immobilien. «Anleger sollten jetzt den Mut haben, Hypotheken aufzunehmen. Im Falle einer Geldentwertung können sie diese Schulden dann billiger zurückzahlen.»

Falsche Politik der SNB

Grübel spricht sich schon lange vehement gegen die Niedrigzinspolitik aus. Diese führe dazu, dass die falschen Unternehmen und Personen billig zu Krediten kommen. In der Schweiz habe zusätzlich die jahrelange Devisenkaufstrategie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Bilanz der Zentralbank derart aufgebläht, dass sie zu einem nationalen Risiko geworden sei.

«Die SNB hat – im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt des Landes – die höchste Bilanzsumme von allen Zentralbanken in der Welt. Die Politik stört das nicht, obwohl das Risiko enorm ist und grösser ist als bei den Banken», sagte Grübel der «Handelszeitung».

«Fantastische Kaufgelegenheit!»

Ein Crash biete aber auch Chancen, sagt Grübel: «2009 herrschten Panik und Weltuntergangsstimmung. Eine fantastische Kaufgelegenheit! Solche Gelegenheiten muss man nutzen. Damals konnte man sehr billig europäische und amerikanische Aktien kaufen, eine einmalige Chance.»

Der Rundumschlag von Oswald Grübel in der «Handelszeitung» (Ende 2015):