Das Phänomen ist weltweit zu beobachten. In allen 38 von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) untersuchten Ländern gibt es einen Gehaltsunterschied zulasten der Frauen. Das zeigt der neu veröffentlichte Einkommensbericht. Gemessen an Kriterien wie Qualifikation und Leistung müssten beispielsweise in den 26 untersuchten europäischen Staaten Frauen 0,9 Prozent mehr verdienen als Männer. Tatsächlich verdienen sie laut ILO-Bericht aber fast 19 Prozent weniger.

Besonders schlecht schnitten in der Studie die USA und Russland ab. Die stellvertretende Generaldirektorin der ILO, Sandra Polaski, nannte Diskriminierung als eine Ursache der erheblichen Einkommensunterschiede in vielen Ländern.

Auch in der Schweiz weiter ein Thema

Der Grundsatz der Lohngleichheit für Frau und Mann ist auch in der Schweiz seit 1981 in der Bundesverfassung und seit 1996 im Gleichstellungsgesetz verankert. Trotzdem verdienen Frauen in der Schweiz 18,9 Prozent weniger als Männer. Fast die Hälfte dieser Differenz ist nicht mit objektiven Faktoren erklärbar und damit unzulässige Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts. Frauen verdienen monatlich durchschnittlich 677 Franken weniger als Männer mit gleicher oder vergleichbarer Arbeit. «Das sind jährlich 7,7 Milliarden Franken, die nicht nur Frauen, sondern auch Familien fehlen», sagte kürzlich Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Es gibt aber auch Schweizer Arbeitgeber, die sich aktiv dagegen stemmen. 40 Unternehmen, Organisationen und öffentliche Körperschaften machen beim Lohngleichheitsdialog mit. Sie beschäftigen zusammen rund 200'000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Den Nachweis erbracht, dass es bei ihnen keine Lohndiskriminierung gibt, haben: Novartis Pharma, Schweizerische Post, Syngenta Crop Protection, VCS Verkehrs-Club der Schweiz, Bernische Kantonsverwaltung, Swisscom, Ergon Informatik, RWD Schlatter, McDonald's, UPC Cablecom, KV Schweiz, Gewerkschaften Unia, Hoffmann-La Roche, Tornos, Gewerkschaft Syndicom, Baloise und Schindler Aufzüge.

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(reuters/sda/se)