Die EZB steht nach ihrer im Juli eingeleiteten Zinswende wegen der Rekordinflation vor ihrer nächsten grossen Zinserhöhung. An den Börsen wurde zuletzt spekuliert, ob die Währungshüter um Notenbankchefin Christine Lagarde am Donnerstagnachmittag im Kampf gegen die ausufernde Teuerung sogar einen bislang unvorstellbaren Jumbo-Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten beschliessen werden.

Eine so starke Zinsanhebung hat es, seit in der Währungsunion mit Euro bezahlt wird, noch nie gegeben. Eine Erhöhung um 0,50 Prozentpunkte gilt unter Volkswirten als Mindestschritt. Aktuell liegt der Leitzins im Euro-Raum bei 0,50 Prozent.

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Teuerung viermal so hoch wie Inflationsziel

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist zuletzt immer mehr unter Zugzwang geraten. Denn die Inflation im Euro-Raum eilt von Rekord zu Rekord und kletterte im August auf 9,1 Prozent. Und ein Nachlassen des Preisschubs ist angesichts der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs nicht absehbar.

Die Teuerung ist inzwischen mehr als vier Mal so hoch wie das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. Unter den Euro-Wächtern sind daher die Stimmen immer lauter geworden, die ein energisches Einschreiten für notwendig halten. So forderte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel nach Veröffentlichung der neuen Preisdaten eine kräftige Zinserhöhung.

In den Tagen zuvor hatten mehrere Währungshüter dafür plädiert, auch einen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten auf der Sitzung zu diskutieren.

Dem Euro-Raum droht Rezession

Neue Prognosen der EZB-Volkswirte zu Wirtschaftswachstum und Inflation, die zur Zinssitzung vorliegen werden, dürften Lagarde und den anderen Ratsmitgliedern eine wichtige Orientierungshilfe geben. Wie diese ausfallen werden, wird wahrscheinlich mit den Ausschlag geben, wie gross die Zinserhöhung letztendlich ausfallen wird.

Auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss dürfte Lagarde dann befragt werden, ob in den kommenden Monaten weitere Schritte anstehen.

Die Situation ist für die Notenbank äusserst schwierig. Denn nach Ansicht vieler Volkswirte droht der Euro-Raum in eine Rezession abzugleiten. Eine Zinserhöhung mitten in einer Schwächephase würde aber die Konjunktur womöglich noch weiter eintrüben.

Andererseits kann die EZB aber auch nicht zulassen, dass die langfristigen Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen. Dabei geht es auch um ihre Glaubwürdigkeit. Beide Punkte dürften bei der Diskussion um den weiteren Zinskurs der Notenbank eine zentrale Rolle spielen.

(Reuters/bsc)